13.12.2015

Bericht #4

Hey y‘all! Nun sind schon 4 Monate vergangen und es ereignet sich immer wieder so viel! Ich lerne nach wie vor neue Menschen kennen und genieße mein großes Abenteuer.

Jugendcamp „Polar Bear“
Mit meiner Jugendgruppe Young Life (YL) habe ich mittlerweile schon viel erlebt. Deswegen wollte ich unbedingt mit meinen neuen Freunden auf das Winter-Jugendcamp gehen. Auf dem Areal „Camp Copass“ angekommen, wurde uns erst klar, wie viele Jugendliche da waren – geschätzte 300 insgesamt! Direkt nach dem Einchecken in unser Haus fing das Programm schon an. Zwei lustig verkleidete Frauen, die „Glorias“, machten so richtig Stimmung und sangen mit uns allen laut Lieder. Als es dunkel wurde, ging die Veranstaltung in einer Halle weiter, in der eine Band mit uns ihre Songs sang und ein Jugendpastor predigte. Diese großen Zusammentreffen in dem Raum fanden insgesamt vier Mal während der drei Tage statt. Am Freitagabend gingen wir erst spät in unsere Betten. Wir waren richtig erschöpft. Umso besser war es, dass unsere Leiter uns am nächsten Morgen Frühstück ans Bett brachten!

Wir hatten echt eine traumhafte Umgebung bei dem Camp: unser Haus, das fünf Schlafsäle umfasste, lag neben einem großen See. Von den Häusern gab es mehrere, die alle beieinander lagen, manche für Jungs und andere für die Mädels. Bei dem tollen Service am Samstagmorgen konnte der Tag nur noch gut werden: wir, alle 300 Teenager und ein paar Leiter, spielten Spiele auf einem großen Feld. Dabei mussten wir zum Beispiel aus einem Korb mit Mehl ein paar versteckte Süßigkeiten  – ohne die Hände zu benutzen – mit dem Mund herausholen. Anschließend sahen wir alle wohl ziemlich lustig aus. Aber es war echt schön, sich mal so richtig auszutoben wie ein Kind! Am Nachmittag hatten wir Freizeit und viele machten eine kurze Schlafpause oder gingen raus und genossen die Natur. Zum Abschluss des Abends gab es ein großes Lagerfeuer und wir machten uns leckere Schokoladenkekse mit Marshmallows – nach amerikanischer Art natürlich.

Der letzte Morgen verging ganz rasch und schon saßen wir wieder im Auto, auf dem Heimweg. Mir hat das Camp echt gut gefallen. Ich habe neue Erfahrungen gemacht. Neue, tolle Menschen kennengelernt und coole Aktionen mit meinen Freunden erlebt. Es sind Momente wie diese, in denen mir klar wird, dass dies mein Jahr ist!

Thanksgiving und amerikanische Traditionen
Ein Event, von dem ich schon so viel gehört und es nun selbst mitbekommen habe - Thanksgiving - , ist einer der großen amerikanischen Feiertage und bekannt für Familientreffen und den beliebten „Turkey“ (Truthahn). In dieser Woche hatten wir auch unsere ersten Ferien. Eine Woche lang.

Thanksgiving ist jedes Jahr am vierten Donnerstag im November. Meine Gastfamilie hatte dieses Jahr keinen Besuch von ihrer Großfamilie, da sie ihnen nicht sehr nahe steht. Aber von der eigentlichen Familie waren alle da: meine Eltern, Bruder und Schwester. Schon als ich aufwachte, konnte ich im ganzen Haus Weihnachtsmusik hören. Das hatte ich irgendwie nicht erwartet. Meine Gastfamilie erklärte mir die Geschichte zu dem Fest: Als im 17. Jahrhundert Engländer nach Amerika kamen, war es gerade Erntezeit für die Indianer. Diese teilten ihre Ernte mit den Engländern und feierten ein Fest zusammen. Das Fest, bei dem die Engländer den Indianern ihre Dankbarkeit zeigten, entwickelte sich zu einer jährlichen Tradition in der Woche Ende November.

Um 15 Uhr begann es schon als frühes Abendessen und mit viel mehr als nur Truthahn! So viele Beilagen wie z. B. Kartoffelsalat, Brotsalat, Bohnen, Eier, Brot, usw. sorgten dafür, dass wenn man - so wie ich - alles probieren wollte, so satt war am Ende. So geht es mir übrigens sehr oft hier in Amerika. Ich glaube, egal wie man sich bemüht, man kommt trotzdem nicht drum herum - zumindest am Anfang - zuzunehmen. Generell gibt es hier einfach so viele Fast-Food-Ketten und es ist für viele Amerikaner fast Standard, dort zu essen. Meine Familie achtet zum Glück auf gesunde Ernährung und sie bauen sogar ein paar Gemüsesorten im Garten an. Zu den Basics der Esskultur in Texas gehören jedoch häufig Hackfleisch und Bohnen, Chips mit Salsa-Soße und viele andere (kalorienreiche) mexikanische Speisen.

Am Abend von Thanksgiving holten wir die ganze Weihnachtsdekoration – sehr viele große Boxen – heraus und stellten schließlich den Weihnachtsbaum auf. Ich habe das Gefühl, dass, sobald Thanksgiving rum ist, für die Amerikaner die Weihnachtszeit anfängt. Am darauffolgenden Tag, dem sogenannten „Black Friday“ gibt es in allen Einkaufsläden fette Rabatte und die Weihnachtseinkaufssaison wird eingeläutet. https://de.wikipedia.org/wiki/Black_Friday
 

Cowboys gibt es nicht nur auf Pferden   ;-)
Nein, die Cowboys, die ich gesehen habe, sind keine Westernreiter, sondern talentierte American Football-Spieler der National Football League (NFL). Die „Dallas Cowboys“ haben schon fünf Mal den „Superbowl“ gewonnen. Obwohl die letzte Meisterschaft schon 20 Jahre her ist, sind die Cowboys laut „Forbes“-Liste 2015 mit rd. 3 Milliarden Euro der zweitwertvollste Sportverein der Welt – nach dem spanischen Fußball-Rekordmeister Real Madrid. Einziger deutscher Vertreter in den Top-50 ist Bayern München (der deutsche Rekordmeister belegt in diesem Jahr Platz 11.)

Meine Gasteltern, mein Gastbruder und ich gingen zusammen auf ein großes Heimspiel der Cowboys gegen die Philadelphia Eagles. Es fand im gigantischen AT&T-Stadium in Arlington (halbe Strecke zwischen Dallas und Ft. Worth) statt. Unsere Plätze waren ganz oben im Stadion, das ein schließbares Dach und je nach Bestuhlung 80.000 bis über 100.000 Plätze hat. Von oben aus gesehen, gingen die Sitzreihen und Sitzblöcke so steil runter, dass mir beim Blick auf das Feld schwindelig wurde. Doch man konnte das Spielgeschehen auch gleichzeitig mithilfe des riesigen Bildschirms bequem verfolgen. Dieser ist mit über 1.000 Quadratmetern Displayfläche als weltweit größter HD-Bildschirm ins Guinness-Buch der Rekorde eingegangen. Auch wenn die Cowboys am Ende verloren, war der Abend doch echt toll!!

„If you want the rainbow, you have to deal with the rain“
Neben den vielen Highlights und tollen Zeiten habe ich auch immer mal wieder Heimweh. Gerade bei Familienfeiern denke ich darüber nach, wie es wäre, wenn mein Familie in Deutschland jetzt da wäre oder was sie jetzt wohl so machen. Außerdem bin ich auch nicht immer nur beschäftigt, sondern es gibt auch echt Tage, an denen ich daheim sitze, keiner Zeit hat etwas zu machen und ich einfach nur nachdenklich bin und meine Heimat in Deutschland vermisse. Doch auch nach den längsten, trüben Tagen gibt es wieder Sonnenschein und es geht bergauf. Ich lerne zurzeit, dass ich nur geduldig sein muss und dann kann sich die Lage ganz schnell wieder ändern. Und am nächsten Tag sieht alles schon wieder viel besser aus.

Jetzt genieße ich erstmal die Weihnachtszeit und dann ist ja auch schon bald „Halbzeit“ für mich – kaum zu glauben! Merry Christmas and a happy new year to my home! Yours Ann-Christin