12.4.2018

Bericht #6 - Was mir am amerikanischen Schulsytem gefällt

Hallo MRN!

Nun ist ja auch schon wieder ein Weilchen vergangen und so langsam wird mir auch bewusst, dass die längste Zeit meines USA-Jahres nun definitiv vorbei ist. Natürlich habe ich auch wieder jede Menge erlebt und neue Erfahrungen gemacht, das meiste war aber schulisch und davon möchte ich Euch jetzt mal berichten.

An meiner amerikanischen Highschool ist das Schuljahr nicht wie an meiner deutschen Schule in zwei Halbjahre aufgeteilt, sondern wir haben hier drei Trimester und der Unterricht ist in Blöcke eingeteilt, was so in etwa unseren Fächern entspricht. Eine Schulstunde dauert nicht wie in Deutschland nur 45 Minuten, sondern ganze 70  Minuten, was sich manchmal anfühlt wie eine Ewigkeit. Jedoch haben wir neben Sport nur fünf von diesen Blöcke, also deutlich weniger als zuhause. Dies macht das Lernen doch einiges erträglicher, da man einfach nicht so viele Fächer vorbereiten muss. So ganz frei sind aber auch die Amerikaner in ihrer Fächerwahl nicht. Eine Naturwissenschaft, Englisch Klasse, Mathe, Geschichte, und Sport muss schon drin sein.  Das Fach Gesundheit und Geld (Wirtschaft) muss man mindestens einmal während der Highschool  Zeit besucht haben.

Toll finde ich auch, dass es hier nicht immer die gewohnten und typischen Schulfächer sind, die unterrichtet werden. So habe ich in meinem ersten Trimester Fashion belegt, was mir richtig viel Spaß gemacht hat. Neben Wissenswertem über verschiedene Modestile haben wir auch ein Haus selbst designt und als Modell gebaut. Obwohl ich selbst mich als recht sportlich bezeichnen würde, bin ich immer wieder erstaunt, welchen Stellenwert der Schulsport hier hat. Dies fängt schon mit der Ausstattung an. Elektronische Zeitmessungen und Fitnessgeräte vom Feinsten sind hier selbst an einer staatlichen Highschool ganz normal. In meinem jetzt anstehenden letzten Trimester habe ich mich für Leichtathletik entschieden, dem sogenannten „track and field“. Obwohl ich das Training in meinem Heimatverein, dem MTSV Beindersheim, schon recht anstrengend finde, kann ich hier nur sagen: „ich bin oft genug einfach nur platt!“. Wir trainieren fast täglich bis zu zwei Stunden entweder vor oder nach dem eigentlichen Unterricht, so dass ich oft erst um 6 Uhr abends zuhause bin und am Wochenende stehen häufig Schulwettkämpfe an. Dafür habe ich inzwischen aber, wie ich selbst finde, eine Top-Kondition.

Ein weiterer großer Unterschied zwischen einer deutschen Schule und einer amerikanischen sind die Abschlussprüfungen, die ja je nach Schultyp auch in Deutschland sehr variieren, aber immer am Ende der Schullaufbahn geschrieben werden. An den amerikanischen Highschools ist das aber etwas anders, da werden die Abschlussprüfungen in der Jahrgangsstufe elf geschrieben. Ein weiterer großer Unterschied zwischen den Abschlussprüfungen der Schulen ist dass die ACTs (American College Test)  ein in verschiedenen Teilen aufgeteilter multiple choice sind. Wohingegen man im Abitur - soweit ich weiß - die Antworten ausformulieren muss. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass die multiple choice tests leichter sind: Denn, wenn alle Antwortmöglichkeiten nah an der richtigen Lösung sind  und alle Sinn ergeben würden, dann kann man schon mal in Verlegenheit kommen. Während man hier eine Wahlmöglichkeit bei den Klassen, dem so genannten Level, hat, gibt es bez. der Prüfungsfächer kaum Wahlmöglichkeiten. Vorgeschrieben sind Tests in  den Kategorien Mathe, Naturwissenschaften, Englisch und Lesen. In jeder Kategorie kann man Punkte erreichen. Der Durchschnitt wird dann zusammengezählt und ergibt dann den „ACT score“. Die höchste Punktzahl, die man erreichen kann ist 36. Diese Punktzahl ist wird aber in den seltensten Fällen erreicht. Eine normale Punktzahl liegt bei knapp unter 20 und 24 ist normalerweise schon recht gut. Sollte man nicht die erstrebte Punktzahl erreicht haben oder sogar durchgefallen sein, kann man den Test auch wiederholen. Dies kostet jedoch Gebühren! Ähnlich wie in Deutschland beim Abitur sind die Ergebnisse der ACTs ausschlaggebend für einen Studienplatz an einer der begehrten Universitäten oder Hochschulen. Jedoch ist die Punktzahl nicht allein ausschlaggebend für den Studienplatz, entscheidend ist auch, welche Klassen (also Levels) man gewählt hat. Nach einigen Monaten amerikanischem Schulbesuch kann ich für mich persönlich sagen, dass mir der Englischunterricht inzwischen relativ leicht fällt, ich aber beispielsweise den Matheunterricht im Vergleich zu meiner deutschen Schule, die ich ja nach der neunten Klasse unterbrochen habe, recht schwer finde.  Besonders interessant finde ich momentan den Geschichtsunterricht, da reden wir gerade über den kalten Krieg. Hier werde ich auch oft um meine Meinung und somit die persönliche deutsche Sicht gefragt. Sehr geholfen hat mir, dass sich die Lehrer immer Zeit für mich genommen haben und mir manches auch nach dem Unterricht nochmal extra erklärt haben.

Liebe Grüße aus Wisconsin

Hanna