16.1.2016

Bericht #4

¡Feliz año nuevo y feliz Navidad, querida MRN! Das kommt jetzt zwar ein bisschen spät, und ich weiss ich sage das jedes Mal, aber es ist wirklich so, die Zeit rennt, und zwar davon. Dank langen Ferien wird dieser Effekt nur noch verstärkt. Aber jetzt fange ich mal an euch von meinem letzten Monat zu erzählen und wie versprochen auch von Weihnachten und Silvester in Bolivien.

Der Sommer ist da!

Ich weiß, das hört sich komisch an, aber zur Erinnerung, Bolivien liegt auf der Südhalbkugel. Sommer heisst, es regnet etwas mehr als sonst, nicht so extrem wie in Paraguay oder Argentinien, denn glücklicherweise ist ganz Bolivien, selbst das sonst überschwemmungsgefährdete Tiefland, bis jetzt von grossen Überschwemmungen verschont geblieben. In Cochabamba kann es nur mal passieren, dass bei einem etwas stärkeren Regenguss manche Straßen zu einem kleinen Fluss werden, das liegt aber mehr an den schlechten Abflusssystemen als an der Wassermenge. Ein positiver Effekt ist das langsame Grünerwerden der umliegenden Berge, die sonst immer braun sind, unter dem Jahr regnet es sonst nicht so viel.

Meine Ferien

Genug vom Wetter! Wie schon im letzten Bericht angesprochen, ist es wichtig sich eine Beschäftigung zu suchen, sonst langweilt man sich. Gegen die Langeweile hatte ich den ganzen Dezember meinen Tanzkurs, wo ich auch neue Tänze wie Tinkus oder Thobas (hoffentlich richtig geschrieben) lernte. Auch half ich für eine Woche in einer Bibelschule für Kinder in einer nahegelegenen evangelischen Gemeinde, die ich regelmässig besuche, als Betreuer mit.  Beides hat mir sehr viel Spass gemacht, nur leider lief der Tanzkurs wegen Weihnachten nur bis Ende Dezember.

Weihnachten und die Vorbereitung darauf

Weihnachten in Bolivien: Die Vorbereitungen liefen spätestens in der Woche davor auf Hochtouren, Plätzchenbacken mit der Familie den ganzen Samstagnachmittag und am Montagnachmittag mit der Familie einer Freundin. Das Schmücken des Weihnachtsbaums durfte natürlich auch nicht fehlen. Während den letzten Dezemberwochen verwandelte sich das Stadtzentrum in ein bunt blinkendes Durcheinander, in den Supermärkten wurden übermäßig viele Panettone (Kuchenspezialität ähnlich dem Christstollen) verkauft und ich machte mir langsam Sorgen, was für ein Weihnachtsfest das werden würde, so ganz ohne meine Familie aus Deutschland. Am Tag vor Weihnachten gab es noch einen Weihnachtsgottesdienst, bei dem ich mit den Kindern aus der Bibelschule die eingeübten Lieder „Al mundo paz“(Freue dich Welt) und „Gozo y Paz“ sang. Dann am nächsten Tag wurde es ernst. Den ganzen Nachmittag machten wir noch schnell Empanadas (Teigtaschen) gefüllt mit Käse oder Fleisch für das Frühstück am Morgen nach Heiligabend. Auch wurde am Nachmittag noch der Schweinebraten von meinem Gastvater abgeholt. Dann, nach der Fertigstellung, ging es mit dem Auto zu der Schwester meiner Gastmutter, ich sag jetzt mal nur Tante, um dort mit der ganzen Grossfamilie Weihnachten zu feiern. Das Haus meiner Tante war über und über geschmückt mit Weihnachtsmännern und es gab sogar ein echtes Miniaturdorf. Stolz wurden mir die versteckten Details im Dorf und die unterschiedlichen Funktionen der Weihnachtsmänner gezeigt.

Bis kurz vor Mitternacht war noch Vorbereitung in der Küche angesagt, dann kamen alle in der Nähe des Weihnachtsbaumes zusammen und das Radio wurde eingeschaltet. Im Radio läuteten um Mitternacht die Glocken und alle kamen vor der Krippe zusammen und lauschten andächtig der Ansprache im Radio. Danach wurde sich bekreuzigt und alle umarmten sich nacheinander und wünschten sich frohe Weihnachten. Es wurde sich an den langen Tisch gesetzt und das Bankett war eröffnet. Es gab allerlei Köstlichkeiten wie der besagte Schweinebraten, aber auch Pute, Palmherzensoufflé und Quinoasalat.

Das hört sich zwar nach Zunehmen an, aber da machte mir auch in der Weihnachtszeit mein Magen einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Essen gab es noch die Geschenke, doch dann ging es auch relativ schnell nachhause, denn am nächsten Tag war wieder voller Einsatz angesagt. Die ganze Verwandtschaft kam zum Früstück. Zum Glück hatten sich meine Gasteltern noch zwei „Gehilfinnen“ geholt für die Festtage. Nach den etwas stressigen Tagen war ich aber ganz froh, das mal wieder Ruhe eingekehrt war. Rückblickend kann ich sagen, das ich es mir schlimmer vorgestellt hatte, doch ich hatte so gut wie kein Heimweh.

Silvester

Da stand schon der nächste Feiertag vor der Tür. Ich fragte meine Gasteltern, was man denn so mache an Silvester. Die Tradition in Bolivien ist, die ganze Nacht durchzutanzen, doch stattdessen ging ich mit ein paar anderen Autauschschülern ins Kino und wir aßen danach in einem italienischen Restaurant. Dann vor Mitternacht gingen wir auf den Prado (Hauptstraße) und schauten und das kleine Feuerwerk an. Nebelschwaden wie in Deutschland gab es nicht auf den Straßen, dafür aber tieffliegende Raketen…

Das war es auch schon mit meinem Bericht. Er ist etwas kürzer geraten, aber beim nächsten Mal gibt es dann mehr zu berichten, nämlich von einer Hochzeit in Santa Cruz…

Bis dahin alles gute und viele Grüsse aus Cocha nach Deutschland, euer Jonathan