5.4.2016

Bericht #6

Aloha MRN,

ich hoffe, Ihr hattet erholsame Osterferien! Was mich angeht, hätten sie schöner nicht sein können, denn für mich ging es auf eine paradiesische Insel… 

Eine Insel mit zwei Bergen…

Mitten im Nord-Pazifischen-Ozean liegen die acht Inseln Hawaiis, die für ihre vielfältige Landschaften, die wunderschönen frei zugänglichen Strände und das durchgängig warme Klima bekannt sind. Ich reiste auf die Hauptinsel, die auch, „Big Hawaiian Island” genannt wird. Auf der Insel gibt es zwei große, aktive Vulkane, schöne Nationalparks und viele traumhafte Flecken zu erkunden.

Ich bin Anfang März zum ersten Mal ganz alleine in den Flieger gestiegen und nach L.A. geflogen, von wo aus es dann mit einem Umstieg weiter nach Kona, auf Hawaii, ging. Zum ersten Mal so richtig alleine fliegen war schon echt ein Abenteuer, da ich einfach plötzlich komplett auf mich selbst gestellt war, und das auch noch an Orten, an denen ich zuvor noch nie war! Aber zum Glück lief alles reibungslos und so kam ich nach der zwölfstündigen Reise endlich am Flughafen in Kona an, wo die Freundin meiner Familie, bei der ich für die Woche blieb, mich ganz herzlich und mit einer hawaiianischen Blumenkette in Empfang nahm.

Nach dem spannenden und langen Tag ging es dann nach einem kurzen Gespräch direkt ins Bett. Die Freundin kommt ursprünglich auch aus Deutschland und lebt schon seit sieben Jahren auf Hawaii. So konnte ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder für eine ganze Woche deutsch sprechen, was jedoch mehr zu einem komischen Deutsch-Englisch wurde…! J Die Freundin lebt und arbeitet auf einem Universitätscampus. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, auch dort im Laufe der Woche einen Einblick  zu bekommen, teilweise am Campusprogramm teilzunehmen und viele coole Leute aus verschiedenen Nationen kennenzulernen. Das war also echt schon mal prima! Natürlich wollten wir aber auch schöne Ausflüge unternehmen, damit ich auch viel von der Umgebung zu sehen bekam.

Direkt am zweiten Tag fuhren wir zu einem nahegelegenen, wundervollen japanischen Park. Die Natur war wirklich einfach nur noch atemberaubend. Neben großen Bananenstauden, unzähligen Blumenanlagen und Kaffee- sowie Ananasplantagen, gab es sehr viele andere unglaubliche tropische Pflanzen, die ich bisher nur von Fotos kannte! Da der Park am Hang gelegen war, hatten wir auf dem Weg nach unten einen herrlichen Ausblick auf das Meer, was das Urlaubsfeeling nochmal verstärkte! An der Zwischenstation konnte man den selbstangebauten und verarbeiteten Kaffee kosten und kaufen. Besonders beeindruckte mich der riesige Pool, der am Abhang den Eindruck vermittelte als ginge er nahtlos ins Meer über.

In Hawaii ist es niemandem erlaubt, Strandflächen privat aufzukaufen, was den Vorteil mit sich bringt, dass Besucher und Bewohner kostenlos Zugang zu den Stränden haben. Viele tolle und teure Hotels sind zwar direkt an den Strand gebaut, aber man kann da meistens trotzdem durchgehen, um zu den Stränden zu gelangen. Zudem herrscht auf Hawaii der sprichwörtliche Aloha-Spirit, d.h. viel Gastfreundschaft und „just easy-going“. Die Chance haben wir dann auch mehrmals genutzt, und bekamen so auch einmal eine kleine Delfinshow geboten, da eines der Hotels mehrere Delfinbecken besaß.

Etwas was viele nicht wissen, ist, dass die Insel 11 der 13 Wetterzonen besitzt. Und bevor ich es mit eigenen Augen gesehen habe, konnte ich gar nicht so richtig glauben, dass sowas überhaupt geht! Der Ort, an dem wir waren, war immer sehr warm und auf der ewig langen Straße, die sich über die ganze Insel erstreckte, war links und rechts alles weit und breit von ausgetrocknetem Lavagestein bedeckt. Zwischendrin gab es immer mal wieder kleinere Gräser oder hier und da mal einen Baum. So hatte die Landschaft schon echt was von Afrika oder Wüste! Ein einmaliges Naturwunder sah ich, als wir mal kurz an der rechten Seite der Straße anhielten, um Fotos zu machen: ein großes unterirdisches Loch lag mitten in dem Vulkangesteinsfeld!

Wenn Lava die Erde überströmt, entstehen manchmal Lufträume. Wenn nach vielen Jahren das Gestein getrocknet ist,  kann die Oberfläche leicht einkrachen und so kann man dann sogar in diesen Löchern herumlaufen – was man aber lieber sein lassen sollte, da es sehr gefährlich ist. Auf einem der Ausflüge, sind wir mit dem Auto der Straße gefolgt, bis diese zu einem Ende kam – nach einer zweistündigen Fahrt, mündete die Straße in einen Parkplatz, von dem aus man eine super Sicht auf die Kapaau Felsen hatte. Auf der anderen Seite der Felsen, das sah ich auf einer Landkarte, fing die Straße wieder an. Dort oben, bei den Felsen ist es im Vergleich zu Kona viel windiger, diesiger und kälter. Wir hatten es an dem Tag leider nicht so gut mit dem Wetter erwischt und die Felsen und Berge erschienen eher grau und vernebelt anstatt unter blauem Himmel und Sonne wie auf den Postkarten.

Nach ein paar Schnappschüssen sind wir dann weiter zwischen den Bergen gefahren und ich konnte eine extreme Kulisse nach der anderen bewundern: vom tropischen Regenwald, der die Macher des Films „Avatar“ übrigens inspiriert hat und von dem sie sich viele Elemente abgeschaut haben, bis hin zu malerischen Wiesen und Landstraßen, die einem das Gefühl vom Urlaub in der Schweiz gaben. Es gab einfach so viel zu bewundern!

Einer der schönsten Abende war meiner Meinung nach der, an dem wir auf ein richtiges „Luau”, ein traditionelles hawaiianisches Volksfest, gegangen sind! Damit verbunden war ein leckeres Essen und ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm mit Hulatänzern, das uns einen eindrucksvollen Einblick in die hawaiianische und polynesische Kultur bot. Das Luau fand auf einem großen Rasenplatz unter ein paar Palmen direkt am Meer statt. Es war schon lustig, die Tänzer zu sehen, die durch ihre Tänze die Geschichte ihrer polynesischen Kulturen schon früher weitergaben. Damals gab es allerdings den Unterschied, dass nur die Männer den Hula tanzen durften. An dem Abend habe ich auch viel Interessantes über die Geschichte der Hawaiianer gelernt, wie zum Beispiel, dass King Kameamea der erste König war, der es ohne Telefon, Internet oder sonstige moderne technische Kommunikationsmittel schaffte, die verschiedenen Inseln Hawaiis zu regieren. Jedem der nach Hawaii geht, kann ich nur empfehlen, ein solches Luau-Fest zu besuchen. Auch wenn es nicht ganz billig ist, ist es das Erlebnis auf jeden Fall wert!

Nach dieser traumhaften Woche, in der ich neben den genannten Events auch schwimmen, schnorcheln und Bodyboarding (einfaches Wellenreiten) war, wollte ich gar nicht mehr so richtig zurück nach Texas; die Zeit vergeht einfach immer am schnellsten, wenn man Spaß hat! – Was mir nebenbei auch immer wieder hier in den USA klar wird!

Happy Easter and a good egg hunt!

Unglaublich – jetzt ist ja schon wieder Frühling! Und damit rückt das Ende meines Auslandsjahres schon immer näher, aber auf jeden Fall auch das Wiedersehen, mit meiner Familie und Freunden!

Ostern feierten meine Gastfamilie und ich dieses Jahr anstatt am Sonntag bereits am Samstag, da meine Gastschwester vom College aus Ohio für eine Woche nach Hause kam und an dem Sonntag wieder abreisen musste. Und wir wollten das Fest eben alle gemeinsam auch mit ihr feiern. So gab es gegen elf Uhr morgens einen großen Brunch, für den meine Gastmom viele verschiedene Frühstücks- und Mittagessensleckereien vorbereitete (z. B. Zucchini bread, das sehr gut schmeckte. Anschließend bekamen wir vier Kinder Osterkörbe ausgeteilt, mit denen wir dann auf Ostereiersuche im Garten gingen - mit der festen Überzeugung, dass man für ein bisschen Spaß nie zu alt sein kann! Sonntags gab es dann auch noch einen Gottesdienst, der das Osterwochenende komplettierte.

Madison, meine ältere Gastschwester, und ich haben uns direkt super verstanden und in der Woche viel zusammen unternommen, wie zum Beispiel kochen, backen und shoppen. Ich habe also jetzt nicht nur eine weitere neue Gastschwester, sondern auch eine neue Freundin in ihr gefunden! Ansonsten läuft alles soweit echt gut mit meiner – mehr oder weniger neuen – Gastfamilie. Zwei Brüder im Haus ist etwas, an das ich mich schon ein bisschen gewöhnen musste und manchmal immer noch muss, aber meine neue Familie ist mir trotzdem schon richtig ans Herz gewachsen!

Die MRN-Präsentation

Vergangenen Donnerstag hielt ich in meiner Englisch-Klasse die Präsentation über meine wunderschöne und vielfältige Heimat, die Metropolregion Rhein-Neckar. Viele meiner Freunde sowie auch meine Lehrerin waren schon sehr gespannt, was ich so über meine Heimat erzählen würde. Ehrlich gesagt, war ich bis kurz vor der Präsentation gar nicht aufgeregt, aber dann, kurz bevor es losing, wurde ich plötzlich sehr nervös und hoffte nur, dass alles gut läuft und alle aus der Präsentation viel mitnehmen würden. Und schließlich lief es dann auch total gut: Die Klasse war sehr interessiert, es war auch ganz locker, zwischendurch haben wir ab und an mal gelacht und am Ende wollten meine Klassenkameraden, dass ich ihnen auf Deutsch etwas über meinen Lieblingsplatz in der Rhein-Neckar-Region erzähle. Das Feedback war echt positiv! Viele Dinge konnten meine Mitschüler mit Sachen, die sie schon über Amerika wussten, verbinden, aber sie sagten, sie hätten auch sehr viel Neues dazu gelernt.

In den kommenden Wochen werde ich die Präsentation auch noch in anderen Fächern halten und freue mich schon jetzt darauf, meine Region wieder stolz repräsentieren zu dürfen! An dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön an die MRN und die SAP, durch deren Unterstützung und super Vorbereitung ich die ehrenvolle Aufgabe habe, meine Heimatregion im Ausland vertreten und im Blog über meine Abenteuer schreiben zu dürfen! Thank you!

Die kommende restliche Unterrichtszeit wird sicher wieder verfliegen. Ich habe nur noch 9 Wochen Schule! Ich freue mich schon auf das nächste Mal, wenn ich euch über den Verlaufs meines anstehenden Geburtstags (mal richtiges western feeling…) berichten werde! Bis dann

Best regards, your ambassador,

Ann-Christin