10.10.2015

Bericht #2

Hey, what`s up? Liebe MRN,

seit meinem ersten Bericht ist schon wieder richtig viel passiert! Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht – jetzt bin ich schon fast 2 Monate hier, im „wilden Westen“. So langsam kühlt es auch ab und erste Anzeichen von Herbst sind zu sehen, wobei es immer noch ab und zu Tage gibt, an denen wir richtiges Badewetter haben.

# Schultag
Mein Schultag beginnt hier mit dem Verlassen des Hauses meistens so um 8:20 h, wenn meine Gastschwester mich mit zur Highschool nimmt, die mit dem Auto ca. 15 Minuten entfernt ist. Wir sind beide „Juniors“ auf der „Guyer Highschool“. Ich fahre also nicht mit den typischen gelben, amerikanischen Schulbussen; was aber auch ganz gut ist, da ich es ziemlich cool finde, dass meine Gastschwester schon Auto fährt, auch, wenn sie erst 16 Jahre alt ist. In Deutschland wäre das nämlich nicht möglich.

Anders als in Deutschland, hat ein Schultag meistens nur 4-5 Schulstunden, jedoch dauern diese hier ca. 90 Minuten, also deutlich länger. In der dritten Schulstunde gibt es so genannten „Lunch“ in der Cafeteria. Und da es A- und B-Tage gibt, habe ich zwei sich abwechselnde Stundenpläne, bis auf die erste Stunde, die immer Geschichte ist. In der zweiten Stunde sprechen wir den „Pledge of Allegiance“, den amerikanischen Treueschwur, wobei wir Texaner nochmal einen zusätzlichen Spruch haben für Texas (bzw. dessen Flagge).

Zu den Fächern, die ich gewählt habe, gehören Englisch, Französisch, U.S-Geschichte, Wasserwissenschaften, Mathe, Spanisch und Tanzen. Die meisten Fächer sind von dem Lernlevel etwas einfacher als in Deutschland, wobei ich hier in die elfte Klasse gehe, auch wenn ich in Deutschland dieses Jahr erst in die Zehnte gehen würde.

Schule ist generell ein Ort, an dem man Zeit mit Freunden verbringen kann, vor allem während der Freizeitaktivitäten, den „extracurricular activities“. Nach der Schule, das ist bei mir um 15:10 h, fahre ich meistens mit meiner Gastschwester nach Hause und treffe mich mit Freunden, womit Ich auch schon beim nächsten Thema wäre: Freunde!

# Freunde
Um Freunde zu finden, gibt es hier eigentlich ziemlich viele Möglichkeiten. An der Highschool hat jeder Schüler seinen persönlichen Stundenplan mit den selbst gewählten Fächern – so wie es in Deutschland in der Oberstufe der Fall ist. In den verschiedenen Fächern trifft man also immer auf andere Klassenkameraden. In einer Klasse sind durchschnittlich ca. 30 Schüler. Auf diese Weise kommt man mit vielen verschiedenen Leuten zusammen und hat unterschiedliche Freundeskreise. Witzig finde ich, dass hier jeder Lehrer seinen eigenen Klassenraum hat. Also wechseln hier nicht wie bei uns die Lehrer, sondern die Schüler in den 5-Minuten-Pausen die Räume.

Da meine Gastschwester in meinem Alter ist, ist es auch immer cool, wenn sie mich mit zu Treffen mit ihren Freunden nimmt. Obwohl meine Gastschwester und ich uns gut verstehen und wir Vieles gemeinsam machen, hat jede von uns auch ihren eigenen Freundeskreis.

Eine andere Möglichkeit „to make friends“ bietet sich in einer Kirchengemeinde. Von denen gibt es hier in Texas ganz schön viele! Fast alle meine Freunde gehen in eine. So auch meine Gastfamilie. Das finde ich echt klasse, da ich auch in Deutschland in eine evangelische Gemeinde gegangen bin und es mir wichtig war, auch hier eine gute Gemeinde zu finden. Ich war sehr überrascht, dass die Gemeinden hier so modern und locker sind! Es gibt jedes Wochenende mehrere Gottesdienste zu verschiedenen Zeiten, so dass man sich immer aussuchen kann, wann es einem am besten passt bzw. auch mal die Möglichkeit hat auszuschlafen. Unsere Gemeinde, die „Village Church“ ist immer sehr gut besucht. Hunderte von Leuten feiern zusammen Gottesdienst.

Außerdem gibt es auch ein Jugendprogramm von verschiedenen Gemeinden, welches sich „Young Life“ nennt. Hier gibt es verschiedene Gruppen an den Schulen in unserer Umgebung. Auch an meiner Schule gibt es „Young Life“ und wir treffen uns jeden Montag in einem Kirchengebäude, jeden Mittwoch in Kleingruppen bei einem der freiwilligen Leiter und seit neuestem auch ab und zu sonntags abends. Das Sonntagstreffen ist nur für Schülerleiter. Da ich von Anfang an viel Spaß bei „Young Life“ hatte, wollte ich - wie meine Freunde - auch bei den Treffen sonntags mit dabei sein um somit noch ein bisschen besser reinzukommen. Als Schülerleiterin von „Young Life“ helfe ich nun, Sachen vorzubereiten und neue Leute willkommen zu heißen, was mir viel Freude bereitet.

# Events
Mein erstes Football-Spiel war der Wahnsinn! Es fand in einem großen Stadion statt. Meine Gastschwester und ich haben uns mit den Farben unseres Maskottchen (Wildcats) – schwarz, weiß, blau  und silber – das Gesicht angemalt und auch viele andere Zuschauer hatten ein so genanntes „Face-painting“, was irgendwie das Gefühl von Einheit und Football-Fieber gab. Auch wenn ich noch nicht wirklich so den Durchblick hatte, was auf dem Football-Feld abging, war ich doch kräftig beim Anfeuern dabei! Während des gesamten Spiels wurden die Spieler kräftig von den Cheerleaderinnen unterstützt – wie man es aus Filmen kennt! In der Halbzeit gab es eine Aufführung der Tanzgruppe, bei der die Mädels unglaublich gut tanzten. Begeistert war ich auch von unserer Schulband. Diese große „marching band“ lief beim Spielen der Musikstücke nach einer bestimmten Choreografie durchs Stadion. Ich war echt überrascht, dass es so viele professionelle Gruppen an meiner Highschool gibt. Dank der tollen Unterstützung haben unsere Footballspieler das Match gewonnen und die Mannschaft wurde ausgiebig gefeiert.

Home sweet Homecoming!
Nicht nur ein großer Tag, sondern eine großartige Woche! Während der ganzen Homecoming-Woche wurde an unserer Schule gefeiert. Jeden Tag gab es einen bestimmten Dresscode: Montag war Schlafanzugtag, Dienstag Touristentag, Mittwoch USA-Tag und Donnerstag Historischer Tag. Am Donnerstag gab es nach dem Unterricht den sog. „Carnival“, der schon so richtig auf die bevorstehende Feier einstimmen sollte. Große Teile des Schulgebäudes waren bunt dekoriert und passend zu unserem Homecoming-Thema „Las Vegas“ geschmückt und es gab Getränke, Essen und coole Spiele, wie z.B. Trampolin springen.

Am Freitag war dann Homecoming-Tag. Meine Gastmama überraschte mich mit einer wunderschönen traditionellen „Mamm“. Das ist eine große künstliche Blume mit langen herunterhängenden Bändern, die sich die Mädels an diesem Tag anstecken. Am Abend gab es nochmal ein großes Football-Spiel, das Homecoming-Spiel. Samstags war der große Tag, an dem viele – vor allem die Jüngeren an unserer Schule – zum Schultanz mit eventuellen Dates gegangen sind. Und um die Frage zu beantworten – nein, ich hatte kein „HoCo-Date“.

Ich traf mich mit einer großen Freundesgruppe (ca. 33 Leute, von denen ich bei weitem nicht alle kannte), an einem Brunnen, vor dem wir in unseren schicken Kleidern und Anzügen erstmal Fotos machten. Danach aßen wir in einem feinen Restaurant zu Abend. Anschließend fuhren wir auf die Ranch von Großeltern eines Mädchens aus unserer Gruppe, um dort zu übernachten. Wir machten auf einem Traktor-Anhänger mitten in der Nacht eine Tour durch das große Gelände, hörten Musik und erzählten. Schließlich kamen wir an einem Lagerfeuer an, das die Eltern unserer Freundin vorbereitet hatten, grillten Marshmallows und sangen zu einer Ukulele. Als wir zurück zur Ranch kamen, schliefen wir schon bald ein, da wir alle müde waren. Es war ein wunderschöner Tag und ich habe eine Menge neuer Freunde kennengelernt!

Die AFS-Post Arrival Orientation.
Meine Organisation hatte ein Treffen, das einen Tag lang dauerte. Dafür fanden sich alle Austauschschüler meines Komitees in einem Filmstudio ein, welches einer freiwilligen Mitarbeiterin gehört. Dort wurden wir in Kleingruppen eingeteilt und besprachen zusammen mit Leitern, was wir bisher so erlebt hatten und eventuelle Fragen, die uns bewegten. Diese Treffen sind für uns alle super, da wir uns über das große Abenteuer, das uns verbindet, austauschen können. Am Abend gingen wir in eine Spielhalle, in der wir mit Box-Autos und Schlägern „Whirlyball“, ein Ballspiel, spielten. Der Tag war auch total gut!

Paint war!
Meine christliche Jugendgruppe versammelte sich an einem schönen Sommerabend mit ca. 100 Schülern meiner Highschool auf einem öffentlichen Wiesengelände. Nach einer kurzen Rede wurde der Farbenkrieg offiziell eröffnet. Und dann wurde mit Farben gespritzt, was das Zeug hält!! Zum Glück hatten wir alle extra alte Klamotten an! Von Kopf bis Fuß voll mit bunten Farben kamen meine Gastschwester und ich abends nach Hause. Das war eine Freude für meine Gasteltern!!... Okay nein - nicht wirklich. Aber immerhin war es für uns ein riesen Spaß.

# Unterschiede
In der Schule schreiben wir sehr viele Tests. Die Eltern haben einen Online-Zugang zu den aktuellen Leistungsständen ihrer Kinder in den einzelnen Fächern. Das heißt, „vergessen“, eine Note zu Hause zu erzählen, gibt es leider nicht. Etwas gewöhnungsbedürftig finde ich noch, dass meine amerikanischen Mitschüler sehr kurzfristig planen. Wenn ich Freunde donnerstags frage, was sie am Wochenende vorhaben, wird mir meistens mit einem fragenden Gesichtsausdruck geantwortet: „Weiß ich doch noch nicht.“ Oder sie sind super freundlich und sagen, dass sie sich unbedingt außerhalb der Schule treffen wollen, wozu es oft aber nicht kommt…

Die meisten Lehrer sind so unterschiedlich zu deutschen Lehrern! Welche deutschen Schüler haben denn schon einen Schulleiter, der auf der „Pep rally“ (Feier vor einem großen Sportevent) Hip Hop tanzt, dabei lässig eine Kappe trägt und so richtig groovt?! – Und  das ist nur ein Beispiel.

Big greetings from Texas!

Eure Anny