Verena, 9.4.2015

Ostern in Norwegen

Heisann!

Schon wieder ist ein Monat vergangen und es wird höchste Zeit für einen Bericht von mir aus dem „Hohen Norden“. Es sind noch knapp 3 Monate. Was? Ich bin doch gerade erst angekommen? Mein erster Schultag. Das erste Treffen der Gastfamilie. Die ersten Norwegischversuche. Das alles kommt mir vor, als wäre es gerade eben erst passiert und dennoch ist es schon so weit weg.

Es ist gerade Ostern vorbei und die meisten Schüler in Deutschland sollten noch Schulferien haben. Oder? Ich habe schon wieder Schule und der Schulstress hat mich schon fast wieder eingeholt, da wir in den nächsten Wochen wieder Tentamen, das sind ca. 6-stündige Kursarbeiten, die zweimal im Jahr geschrieben werden, schreiben muss, um die auch ich als Austauschschülerin leider nicht drumrumkomme.

BILD 1Ostern wird hier ziemlich traditionell gefeiert. Es sind nicht der Ostersonntag & Montag das Wichtigste wie in Deutschland. Da wir nur eine Woche Ferien haben, wird auch die ganze Woche für Ostern genutzt! Besonders typisch hier ist es, auf die Hytta zu fahren. Fast jede Familie hier hat eine Hytta am Meer, in den Bergen oder einfach im Wald. Manchmal haben auch nur die Großeltern eine, was aber mindestens genauso gut ist, finde ich. :)

Außerdem isst man viiiel Kvikk Lunsj Sjokolade, Apfelsinen und trinkt Limonade. Man geht auf Skitour mit großer Essenspause, in der man dann Würstchen grillt und Kaffee/Tee trinkt. So ähnlich lief meine Woche auch ab. Wir waren erst drei Tage auf der Hytta mit Tante und Großeltern, Familie eben. Dort waren wir auf Skitour im allerdings eher spärlichen Schnee, haben viele Kartenspiele gespielt, viel Süßes gegessen und so unsere Tage verbracht.

BILD 2Mittwochs waren wir dann für einen Tag in Åre. Es war ein Traumwetter auf der Piste, perfekter hätte es wirklich nicht sein können. Und das alles ohne Liftgedrängel und fast leere Pisten. Das ist Schweden! :) Danach sind wir am nächsten Tag auf die Hytta von Freunden in Kvila, das liegt in der Nähe von Røros gefahren. Stellt euch einfach vor Røros ist seeehr kalt. Dort mussten wir dann erstmal auf Skiern zur Hütte gelangen, da die Hütte irgendwo zwischen den Bergen liegt und man da mit dem Auto nicht hinkommt.

Also haben wir uns auf Skiern (waren ja „nur“ 4 km) versucht durch den Tiefschnee zu bewegen. Das ist gar nicht so einfach und super anstrengend aber auf jeden Fall einfacher als zu Fuß, da versinkt man nämlich hoffnungslos im Schnee :D . Dort waren wir dann auch wieder 3 Tage ganz ohne Strom, bzw. nur Strom über eine selbstgebastelte Stromerzeugmaschine, kein fließendes Wasser und die einzige Wärme war Feuer. Wir haben dort Wasser aus dem See getrunken, der daneben liegt (was ich aber zum Glück nicht wusste, als ich es getrunken habe :D ). Ich war zwar im Nachhinein etwas geschockt als ich erfahren habe, dass man das Wasser einfach mit der Schöpfkelle aus dem See nimmt, aber es hat wirklich gut geschmeckt, wie Wasser in Norwegen eben. Hier kann man in den Bergen fast überall das Wasser trinken.

BILD 3Wir waren wieder auf Skitur, diesmal ohne Loipe im Tiefschnee und ich glaube niemand wusste so genau wo wir waren. Da stapft man einfach auf Skiern über den See, mit Würstchen, Kaffee/Tee und Holz im Gepäck und guckt mal wo man rauskommt. Funktioniert erstaunlich gut! Wir haben außerdem neben der Hütte eine große Schneehöhle gebaut, in die wirklich viele Leute reingepasst haben sowie Sofa und Tisch gebaut bzw. eher gegraben. Denn „Påskekos“, das bedeutet so viel wie Gemütlichkeit an Ostern mit viel Schokolade, Suüssigkeiten, Limonade, Kreuzworträtseln und Kartenspielen, darf natürlich auch nicht zu kurz kommen.

BILD 4Ostern ist also wirklich Zusammensein mit der Familie und ich bin immer wieder überrascht, dass man in so kurzer Zeit eine komplett neue Familie haben kann und ein komplett neues Leben aufbaut. Hier gibt es allerdings nicht wirklich einen Osterhasen, den ich ja schon ein bisschen vermisst habe :D . So eine Zeit auf der Hütte ist also wirklich ganz einfach und eigentlich komplett abgeschnitten vom Rest der Welt. Allerdings geht das nicht so lange meiner Meinung nach, den Duschen im Schnee ist etwas, was soll ich sagen – Kalt? :D

Mich hat die Osterzeit hier wirklich fasziniert und sie hat mir mal wieder gezeigt, wie stark Norweger sich verändern können. Denn wie ich bestimmt schon in einem anderen Bericht erwähnt habe, sind Norweger normalerweise sehr auf digitale Medien fokussiert, in der Schule, wie auch zu Hause. Netflix nimmt bei vielen einen großen Teil der Freizeit ein und Freundschaften werden auf Facebook geknüpft, was ich persönlich oft sehr schade finde. Doch wenn Ferien sind, können sich Norweger nichts schöneres vorstellen, als komplett abgeschnitten von der Welt auf einer Hütte zu leben, tagsüber langlaufen oder eisfischen zu gehen und abends mit einem Buch am Feuer zu sitzen. Und genau diese Mischung macht einen typischen Norweger aus.

BILD 5Jetzt müssten in Deutschland eigentlich schon die Blumen anfangen zu blühen und hier spielt das Wetter einfach nur verrückt. Während ich vor ein paar Tagen noch im tiefen Schnee saß, regnet es im Moment hier, nachdem es gestern mal wieder geschneit hat. Ich glaube über einen launischen April werde ich mich in Deutschland wirklich nicht mehr beschweren. Norwegen und April zusammen ist echt eine Herausforderung. Doch wer weiß was er noch bringt?!

Hier zuhause (ein paar Meter über dem Meeresspiegel) liegt jedenfalls kein Schnee mehr aber es ist immer noch wirklich kalt. Aber die Tage werden länger und länger.

Liebe Grüße und nachträglich noch „GOD PÅSKE“!

Verena :)

Veröffentlicht unter Verena Lorenz | Hinterlasse einen Kommentar

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