10.9.2015

Bericht #1

„Haudi“ MRN,

seit fast einem Monat lebe ich in „the lone star state“, dem warmen Texas, und ich habe seitdem schon so viel erlebt.

Am Abreisetag versammelten sich alle Austauschschüler am vereinbarten Treffpunkt am Frankfurter Flughafen. Nachdem wir uns von unseren Familien verabschiedet hatten, gingen wir in einer großen „Houston-Gruppe“, begleitet von ein paar AFS-Betreuern, die verschiedenen Kontrollbereiche durch, bis wir endlich in unserem Flieger, dem Airbus 380, saßen. Während des Fluges wurden regelmäßig warme und kalte Getränke sowie zwei warme Mahlzeiten angeboten. Außerdem bestand natürlich die Möglichkeit, Filme zu gucken oder sich auch einfach zurückzulehnen und zu schlafen. Nach ca. elf Stunden kamen wir am Flughafen in Houston an. Ich konnte noch gar nicht so richtig realisieren, dass ich jetzt wirklich für ein Jahr hier in den USA leben werde!

Nach einem Zwischenstopp in einem Hotel in Houston ging es abends für unsere Gruppe mit dem Bus weiter nach Dallas. Als wir nach der fünfstündigen Fahrt endlich im Hotel ankamen, wurden wir von AFS-Mitarbeitern freundlich empfangen. Wir waren alle total erschöpft von der ganzen Aufregung und dem langen Tag.

Nach dem Arrival Camp, das drei Tage dauerte, kamen auch schon unsere Gastfamilien, um uns abzuholen! Ich hatte meine Gastfamilie glücklicherweise schon zwei Wochen zuvor in Heidelberg getroffen, als sie mit ihrer vorherigen deutschen Austauschschülerin eine Deutschland-Tour machten. Aber jetzt, in einem mir noch fremden Land, zu ihnen nach Hause zu kommen und zu wissen, dass ich nun ein Teil der Familie werde, das war ein ganz anderes, aufregenderes Gefühl!

Meine Gastfamilie hat mich von Anfang an so freundlich aufgenommen und mich wie ein Familienmitglied behandelt. Und ich bin sehr froh, mit so einer herzlichen und fürsorglichen Familie mein Jahr in den USA erleben zu dürfen. In dem Haus, in dem wir wohnen, fühle ich mich auch schon total wohl. Für mich ist es groß und echt schön! Ich lebe hier mit meinen Gasteltern und meiner Gastschwester. Mein Gastbruder studiert hier in der Nähe und ist schon ausgezogen, kommt uns aber oft besuchen. Ach ja, mit uns leben drei aufgeweckte, liebe Hunde – womit einer meiner Wünsche in Erfüllung geht, einen Hund „zu haben“ – und eine zuckersüße Katze namens „Sugar“.

Sonst kann ich noch über das Essen sagen, dass es echt super lecker hier ist, was meine Gastfamilie macht und gesünder ist, als manche es von Amerika erwarten würden. Meistens gibt es typisch mexikanische oder texanische Gerichte.

Hier, in Denton, Texas ist es im Moment sehr warm, über dreißig Grad. Da meine Gastfamilie sozusagen auf dem Land wohnt, gibt es oft (wilde) Tiere zu sehen. Schlangen verstecken sich in Gebüschen, aber Waschbären trauen sich recht nah ranzukommen. Da ich noch eineinhalb Wochen Zeit hatte bis die Schule begann, konnte ich mich gut ausruhen, dort ein wenig einleben und erste Dinge mit meiner Familie unternehmen.

Eines der Erlebnisse war der Ausflug zum „Turner Falls Waterpark“ in Oklahoma, dem nördlichen Nachbarstaat von Texas. An einem der warmen Tage nahmen meine Gastmutter, Gastschwester und ihre Freundin mich mit dorthin, um das sonnige Wetter an dem Wasserfall nochmal so richtig auszukosten. Die Landschaft war wunderschön. Mitten in der Natur, zwischen Felsenbergen lag ein Fluss, der eine perfekte Abkühlung bot.

Ein weiteres, großes Event war die „Fair“, eine große Messe, die acht Tage lang in der Innenstadt von Denton stattfand. Es wurde typisch texanische Musik gespielt und es gab ein echtes Rodeo und viele andere spaßige und kulturelle Highlights.

In Texas ist sprichwörtlich alles ein bisschen größer, so habe ich das Gefühl. Größere Straßen, größere Häuser und größere Schulen! „Guyer Highschool“, die Schule, die ich während meines Jahres hier besuche, hat über 2.000 Schüler und ein sehr vielfältiges Angebot an Aktivitäten. Ich habe Tanzen gewählt, da mir das viel Spaß macht.

Mein erster Schultag war echt spannend. Es war eine Herausforderung, mich in den vielen Gängen zurecht zu finden. Da die Schüler dort nicht im festen Klassenverband zusammen sind, sondern jeder seinen eigenen Stundenplan hat, musste ich immer meine jeweiligen Kurse suchen. Mein Schultag dauert von 8:50 bis 15:10 Uhr. Zum Mittagessen treffen sich die verschiedenen Freundeskreise in der Cafeteria. Das ist wirklich so, wie man es z.B. aus den „Highschool Musical“-Filmen kennt. Was mir bis jetzt in der Schule besonders aufgefallen ist, ist, dass die Lehrer ein viel freundschaftlicheres Verhältnis zu den Schülern haben als es bei uns in Deutschland der Fall ist.

Was man so über Amerikaner hört, dass sie zum Beispiel alles locker nehmen, sehr freundlich und dennoch auch ein wenig oberflächlich sind, trifft nach erstem Eindruck schon zu – ich bin noch in keinem Einkaufsladen gewesen, indem ich nicht gefragt wurde, wie es mir geht, was ich tue, oder sogar irgendwie persönlich angesprochen wurde!

Für mich ist es ein total anderes Gefühl, die Ausländerin oder die Neue zu sein! Täglich werde ich nach meiner Heimatregion, meiner Sprache und den Unterschieden zwischen der deutschen und der amerikanischen Kultur gefragt. Da geht man irgendwie automatisch dem Auftrag nach, Botschafterin zu sein.

Bis zum nächsten Mal! Sonnige Grüße aus Denton, Texas.

Ann-Christin