20.11.2015

Bericht #3

Hallo nach Deutschland! Endlich kann ich wirklich sagen, dass ich hier angekommen bin. Ich habe meinen Alltag, meine Freunde, meine Hobbys... Ich gehe nun seit einem Monat auf eine neue Schule und seitdem wurde alles besser. Ich hätte nicht gedacht, dass die neue Schule so viel ausmacht, ich habe aber gemerkt, dass ich viel positiver eingestellt bin und mir es viel einfacher fällt, mich mittags zu beschäftigen, Kontakte zu knüpfen und vor allem Spanisch zu sprechen.

Typischer Tagesablauf…

Mein normaler Tagesablauf hier sieht so aus: Morgens um 6:40 Uhr stehe ich auf (viel müder als in Deutschland, da ich hier sehr viel mehr Schlaf bräuchte, ihn aber nicht bekomme). Morgens macht jeder sein eigenes Ding, es wird nicht viel kommuniziert, da alle in meiner Familie ziemliche Morgenmuffel sind. Um 7:20 Uhr werden meine Geschwister und ich dann von meinem Gastvater zur Schule gefahren, der anschließend selbst zur Arbeit fährt. Ich könnte und würde eigentlich gerne zur Schule laufen, weil ich das von Deutschland so gewöhnt bin und es auch nur 10 Minuten zu Fuß sind, mein Gastvater hat es aber lieber, wenn er mich fährt (Ich weiß nicht genau wieso, aber ich vermute, da er es gerne hat, die Kontrolle zu haben und sich sicher zu sein, wer wo ist und was macht).

Um 12.30 Uhr, beziehungsweise 13:10 laufe ich dann nach Hause (wahrscheinlich, weil mein Gastvater zu dieser Zeit arbeiten muss und mich deshalb nicht abholen kann) und esse zu Mittag. Mein Gastbruder, meine Gastschwester und ich sind jetzt alle auf verschiedenen Schulen und kommen deshalb auch zu unterschiedlichen Zeiten von der Schule nach Hause, dementsprechend isst einfach jeder zu Mittag, wenn er eben zuhause angekommen ist und es wird nicht gewartet und zusammen gegessen.

Meine Gastschwester schläft so gut wie jeden Mittag und auch von vielen anderen Argentiniern habe ich gehört, dass mittags einfach nur Siesta gehalten wird. Ich für meinen Teil bräuchte zwar Schlaf, möchte mein Auslandsjahr jedoch nicht mit jedem Mittag 3-4 Stunden schlafen verbringen, deshalb gehe ich oft mit AFS-Freunden in die Stadt, mit meiner Gastmutter einkaufen oder beschäftige mich zuhause. Oft gehe ich auch mit einer Freundin aus Frankreich joggen oder zum Zumba in einer nahe gelegenen Sporthalle. Abends von 20 bis 21 Uhr gehe ich 3-4 mal die Woche mit meinem Gastvater und gelegentlich auch mit meiner Gastschwester ins Fitnessstudio.

Hier in Argentinien wird immer gegessen, zu jeder Uhrzeit. Es gibt vier richtige Mahlzeiten und dazwischen werden immer Kekse oder anderes Kleinzeug gegessen. Da ich in meinen drei Monaten hier schon einiges an Gewicht „gewonnen“ habe, schaue ich deshalb nun oft Sport zu treiben und mir das Kekse essen abzugewöhnen.

Um 22 Uhr wird dann zu Abend gegessen, danach noch geduscht und dann irgendwann zwischen 23:30 und 1 Uhr geht man zu Bett. Wegen meinen nur 5 bis 6 Stunden Schlaf pro Nacht schlafe ich oft in der Schule, was jedoch niemandem etwas auszumachen scheint.

Meine neue Schule…

Meine neue Schule, die Schule N°17, ist eine öffentliche Schule und hat deshalb keinen Namen, sondern nur eine Nummer. Im Gegensatz zu den privaten Schulen trägt man an den öffentlichen keine Schuluniformen, was mir persönlich doch besser gefällt, nachdem ich die ersten zwei Monate hier immer Schuluniform tragen musste. Außerdem ist der Unterricht um einiges anders: Ich war schon bei meiner ersten Schule erstaunt, wie wenig die Lehrer sich darum kümmern, den Schülern etwas beizubringen und wie schlecht zum Beispiel das Englisch meiner Mitschüler war, obwohl es eine englische Privatschule war.

Mittlerweile denke ich anders darüber, immerhin konnte ich mich auf der privaten Schule auf Englisch verständigen. Daran ist in meiner jetzigen Schule nicht zu denken! Für mich ist es gut, da ich auf diese Weise viel besser Spanisch lerne, für meine Mitschüler tut es mir jedoch leid. Die meisten können keinen Satz auf Englisch sagen und auch in den anderen Fächern lernen sie nicht sehr viel. Die Lehrer hier schreiben am Anfang der Stunde die Aufgaben an die Tafel und dann lehnen sie sich zurück und sehen ihre Aufgabe zu unterrichten als getan an. Die Schüler beschäftigen sich, anstatt die Aufgaben zu machen, mit ihren Handys oder man unterhält sich. Für mich ist es in der Schule immer noch relativ langweilig, jedoch viel besser als in der alten Schule. Ich unterhalte mich viel mit meinen Mitschülern und hatte nach der ersten Schulwoche schon meine Clique, mit der ich mich auch außerhalb der Schule oft treffe. Alle Schüler sind hier sehr offen, freundlich und auch ein bisschen verrückt. Ihre Art hat es für mich viel einfacher gemacht mich selbst zu öffnen und auf Leute zu zugehen.

Planungen für die Ferien…

Ich habe jetzt noch zwei Wochen Schule und dann drei Monate Ferien voller Pläne: Zunächst geplant sind vier Tage Camping in „El Calafate“, einem Nationalpark in den Anden mit Gletschern und vielen tollen Seen. Weihnachten verbringe ich in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Außerdem vorgesehen sind Urlaub im Norden Argentiniens und in Uruguay. Zudem plane ich gerade mit einer Freundin aus den Niederlanden, die auch mit AFS in Rio Gallegos ein Auslandsjahr macht, nach Pucon in Chile zu reisen und dort Familie aus Deutschland zu besuchen. Zwischen diesen Reisen werde ich immer wieder eine Weile Zuhause sein und etwas mit Freunden unternehmen. Auch wenn es mir hier mittlerweile wirklich gefällt, freue ich mich unglaublich mal etwas anderes zu sehen, warmes Wetter genießen zu können und einen anderen Eindruck von Südamerika zu bekommen, als den rauen Süden, den ich bisher kenne.

Ushuaia (= „Bucht, die nach Osten blickt“), eine Stadt auf der Insel Feuerland (auf Spanisch „Tierra del Fuego“ ), habe ich schon zweimal besucht. Das erste Mal übers Wochenende mit meiner Gastfamilie: Mit dem Auto hätten wir normalerweise 11 Stunden gebraucht von Rio Gallegos in die südlichste Stadt der Welt. Wegen einem eingestürzten Tunnel mussten wir jedoch auf halber Strecke in einem Hotel übernachten und konnten erst am nächsten Tag weiter fahren. Die zwei Tage bei den Großeltern einer Tante und ihrer zweijährigen Tochter, die in Ushuaia wohnen, waren insofern schön, dass ich alle kennen gelernt habe, freundlich aufgenommen wurde und ein bisschen was von den Anden und dem Atlantik gesehen habe. Ich habe in diesen zwei Tagen aber schon gemerkt, dass die Großeltern nicht viel unternehmen und es daher etwas langweilig war.

Als meine Gasteltern mir dann mitteilten, ich würde zwei Wochen später schon wieder zu den Großeltern, jedoch alleine mit meinem Gastbruder, hat sich meine Vorfreude in Grenzen gehalten. In Ushuaia habe ich dann zwar versucht etwas zu unternehmen, bin an der Promenade joggen gegangen, war auf dem Konzert von einem deutschen Chor aus Hannover und habe mich einmal mit AFS-Leuten aus Ushuaia getroffen, trotzdem ging die Woche nur langsam vorüber und war sehr langweilig. Meine Hauptbeschäftigung bestand aus Filme schauen und essen. Ich war froh, nach dieser Woche wieder zurück in Rio Gallegos zu sein. Über Weihnachten in Ushuaia mit der ganzen Familie sind viele Ausflüge geplant, deshalb denke ich, dass es diesmal besser wird.

Argentinier shoppen in Chile…

Letztes Wochenende war ich mit meinen Gasteltern und meinem Gastbruder in Punta Arenas in Chile. Punta Arenas ist eine große Stadt (ca. 123000 Einwohner) im chilenischen Patagonien und ca. drei Autostunden von Rio Gallegos entfernt. Hier fahren alle Einwohner aus dem Süden Argentiniens drei- bis viermal im Jahr hin, um Klamotten und Elektronik einzukaufen, da diese Dinge in Chile viel günstiger sind als in Argentinien und vor allem dessen südlichen Teil, der extrem teuer ist.

Punta Arenas soll ein Ausflugsziel für Touristen sein. Es ist an sich schöner als die anderen Städte, die ich bisher gesehen habe, liegt am Meer und es gibt Pinguine in der Nähe, was wohl der Hauptgrund für eine Reise nach Punta Arenas ist. Das was ich von der Stadt zu sehen bekam, hat mich aber nicht sonderlich beeindruckt. Nach zwei Tagen Shopping ging es dann gestern zurück nach Hause.

AFS verbindet…

Ein sehr wichtiger Teil für mich hier in Argentinien ist AFS. Die Organisation ist in meiner Stadt sehr gut vertreten und die Ehrenamtlichen von AFS hier in Rio Gallegos helfen immer gerne, laden zu Treffen in ihrem Haus ein und sorgen so für Geborgenheit und Zusammenhalt unter den Austauschschülern. Wir treffen uns jede Woche mindestens einmal und gehen ins Café oder treffen uns im Park. Nächste Woche feiern wir im Haus eines Ehrenamtlichen von AFS drei Monate Austauschjahr in Argentinien mit anderen Austauschschülern aus dem Norden Argentiniens, die gerade zu Besuch in Rio Gallegos sind.

Trotz auch sehr schwierigen Momenten in meinen ersten drei Monaten ging die Zeit rasend schnell um und jetzt stehen drei Monate Ferien und viele Reisen vor mir! Liebe Grüße und bis bald! Nele :)