8.10.2015

Bericht #2

Hallo in die MRN! Mittlerweile ist schon wieder ein Monat rum und ich habe einiges erlebt! Langsam wird es Frühling im Süden Argentiniens und es gab schon ein, zwei sonnige Tage mit bis zu 20 Grad und dem ersten Vogelgezwitscher. Mit dem Frühling kommt auch Leben auf die Straßen und das graue, nicht wirklich schöne Rio Gallegos erscheint in einem ganz neuem, freundlichem Licht!

Eines meiner Erlebnisse und das, was mir als erstes einfällt, ist der 15. Geburtstag, zu dem ich eingeladen war. Eine Freundin meiner Gastschwester hatte Geburtstag und hier in Argentinien feiert man den 15. Geburtstag eines Mädchens wie in den USA den „Sweet 16“, das heißt mit einer tollen Location, um die 100 Gäste und natürlich dem Geburtstagskind mit weißem Ballkleid im Mittelpunkt! Das Ganze hat eigentlich mehr an eine Hochzeit erinnert. Wobei die Stimmung nur mittelmäßig war, da es eher wie ein Filmdreh wirkte. Rund 10 Leute wurden angestellt, nur um Fotos zu machen und zu filmen. Das Geburtstagskind war die ganze Zeit nur am posen und lächeln für die Kamera, mal mit ihrem Vater beim Vater-Tochter Tanz, mal mit Freunden auf dem Sofa.

Da anfangs der einzige Programmpunkt schien, dem Mädchen beim Fotoshooting zuzu-sehen, war es für alle ziemlich langweilig, was man ihnen deutlich ansehen konnte. Nur für mich war es spannend, da es für mich wie eine andere Welt war. Ich fand das mit den Fotos und dem ganzen Glamour zwar sehr übertrieben, trotzdem war ich fasziniert davon. Je später es wurde, desto besser wurde dann auch die Stimmung. Irgendwann war Schluss mit den Fotoshootings und das Geburtstagskind hat die Tanzfläche eröffnet. Da die Argentinier ganz vorne mit dabei sind, was tanzen angeht, ist dann kaum noch jemand gesessen und die Party konnte endlich beginnen!

Die nächsten Wochenenden waren ebenfalls voller Partys, auf die meine Gastschwester mich mitgenommen hat. Jede Nacht am Wochenende waren wir erst gegen 5 Uhr morgens Zuhause und der Tag bestand dann nur noch aus Schlafen. Das ist auch mal ganz cool, aber immer würde ich das nicht wollen und auch nicht aushalten.

Die letzten Schulwochen waren voll mit Feiertagen, Tag der Flagge (Feiertag zur Ehre der argentinischen Flagge), Tag der Lehrer, Tag der Schüler... Diese freien Tage haben meine Familie und ich genutzt, um ein Grundstück meiner Gastfamilie außerhalb der Stadt mit Bäumen zu bepflanzen und alles schön zu machen. Sie nennen es den „Secret Garden“. Bis das Ganze fertig ist, dauert es natürlich noch sehr lange, da das Grundstück davor nichts als patagonische Wüste war. Bei einer unserer Bewässerungsarbeiten auf dem Grundstück kam mein kleiner Bruder auf die Idee eine Schlammschlacht zu machen und bevor ich Ja oder Nein sagen konnte, hatte er schon angefangen mich und Magda, meine Schwester, mit nasser Erde zu bewerfen. Das Ganze nahm dann seinen „schmutzigen“ Lauf...

In der Schule gab es zusätzlich zu den freien Tagen zu Ehren der Schüler und Lehrer dann noch zwei Tage, an denen in der Schule Spiele stattfanden. Zuerst haben sich die Schüler Spiele für die Lehrer überlegt und haben Filme über den Unterricht vorbereitet um sie vor der ganzen Schule zu zeigen. Und am zweiten Tag spielten die Lehrer mit den Schülern Spiele und machten am Ende Hot Dogs für die alle. Dabei ist mir aufgefallen, wie sehr hier alle eine Familie in der Schule sind (außerhalb des Unterrichts, im Unterricht selbst merkt man nicht viel von der Herzlichkeit zwischen Schülern und Lehrern, es ist eher so, als ob jeder es einfach nur hinter sich bringen will).

Letztes Wochenende fand samstags eine AFS-Orientation statt, also ein Treffen aller Austauschschüler meiner Austauschorganisation und den Mitarbeitern der Organisation in meiner Stadt. Abends haben wir Austauschschüler uns dann noch separat getroffen und zwei Mädchen aus Asien haben mit uns allen asiatisch gekocht und zum Nachtisch gab es französische Crêpes. Das war ein toller, internationaler Abend! Wir sind insgesamt 11 Gastschüler hier in Rio Gallegos und kommen aus Russland, Finnland, Dänemark, den Niederlanden, Thailand, Malaysia, Frankreich, Italien und Deutschland.

Am Sonntag veranstaltete AFS Rio Gallegos ein Asado (Grillfest) mit allen Exchange Students und ihren Gastfamilien. In großer Runde gab es dann Massen an Fleisch und zum Nachtisch brachte jeder Austauschschüler ein Dessert aus seinem Heimatland mit. Mein deutscher Käsekuchen kam gut an, auch wenn der Quark mehr nach Griesbrei schmeckte, da es im Supermarkt nicht den benötigten Schichtkäse bzw. Quark gab. Aber Hauptsache, es hat geschmeckt! :-D

So langsam bin ich hier im Alltag angekommen und habe meinen Tagesablauf. Ich kann mich selbstständig in der Stadt fortbewegen und kenne mich schon ganz gut aus. Mit dem selbständigen Kontakteknüpfen hat es bisher noch nicht so geklappt, da ich zwischendurch immer sehr meine Familie und mein Zuhause vermisse und dann mehr mit dem Kopf in Deutschland bin als in Argentinien. Das versuche ich jetzt aber zu ändern und mich mehr zu beschäftigen, um nicht ganz so sehr an meine Freunde und Familie denken zu müssen. Magda nimmt mich zwar oft und gerne mit zu ihren Freunden, ich möchte aber trotzdem schauen, dass ich mir meinen eigenen Freundeskreis aufbaue.

Mit dem Spanisch sprechen wurde es besser, jedoch fällt es mir noch schwer vom Englisch weg zu kommen, was zum Großteil daran liegt, dass ich in der Schule eben nur Englisch spreche wegen des bilingualen Unterrichts. Deshalb werde ich ab nächster Woche auf eine öffentliche Schule nahe meinem Zuhause gehen, die nur auf Spanisch sein wird. Das wird sicher erstmal eine Umstellung sein, aber ich denke, dass es auf Dauer einfach besser ist um Spanisch richtig zu lernen.

Dieses Wochenende fahren meine Familie und ich nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, und besuchen die Familie meiner Gastmutter. In Ushuaia sind viele Ausflüge geplant und ich bin gespannt die Stadt und den Rest meiner Gastfamilie kennen zu lernen!

Von dem Ausflug nach Ushuaia und von der neuen Schule werde ich dann beim nächsten Mal berichten… Bis bald! Nele :)