Stefanie, 4.7.2012

Und dann waren die 10 Monate schon wieder vorbei…

Mein Austauschjahr ist wie ein Klavier. Die weißen Tasten präsentieren die Fröhlichkeit, die schwarzen Tasten die Traurigkeit und wenn man das ganze Austauschjahr bis jetzt abspielt, dann merke dir, die schwarzen Tasten machen auch Musik…

Mein Austauschjahr ist fertig. Es kommt einem wirklich wie ein Traum vor. Mir fällt es immer noch schwer, alles zu realisieren! Nicht jeder Tag war der Beste in meinem Leben, aber alles in allem ist dieses Austauschjahr total gelungen!

Am Ende war ich noch auf einer Nordkap-Tour mit meinen „Großeltern“ und meiner kleinen Gastschwester: Das Nordkap liegt auf einer Insel und ist der nördlichste befahrene Punkt Europas. Um zu dieser Insel zu gelangen, muss man durch einen Tunnel fahren, der unter dem Wasser gebaut wurde. Ich habe immer gedacht, da wo ich wohne, gibt es kaum Menschen. Aber da oben wohnt wirklich kein einziger Mensch. Du siehst nur eine ganz lange Straße, Meer, Bergen und einige Hütten und viele Touristenbusse. Aber kein Baum, keine Sträucher oder irgendetwas, das diese Insel lebendig macht.

Auf der Nordkap-Plattform

Wir haben in einer kleinen Hütte gewohnt, direkt am See, wo wir dann fischen waren am ersten Abend. Und das sieht dann so aus, dass dort 5 Hütten stehen und dass du dann erst 5 km fahren musst, um die nächsten 5 Hütten zu sehen. Am Samstag fuhren wir morgens zur Nordkap-Plattform. Die Natur ist wirklich einzigartig dort oben mit steilen Klippen und Bergen. Außerdem waren wir in Honningsvåg, einem kleinen Fischerstädtchen. Abends waren wir wieder fischen, nur diesmal im Meer und ich habe meinen ersten Fisch gefangen (Dorsch, 2 kg!) und dann war ich natürlich total stolz :)

Am Sonntag sind wir wieder zurückgefahren, aber mit einem kleinen Umweg über Karasjok, (oder auch Kárášjohka auf Samisch). Das ist das 2. Hauptzentrum der Samen, das erste ist Kautokeino. Es gibt sogar ein Samisches Parlament, das sich dort befindet. Die Natur ist wirklich einzigartig in Nordnorwegen. Während es in meiner Region viel Wald und Berge gibt, wird es flacher und es gibt kaum Bäume je nördlicher man fährt.

Aber dann war es an der Zeit, meine Gastfamilie, eine Familie, mit der man ein Jahr in einem Haus gelebt hat und eine ganz gute Beziehung aufgebaut hat, und Freunde, zu verlassen. Das war kein leichter Prozess und viele Tränen sind geflossen.

Nachdem ich meinen Koffer gepackt hatte, ging es noch zu einem Abschlusscamp auf Sortland in Nordnorwegen. Mit zwei kleinen Flugzeugchen haben wir uns auf den Weg gemacht. Dort hatten wir die Möglichkeit, uns über unser Jahr auszutauschen und bekamen erzählt, wie es wohl sein wird, nach 10 Monaten wieder in sein Heimatland zu kommen. So saßen wir dann irgendwann im Flieger nach Frankfurt: Einerseits freute man sich auf seine Familie, aber auf der anderen Seite wollte man auch nicht seine 2. Heimat verlassen. Ich glaube, meine durchschnittliche Schlafmenge lag in der der letzten Woche bei etwa 3 Stunden die Nacht.

Die letzten Nächte auf dem Abschlusscamp haben wir durchgemacht. Im Flugzeug konnte ich dann auch nicht schlafen und so kam ich total übermüdet nach Frankfurt. Und dann wartet man bis endlich sein Koffer auf dem Fließband erscheint und man einfach in die Arme seiner Eltern springen kann. Ich habe mir immer versucht vorzustellen, wie es sein würde, meine Familie wieder zu sehen. Ehrlich gesagt, war es total schön, aber auch zugleich komisch, weil man sich nach diesem Jahr an eine andere Familie gewöhnt hat.

Wenn man zurückkommt scheint einem alles so vertraut, aber irgendwie doch fremd. Die deutsche Sprache kommt einem so vertraut vor, aber irgendwie braucht man einige Tage, bis man sie wieder sprechen kann. Es sind schon kleine Dinge, die einem so komisch vorkommen: Den Wasserhahn aufzudrehen, die Kühlschranktür zu öffnen oder wieder in seinem Bett zu schlafen. Aber ich weiß, dass ich je länger ich in Deutschland wohne, mich wieder eingewöhnen werde. Das Problem ist nur, das man sich erst nicht eingewöhnen will, weil man nicht wieder eine Veränderung will.

Ich weiß auf jeden Fall, dass ich egal was hier in Deutschland passiert, in Norwegen Leute habe, die mich gerne haben, die mich auch vermissen und bei denen ich immer willkommen sein werde.

Somit möchte ich allen danken, die den Traum haben wahr werden lassen und die mich unterstützt und mir vertraut haben: SAP, MRN, AFS, meiner Familie und allen anderen Leuten, die mich unterstützt haben.

Auch DANKE an alle, die meine Berichte gelesen haben und mir ein gutes Feedback gegeben haben.

Ha det bra!!!

Stefanie

Veröffentlicht unter Stefanie Hentschel | Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>