16.9.2015

Bericht #1

Hey y’all!

Ich bin’s, Wiona. Und ich melde mich direkt aus Lockhart, um euch von meiner bisherigen Zeit hier in Texas zu berichten. Ich bin jetzt etwas mehr als 3 Wochen hier und es ist schon wahnsinnig viel passiert. Am besten fange ich ganz von vorne an: Etwa zwei Wochen vor meiner Abreise bekam ich von AFS die Informationen über meine Gastfamilie. Mir blieb also gerade noch genug Zeit, mich von meinen Freunden zu verabschieden und die Koffer zu packen, dann ging es auch schon los.

Am 12.August stieg ich gemeinsam mit etwa 30 anderen mutigen AFS-Schülern in den Flieger nach Houston. Von dort ging es erst einmal zum Warten in ein Hotel, bevor wir mit dem Bus nach San Antonio fuhren. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 24 Stunden auf den Beinen und todmüde. Nach einer kurzen, aber erholsamen Nacht gab es erstmal ein „Orientation Camp“. Soll heißen, jede Menge Informationen, die man sich unbedingt merken sollte. Es war super die ganzen AFS-Freiwilligen aus der Region kennenzulernen und auch die Austauschschüler aus anderen Ländern hatten Spannendes zu berichten.

Nachmittags wurden wir nacheinander von unseren Gastfamilien abgeholt. Und auf ging es nach Lockhart. Auf dem Weg dorthin haben wir an einer riesigen Tankstelle angehalten um „Soda“ (Limonade etc.) zu kaufen. Nicht nur die Tankstelle war riesig (dort können 60 Autos gleichzeitig tanken), sondern auch die Becher! Ich hatte nicht viel Zeit, mir mein neues zu Hause anzuschauen, denn wir machten uns sofort auf den Weg um Barbecue essen zu gehen.

Ich dachte ja, BBQ wäre ungefähr so wie das deutsche Grillen. Aber weit gefehlt! Zunächst bekamen wir unser Fleisch in Papier eingewickelt und konnten uns dann in der großen Hallen, in der gegessen wurde, Beilagen aussuchen. Es gab saure Gurken, Zwiebeln, Toastbrot und auch einen „deutschen Kartoffelsalat“, der aber ganz anders aussah als Kartoffelsalat bei uns. Generell gibt es hier sehr viele Läden, die deutsche Sachen verkaufen oder deutsche Namen haben. Zum Beispiel eine Hot Dog Restaurantkette mit dem Namen „Wienerschnitzel“ (Wiener=Würstchen) und den kleinen Ort Schertz bei San Antonio. Das ist echt lustig und wird mir sicherlich helfen, die MRN nicht ganz so sehr zu vermissen. Aber zurück zum BBQ. Was mich zu diesem Zeitpunkt wirklich überrascht hat, war der „No Fork Deal“. Wir aßen das Fleisch einfach mit den Fingern, ohne Gabel J. Die Amerikaner essen ohnehin ständig ohne Besteck. Bei Burgern, Tacos und ähnlichem ist das ja auch ganz praktisch.

Am nächsten Tag habe ich dann mit beratender Unterstützung meines Gastvaters Rafael meine Fächer gewählt. Ich gehe auf die Lockhart High School, die praktischerweise nur eine Minute (!) Fußweg von unserem Haus entfernt ist. Die Schule wird gerade umgebaut und sieht deshalb von außen nicht besonders schön aus. Innen gefällt sie mir aber sehr gut. An den Wänden hängen die Graduation Fotos der letzten 30 Jahre und im Eingangsbereich der Sporthalle gibt es eine Menge Pokale, Urkunden und Fotos der Sportteams zu bestaunen. Obwohl ich schon wusste, dass man an US-High-Schools viele extracurricular activities wählen kann, war ich überrascht von der großen Auswahl an Fächern. Ich habe jetzt Spanisch, Theater, Englisch, Chor, Umweltwissenschaft, U.S. History, Mathe und Yearbook.

Samstag ging es dann auf zu einer Tour durch die texanische Geschichte. Neben der Mission „Nuestra Senior de Zuniga“, die die Farming Tradition in Texas begründete und einem Rathaus, das genauso aussah wie das in Lockhart, besichtigten wir auch ein Museum und den Fannin Battleground. Ich habe viel darüber gelernt, wie Texas seine Unabhängigkeit erkämpft hat und auch erfahren, woher die Feier des 5. Mai (Cinco de Mayo) kommt. Dieses Fest geht noch auf die Schlacht zurück, in der Mexico seine Unabhängigkeit von Frankreich gewonnen hat und wird hier angeblich genauso groß gefeiert wie in Mexico selbst.

Am Sonntag gab es endlich etwas Abkühlung, die ich bei dauerhaften über 38 Grad Celsius auch gut gebrauchen konnte. Wir besuchten die „Schlitterbahn“ in New Braunfels! Das ist ein lustiger Wasserpark, in dem mein 16-jähriger Gastbruder Nate arbeitet. Der Park wird mit dem Wasser aus einem benachbarten Fluss betrieben. Es war ein spaßiger und erfrischender Tag.
 

 

In der folgenden Woche konnte ich mich sehr schön ausschlafen. Die Zeitumstellung hat mir zu schaffen gemacht und außer einem Vorsingen für den Chor hatte ich nichts zu tun. Am nächsten Wochenende lernte ich dann meine neuen Cousinen und Cousins kennen. Sie wohnen nur wenige Straßen weiter und sind super nett. Ein weiteres Highlight waren die deutschen Bratwürste, die wir an diesem Abend gegessen haben. Meine Gastfamilie hat, weil meine Gasteltern bei der Army gearbeitet haben, fast sechs Jahre lang in der Nähe von Würzburg gelebt. Sie haben mir erzählt, dass sie Deutschland vermissen und gerne länger geblieben wären.

Eine Woche später begann dann auch schon die Schule. Ich war ein bisschen nervös, freute mich aber schon darauf, hoffentlich schnell neue Leute kennenzulernen. Zunächst einmal hatten wir „Homeroom“, das ist so ähnlich wie eine Klassenlehrer-Stunde in Deutschland. Anschließend ging es mit dem normalen Unterricht los. Ich war überrascht, wie gut ich alle Lehrer verstehen konnte und erstmal war es wie zu Hause auch am ersten Schultag. Wir bekamen Infos über die Lehrer, ihren Unterricht, welche Schulsachen wir besorgen sollten und von den meisten Lehrern auch noch einen Brief für unsere Eltern.

Die erste neue Freundin habe ich dann im Theater-Kurs kennengelernt. Als ich mit ihr und einigen anderen Mädchen beim Lunch saß, wurde ich sofort mit Fragen über Deutschland gelöchert. Was ist anders? Ist es da auch so warm? Habt ihr wirklich Straßen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung? Solche und ähnlich Fragen beantwortete ich mit Freude und machte mich anschließend auf den Weg zu Algebra II, wo ich die andere deutsche Austauschschülerin schnell anhand ihres Lamy-Füllers identifizieren konnte. An meiner Schule sind wir insgesamt 5 Austauschschüler: Victor aus Frankreich, Sik aus Pakistan, Vera aus Italien sowie ich über AFS und mit einer anderen Organisation Flora aus Deutschland.

Mit jedem Schultag fühle ich mich mehr und mehr wie eine ganz normale amerikanische Schülerin. Generell ist der Unterricht hier ziemlich einfach. Im ersten Mathe-Kurs, in dem ich gemeinsam mit 10. und 11. Klässlern war, haben wir uns mit den Themen der 8. und 9. Klasse in Deutschland beschäftigt. Den konnte ich dann aber zum Glück noch wechseln. Ich finde es sehr gut, dass alle Fächer auch noch als AP (advanced placement) unterrichtet werden. So werden sehr gute Schüler gefördert und können sich schon mit College-Inhalten auseinandersetzen.

Die Lehrer hier machen auf so ziemlich jede Aktivität im Unterricht Noten und wir schreiben auch ständig Tests, es ist aber sehr praktisch, dass wir jeden Tag die gleichen Fächer haben. So vergisst man nicht, was in der vorherigen Stunde durchgenommen wurde! Mein Lieblingsfach hier ist „Yearbook“. Darin arbeiten wir an dem Jahrbuch der Schule, dass dann am Ende des Schuljahres gedruckt wird. Dazu werden viele Fotos gemacht und wir sind dadurch immer auf dem neuesten Stand, was gerade in der Schule vor sich geht. Immer in der 2. Schulstunde werden Ansagen gemacht und wir sprechen den „Pledge of Alliance“ zur amerikanischen und zu texanischen Flagge.

Nach einer weiteren spannenden Schulwoche bekam ich endlich die Gelegenheit ein American Football-Spiel anzuschauen. Meine Schule hat ein eigenes Stadion, das am Freitagabend voller Schüler, Eltern und anderer Fans war. Die Lockhart Lions hatten ihr erstes Home Game und das darf man ja auf keinen Fall verpassen. Neben den Zuschauern wurde unser Team auch von den Cheerleadern und der Band angefeuert. In der Halbzeitpause gab es eine tolle Show von der Marching-Band und den Lionettes, dem Schultanzteam. Wir siegten verdient und hoch mit 56 zu 7. Ich hoffe, das läuft nächste Woche wieder genauso gut. Die Spiele finden während der Football-Saison immer freitags statt und man sieht schon vorher viele Schüler mit Fankleidung und Lehrer mit den Trikots der Spieler herumlaufen.

Viele Grüße aus Texas,

Wiona