2.5.2018

Bericht #7 - Hartes Training, aber tolles Gemeinschaftsgefühl

Hello MRN!

Seattle ist zwar keinesfalls vergessen, aber doch schon ein paar Wochen vorbei und der „normale“ amerikanische Schulalltag hat mich wieder eingeholt. Inzwischen wird es auch ein wenig wärmer und nach dem Start des neuen Trimesters musste ich mich für eine neue Sportart in der Schule entscheiden. Da ich in Deutschland vereinsmäßig Leichtathletik betreibe, habe ich mich entschlossen, dem Schulteam beizutreten. Obwohl ich bei uns schon das Training sehr anstrengend finde, ist dies nicht vergleichbar mit Amerika. Täglich nach der Schule stand nun zwischen 15:30 Uhr bis 18 Uhr Leichtathletik auf dem Programm. Die erste Woche konnte ich vor Muskelkater kaum die Treppen steigen, obwohl ich mich nicht gerade als untrainiert bezeichnen würde. Aber ich war nicht die einzige und unsere Coaches hatten zwar Verständnis, aber nicht viel Mitleid mit uns. Ende April kehrte der Winter wieder zurück und wir hatten mehrere Zentimeter Neuschnee. Doch auch da ging das Training unermüdlich weiter und wir trainierten auf der freigeräumten Bahn Speeds, nur eben mit dicker Jacke und Leggings unter der Jogginghose. Von heute auf morgen wechselten wir von Speed zu Endurance (Ausdauer). Dem eigentlichen Leichtathletiktraining schloss sich meist ein Krafttraining an. Beeindruckend fand ich die Ausstattung im Kraftraum, der manches deutsche Fitnessstudio in den Schatten stellt.

Durch den auch für Wisconsin verhältnismäßig langen und harten Winter mussten leider einige Wettkämpfe abgesagt werden. Aber die Wettkämpfe, die ich mitmachen durfte, waren immer toll und ein richtiges Ereignis. Die meisten Wettkämpfe waren unter der Woche während der Schulzeit am Nachmittag. Unser Team war dann die letzte Unterrichtsstunde befreit und wir fuhren gemeinsam mit dem Bus zur Wettkampfstätte. War unsere Schule Ausrichter des Wettkampfes, mussten wir natürlich den Aufbau und alle Vorbereitungen übernehmen. Es war auf jeden Fall immer ein tolles Gemeinschaftserlebnis: Nach der Ankunft haben wir unser Mannschaftszelt aufgebaut. Nach Sichtung des Zeitplanes übten wir gezielt die Übergänge in der Staffel. Bei der Hochsprunganlage haben wir aufwendig mit Messband den Anlauf optimiert und markiert. Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start haben wir uns gemeinsam mit den Teamkollegen, die in derselben Disziplin angetreten sind, aufgewärmt. Ich selbst war immer im Hochsprung und bei der 100 Meter und 200 Meter Sprintstrecke am Start. Normalerweise starteten die Wettkämpfe mit Hochsprung, gefolgt vom 100 Meter Wettkampf, gegen Ende kam dann die 200 Meter Distanz. Nach der 200 Meter Strecke habe ich mich immer auf den Abschluss gefreut, der meist in einem gemeinsamen Essen und Feiern bestand.

Ein besonderes Ereignis ist immer der letzte Wettkampf der Saison, an dem unsere Schule Gastgeber war. Dort werden nämlich die Seniors, also die Schüler der Abschlussklasse, in einer „Seniornight“ extra geehrt. Für diesen Abend wurden extra Fotos im Sportdress gemacht, daraus ein professionelles Poster angefertigt mit dem jeweiligen Namen und den Initialen. Davor hat man sich zusammen getroffen und jeder hat einen Dankesbrief an seine Eltern geschrieben. Für mich war dies eine tolle Gelegenheit, einmal ganz offiziell bei meinen Gasteltern Danke zu sagen für die herzliche Aufnahme und Unterstützung in den vergangenen Monaten.

Höhepunkt der Sportsaison sind die Championship. Da ich auf die 200 Meter Strecke super abgeschnitten habe, konnte ich mich für die „Regionals“ qualifizieren. Leider hat es an dem Tag wie aus Eimern gegossen, so dass wir unsere Pausen im Bus verbrachten. Obwohl ich persönliche Bestzeit gerannt bin, hat es für eine Weiterqualifizierung zu den „ConferenceChampionship“ und den anschließenden „States“ nicht gereicht. Dennoch lautet mein persönliches sportliches Fazit, trotz des vielen und anstrengenden Trainings hat es super viel Spaß gemacht und ich konnte meine Zeiten verbessern.

Hanna