8.6.2016

Bericht #7

Liebe MRN

Es hat jetzt ein bisschen länger gedauert mit meinem neuen Bericht, aber ich denke nach zwei Monaten gibt es nun etwas mehr zu berichten von meiner Zeit hier in Bolivien, die sich nun langsam ihrem Ende zuneigt. Ich merke wie sehr mir die Menschen hier ans Herz gewachsen sind und wie schnell die Zeit doch vorbeigegangen ist und ich weiß, wie schnell die nächsten 3 Wochen umgehen werden.

Bloqueo Cochabamba (Streik der Kleinbusse)
Bolivien ist ein Land, wo die Politik überwiegend auf der Straße ausgetragen wird, das hatte ich schon auf meiner Reise durch das Land mitbekommen; selbst der Präsident Evo Morales ist dadurch an die Macht im Land gekommen. Dieses Mal war es nur ein in Cochabamba ausgeführter Streik. Die Brücken in die Innenstadt wurden blockiert und kein Auto wurde durchgelassen, ich, der zwar von dem Streik gehört hatte, aber dem Aufruf der Schule gefolgt war, dass der Unterricht stattfinden würde, stand ganz normal auf und nahm den Bus. Außerdem musste ich aber zwei Blöcke vor dem Stadium austeigen, und das letzte Stück zu Fuß gehen. Auf dem Weg zur Schule, die schlussendlich doch nicht stattfand, bekam ich einiges zu sehen, zum Beispiel die ganzen anderen Leute, die auch zu Fuß unterwegs waren und die am Streik beteiligten Fahrer, die dann anstatt die Straßen Cochabambas unsicher zu machen, in Jogginghosen und voller Emotion Fußball spielten.

Tanzauftritte und Geburtstag
Meine Freizeit hier in Bolivien wird größenteils von Tanzen ausgefüllt, das habt ihr bestimmt schon daran gemerkt, dass ich in so ziemlich jedem Bericht davon berichte. Auch dieses Mal wieder, ein besonders toller Auftritt war mit meiner Tanzschule, in die ich außerdem noch gehe. Anlass war ein internationales Festival der Volkstänze in einem kleinen Theater nahe der Plaza principal in Cochabamba. An den Vorführungen nahmen auch noch Gruppen aus Peru und Chile teil. Es war ein tolles Gefühl mal vor etwas größerem Publikum zu tanzen.

Außerdem fand in meiner Schule auch ein Festival statt für den Muttertag, der hier am 27. Mai gefeiert wurde. Ich hatte nicht nur zu tanzen, sondern spielte auch zweimal mit der Schulband vor – und das sogar am Abend meines 18. Geburtstages. Nach dem Auftritt ging es dann gut bepackt, mit meinem Saxophon und einem Rucksack mit angebundenen Heliumluftballons, die ich bei einer Überraschung in meiner Tanzschule geschenkt bekommen hatte, mit meinen Freuden noch in die Pizzeria, wo wir den Abend verbrachten.

Am nächsten Tag wartete zusätzlich noch eine kleine Überraschung im Haus einer Freundin von der Jugendgruppe meiner Kirche. Ich bekam neben kleinen Geschenken noch eine Bibel auf Spanisch geschenkt.

Im Park des tanzenden Wassers
Dieser Punkt stand schon länger auf der Liste mit den Sachen die ich machen wollte, bevor es dann wieder zurück geht nach Deutschland. Dieser Park hat Springbrunnen, die bei Nacht zu Musik “tanzen” und von unten angestrahlt werden. Außer dem gibt es jeden Tag eine Vorstellung die echt interssant ist. Mehrere bekannte Musikwerke wurden abgespielt und das Wasser war teilweise wie eine Leinwand, die ein Video abspielte oder einfach Bilder von zum Beispiel Schmetterlingen über die Wasserwand huschten.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich die Zeit hier sehr gut verlebe und die letzten viel zu kurzen Wochen gut ausnutzen werde. Etwas was ziemlich lustig ist, ist dass man selber immer wieder mit denselben Fragen ausgefragt wird, auch wenn ich sagen muss, das mich hier niemand gefragt hat, ob Deutschland noch in Trümmern läge oder so, wie ich es von anderen Austauschschülern gehört hatte, die z.B. in den USA ihr Jahr verbracht hatten.

Da meine Schule auch eher künstlerisch ausgerichtet ist, wurde ich sogar mal nach dem Ort des ehemaligen Wohnsitzes Ludwig van Beethovens gefragt, was ich auf Anhieb gar nicht beantworten konnte. Sonst machen vielleicht welche mal den Hitlergruß um sich lustig zu machen, doch ich erkläre ihnen jedes Mal die Ablehnung meinerseits und das wird auch fast immer verstanden.

Für dieses Mal war es das dann und sage nun ¡Hasta luego! und Tschüss,

Jonathan