20.6.2018

Bericht #6 - Letzte Tage im Sunshine State

Servus MRN!

Vor mir stehen noch wenige Tage, bis ich wieder ins Flugzeug steige. Das muss ich erst noch selber realisieren. Noch eine gute Woche im Sunshine State. Das werde ich jetzt nochmal richtig auskosten! So gerne ich am Neckarstrand bin, aber surfen geht da einfach nicht!

In den letzten Wochen war ich immer relativ viel unterwegs. Mal war ich angeln, mal Jetski fahren. Letztes Wochenende wollten wir eigentlich mit Delphinen schwimmen gehen, in der ältesten Stadt Floridas: St. Augustine. Das wurde dann leider nichts, weil wir die Zeit ein wenig aus den Augen verloren hatten. Noch tickt die Uhr, noch hab ich Zeit, das nachzuholen.

Sonst bin ich auch sehr oft in den Universal Parks unterwegs. Meine Gastfamilie hat meinem Gastbruder und mir eine Jahreskarte gesponsert. Das ist ganz großes Kino! Das hat sogar zur Folge, dass ich aus gesundheitlichen Gründen (wegen des Achterbahnfahrens) mal nicht ausgiebig frühstücke. Aber ich muss auch zugeben, das ist es echt wert!

Dann erzähle ich gerne noch von meiner Botschafter-Tätigkeit. Meine erste Präsentation hatte ich schon am Mitte des Jahres vor meinen Football-Freunden und Mitspielern gehalten, mit allem bereitgestellten Material!

Die 2. Präsentation - vor dem Wrestling Team - ist nur ein paar Tage her. Da hab ich allerdings viel improvisiert, was zur Folge hatte, dass dann viel mehr reingeflossen ist was MRN ganz speziell für mich bedeutet.

Amerika an sich ist ja in vielen Dingen klischeebehaftet. Wenn man Deutsche dazu befragt, hat fast jeder immer eine klare Meinung bzw. bestimmte Stereotype im Kopf: u.a. Fast Food, dicke Leute, jeder trägt eine Waffe … so in etwa. Manches trifft natürlich zu, aber es betrifft bei weitem nicht die Allgemeinheit. Genauso ähnlich läuft das hier mit den Deutschen: Die Amerikaner denken bei uns an Sauerkraut, Bier und Adolf Hitler. Das klingt mindestens genauso hart, nicht wahr?

Ich denke meine Aufgabe und Herausforderung, meine Challenge bestand darin, diese Klischees in den Köpfen der Leute ein bisschen zu ändern und ein anderes Bild zu zeigen, ihnen klar zu machen, dass wir Deutschen weit mehr zu bieten haben als Bier trinken auf dem Oktoberfest… Viele haben gar keinen Plan was Deutschland angeht. Ein Kollege aus dem Wrestling Team war sogar sehr überrascht als ich sagte, dass ich früher mal Tennis gespielt habe in Deutschland. Dass Deutschland durchaus eines der G7-Länder ist und einer der führenden Industriestaaten, war für manchen eine Überraschung.

Ab und zu muss man echt sagen, ohne selbst wiederum Stereotype zu bedienen: Die USA sind in gewisser Weise eine riesige Blase – einfach weil es tatsächlich viele Leute zwischen Ost- und Westküste gibt, die ohne eine echte Wahrnehmung für den Rest der Welt leben. Zugegeben, das ist in Deutschland auch nicht immer überall der Fall. Ich traf allerdings auch Amerikaner, die dahingehend topfit sind, wo Argumentationen und Gespräche echt Spaß machen. Alles in allem ist das Feedback zu meiner Heimat sehr positiv ausgefallen. Vor allem die Werbespots der MRN haben großen Eindruck hinterlassen. Bilder sagen oft doch mehr als Worte!

Was zudem auch positiv aufgenommen worden ist, kann eventuell sich ein zukünftiger Botschafter zu Herzen nehmen, ohne abgehoben zu sein, einfach auch persönliche Bilder zum Beispiel mit Freunden auf dem Heidelberger Schloss einfließen zu lassen. Ich als Heidelberger, das muss ich zugeben, war mächtig stolz sagen zu können das ich in der Stadt mit diesem „alten, kaputten Schloss“ wohne, was ja eine der zehn meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in der Bundesrepublik ist. Da waren dann alle sehr beeindruckt, Alt Heidelberg du feine…!

Interesse hat auch unser Schulsystem geweckt und viele fanden dieses auch teilweise besser als das eigene -- an manchen Punkten, an manchen Punkten auch nicht. Aber das ist ja der Sinn daran, sich mit der Sache auseinanderzusetzen. Auch dass Bildung in Germany weitestgehend kostenlos ist, das würde ich in den Reaktionen ganz klar als großes Plus herausdeuten. Wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, wie es nach der Schule weitergeht, wird einem das schnell bewusst.

Was auch noch gut angekommen ist und was ich auch wirklich hier so zu spüren bekommen habe, ist der öffentliche Nahverkehr. Ich glaube, wir in der Metropolregion Rhein-Neckar sind da echt verwöhnt, mit Bus oder Bahn überall in wenigen Minuten sein zu können. Hier in meinem Gastort gibt’s eine einzige Buslinie, aber dafür darf man schon mit 16 Jahren den Führerschein machen…

Was ich in puncto Kultur mit am meisten hier mitgegeben habe, ist Musik, insbesondere auch deutscher Hip-Hop. Meine Freunde oder Teamkameraden kennen nun z.B. auch Gruppen wie „187 Straßenbande“. Die sind am besten aufgenommen worden. Und ich muss zugeben, es ist echt lustig, wenn Amerikaner deutsche Lieder mitsingen. Und nicht nur die Amerikaner feiern deutsche Musik, auch die andern Afs‘ler aus unterschiedlichsten Nationen sind beim deutschen Hip-Hop hängengeblieben. Gut, man muss zugeben, dass in unserer AFS Gruppe mit 8 Leuten, die deutschsprachigen in der Überzahl waren. Aber wir haben auf jeden Fall neue Hörerschaft gefunden. So sieht man, dass der deutscher Hip-Hop nicht nur negativ belegt ist, sondern auch Völker miteinander verbindet und gute Laune verbreiten kann.

Ich melde mich auf jeden Fall nochmal aus einem hoffentlich euphorischen Deutschland mit dem 5. Stern über dem Adler…

Bis bald,

Julian