27.6.2016

Bericht #5

Hey y’all!

Meine Zeit in Texas neigt sich nun langsam aber sicher dem Ende zu und ich muss sagen, ich bin deshalb schon ein wenig aufgeregt. Ende Juni werde ich wieder ins Flugzeug nach Deutschland steigen, obwohl hier mittlerweile ein zweites zu Hause für mich ist. Nun möchte ich meine letzten Wochen hier noch richtig ausnutzen und keine Gelegenheit verpassen weitere Erlebnisse und Erfahrungen zu machen, sowie natürlich Zeit mit meinen Freunden und meiner Gastfamilie zu verbringen. Und was ich den letzten 1 ½  Monaten so erlebt habe erfahrt ihr jetzt.

Ein großes Highlight für alle Austauschschüler in Austin, San Antonio und Houston war die Fiesta in San Antonio. Für ein Wochenende waren wir alle in Gastfamilien in San Antonio untergebracht und konnten das Fiesta Festival besuchen. Fiesta ist ein jährliches 10-tägiges Festival, in welchem 1891 zum ersten Mal die Helden der Schlacht von Alamo zwischen den Tejanos (den ersten Texanern) und den Mexikanern gefeiert wurde. Im ersten Jahr wurde ihrer nur durch eine “Battle of the Flowers” Parade gedacht, in der Blumen geworfen wurden, und das Festival ist dann über die Jahre zu einer großen Feier der Tex-Mex Kultur herangewachsen.

Die Austin AFS-Austauschschüler machten sich am Donnerstagabend mit dem Greyhound Bus auf nach San Antonio und wurden dort von den Wochenend-Gastfamilien abgeholt. Meine Freundin Memee und ich wurden von der freundlichen Olga willkommen geheißen, bei der auch noch ein anderer deutscher Austauschschüler aus Stuttgart wohnt. Zunächst lernten wir unsere Wochenendgastfamilie beim Dunkin-Donuts-Essen kennen und verbrachten dann die Nacht in San Antonio.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann zum nahegelegenen Freizeitpark “Six Flags”, wo wir uns mit spaßigen Achterbahnen vergnügten. Die beste Bahn war übrigens der „Batman Coaster“, in welchem sich die Sitze um sich selbst drehten und überschlugen. Nach einem langen Tag im Freizeitpark mussten wir uns beeilen, um rechtzeitig zum AFS-Dinner zu kommen. Alle AFS-Freiwilligen, Gastfamilien und Austauschschüler waren hier zu Tacos eingeladen und es gab anschließend noch eine Tanzparty.

Samstagmorgen fuhren wir mit Olga und dem indischen Austauschschüler Apal zu HEB (einem texanischen Supermarkt) und kauften uns Snacks, die wir in einer ziehbaren Kühltruhe verstauten. Dann machten wir uns auf den Weg zu einer alten Mission in San Antonio. In Texas gibt es viele solcher Missionen, die von spanischen Siedlern errichtet wurden, um das Christentum bei Native Americans zu verbreiten und die spanische Präsenz in Texas zu verstärken. Der Alamo ist die bekannteste, aber wir besuchten die größte der Missions in San Antonio. In der Mission San José gab es einen sehr schönen Garten, historische Wohnhäuser, eine kleine Kirche und ein Geschichtsmuseum für Besucher.

Anschließend fuhren wir ins Zentrum von San Antonio und liefen den Riverwalk entlang. Der Riverwalk in San Antonio ist eine bekannte Touristenattraktion und immer schön mit Blumen, Wassertaxis und Restaurants, aber an diesem Tag war es ein ganz besonderes Gefühl durch die Straßen zu schlendern. Man hörte lateinamerikanische Musik und roch mexikanisches Essen. Alles war bunt dekoriert und viele Mädchen trugen bunte Blumenkronen. Als wir so unseren Tag verbrachten wurde mir mal wieder bewusst, wie sehr ich mich trotz anfänglichem Kulturschock und den vielen anderen Schwierigkeiten, die ich während meines Auslandsjahres hatte, in diese texanische Mixkultur verliebt habe, die man sowohl bei speziellen Festen als auch im Alltag erleben kann. Vieles, was zu Beginn meiner Zeit hier noch fremd und unverständlich war, möchte ich jetzt nicht mehr missen.

Zu Mittag kehrten wir in ein Mexikanisches Restaurant am Flussufer ein, in dem eine Mariachi Band für uns spielte. Mariachis sind traditionelle mexikanische Musiker, die man hier in Texas häufig bei Geburtstagen antrifft und die auch auf Hochzeiten spielen und singen. Nach unserer Stärkung und diesem kleinen Konzert ging es weiter zu einem Park, in dem eine Tribüne aufgestellt worden war, von welcher wir die Fiesta Flambeau Parade anschauten. Diese Paraden kann man sich in etwa so wie einen deutschen Faschingsumzug vorstellen. Die Marching Bands aller umliegenden High Schools sowie einige andere Firmen, Vereine und Organisationen beteiligten sich an der insgesamt 3-stündigen Parade. Die Parade war zwar nicht besonders spektakulär -- im Vergleich zu manchem Kleinstadt-Faschingsumzug in Deutschland, aber da sie bis spät in die Nacht ging und bunt beleuchtet war, dennoch sehr sehenswert. Nach dieser Parade mussten wir uns dann von den Schülern aus San Antonio & Houston verabschieden, da es bereits unser letzter Abend war. Sonntagmorgen ging es mit dem Greyhound Bus zurück nach Austin.

In den nächsten Wochen war ich in der Schule viel beschäftigt. Meine Gitarrenklasse nahm an einem UIL Wettbewerb teil. UIL ist die University Interscholastic League, in der alle Sport, Musik und „Academics“ (z.B. Mathe oder Theater) Wettbewerbe der öffentlichen High Schools in Texas zusammengefasst sind. Wir übten fleißig 3 Stücke, die wir als Ensemble der Jury vorspielen sollten. Es ist das erste Jahr, in dem es an Bowie High School ein Gitarrenprogramm gibt und somit war es für uns alle sehr aufregend in einer großen Konzerthalle zu spielen, dennoch verlief das Konzert sehr gut und wir bekamen von zweien, der drei Juroren die Bestnote „Eins“. Direkt nach dem Konzert mussten wir auch noch eine Prüfung im Notenlesen ablegen. Es gab zwar keine Trophäen, Sieger des Wettbewerbs oder ähnliches, aber es war eine sehr gute Erfahrung in diesem Format vorzuspielen und hilfreich eine Evaluation unseres Auftritts zu bekommen. Kurz darauf hatten wir noch ein Konzert für unsere Eltern mit einer Abschlussfeier und ich bin sehr froh, dass ich hier die Gelegenheit bekommen habe, in einem Gitarrenensemble mitzuspielen.

Ein anderer Grund, aus dem ich viel zu tun hatte, war, dass ich in einem Senior One Act Play an meiner Schule mitgespielt habe. An den High Schools hier werden alle gesonderten Aktivitäten, d.h. die „Extracurriculars“ viel ernster genommen als in Deutschland. Anstatt einer Theater-AG mit 15 Schülern wie in Deutschland, gab es hier die „Starlight-Theater-Company“ und wir mussten zu richtigen Vorsprechen gehen, um eine Rolle in einem der 11 gleichzeitig geprobten Stücke zu bekommen. Nach zwei Runden dieser Audtitions habe ich die Rolle des Geistes von Peter Quint im britischen Stück “The Innocents” bekommen. Wir hatten jeden Nachmittag Proben mit den 2 Seniors (12.-Klässlern), die die Regisseure unseres Stückes waren. Das machte großen Spaß und auch die zwei Aufführungen im Theater der Schule waren super.

Zwischen den Proben und dem Abendessen musste ich mich auch noch um etwas anderes kümmern: Ich brauchte dringend ein Prom Kleid. Die ersten Poster für den Prom waren schon beinahe 2 Monate zuvor aufgetaucht und er war nun unter allen Mädchen das Gesprächsthema Nummer 1. Eigentlich war dieser Ball nur für die Seniors, die dieses Jahr die Schule verlassen, aber für uns Austauschschüler wurde eine Ausnahme gemacht, damit wir dieses typisch amerikanische Event miterleben konnten. Ich verabredete mich mit zwei anderen Austauschschülerinnen von meiner Schule und einer weiteren Freundin zusammen hinzugehen, sodass wir uns keine Sorgen um Dates machen mussten. Nachdem ich kurzfristig auch noch ein Kleid gefunden hatte, halfen sie mir auch mein Make-up und meine Haare fertig zu machen. Dann machten wir zusammen Fotos und aßen in einem italienischen Restaurant zu Abend.

Der Prom fand in einem großen Hotel in der Innenstadt statt und dort gab es dann Dessert bevor es auf die Tanzfläche ging. Das war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte! Ich hatte gedacht viele Schüler würden mit Dates kommen und dann gäbe es Paartanz so wie man das aus dem Tanzkurs (bzw dem Abschlussball der Tanzschule) in Deutschland kennt. Ganz im Gegenteil war es eine sehr entspannte Atmosphäre und wirkte mehr wie eine Disco mit Prinzessinenkleidern als ein offizieller Ball. Prom King und Queen, für die man schon beim Ticketkauf abgestimmt hatte, wurden nur kurz verkündet. Die Queen bekam ein Krönchen aufgesetzt und es war keine so große Sache, wie man das oft in Filmen sieht. Der ganze Abend machte aber jedenfalls unglaublich viel Spaß und war mit Sicherheit eine der besten Erfahrungen, die ich in meiner Zeit als Austauschschülerin in Texas gemacht habe!

Viele Grüße aus Austin,Wiona