11.11.2015

Bericht #2

Hola mi querida MRN! Jetzt bin ich schon etwas mehr als 2 Monate hier und es ist wirklich unglaublich was ich schon alles erlebt habe. Vor allem der letzte Monat war voller Feste und Abenteuer. Ich habe mich auch schon richtig gut hier eingelebt und Vieles ist zur Gewohnheit geworden. So muss ich am Schulkiosk in der Pause schon gar nicht mehr sagen, was ich haben möchte. Der Verkäufer hält die Platanitos Natural (Kochbananenchips) und den Jugo de Pera für mich schon bereit.

Außerdem habe ich gemerkt, dass fließendes Wasser und Strom hier keine Selbstverständlichkeit sind. So fällt das Wasser immer wieder mal wieder aus und einmal mussten wir sogar 5 Tage lang ohne Wasser auskommen. In manchen Haushalten gibt es auch grundsätzlich kein fließendes Wasser. Der Strom verlässt uns gerne bei Regen. In der Regenzeit ist das doch schon sehr lästig, da das dann so gut wie jeden zweiten Tag passiert. Aber zum Glück bleibt er nie zu lange aus.

In diesem Monat war Schule doch recht besonders. Fast jeden Tag wurde die Aula geschmückt, um Feste darin zu feiern. Von einem einfachen Mathematik-Wettbewerb bis hin zu einer Ausstellung der panamaischen Kultur war alles mit dabei! Der Schulunterricht musste darunter ein wenig leiden, da die Feste immer während der Schulzeit stattfinden. Das stört hier allerdings niemanden so richtig. Schule wird offenbar von den Jugendlichen nicht übertrieben ernst genommen. Man geht hin, weil man muss und ist einfach nur froh, wenn man das ganze irgendwie hinbekommt. Diese Einstellung spiegelt sich auch ein wenig im Verhalten der Lehrer wieder. Es fallen etliche Stunden aus, weil Lehrer nicht kommen oder aber einfach nur vor dem Klassensaal stehen und mit den Schülern reden. Manchmal frage ich mich, wozu da noch eine große Pause notwendig ist…

Ungewohnt ist für immer noch, dass die ganze Schule ebenerdig ist. Man muss also nur aus seinem Klassensaal hinausgehen und schon steht man auf dem ‚Schulhof‘. Und wie überall in Panama laufen auch auf dem Schulgelände viele Hunde herum. Sie werden nahezu vollkommen ignoriert und sind einfach da. Lustig wird es, wenn einer der Hunde den Klassensaal aufsucht und der Lehrer versucht, ihn wieder hinaus zuschicken. Die Hunde lassen sich davon meist nur wenig beeindrucken. Wenn sie sich in irgendeine Ecke gelegt haben, geben dann meist auch die Lehrer auf.

In der ersten Zeit habe ich mich in der Schule noch etwas unwohl gefühlt. Ich kam mir vor wie auf dem Laufsteg einer Modenschau, denn alle schauten mir hinterher. Aber da ich nicht die einzige Austauschschülerin in der Schule bin und mit meinen dunklen Haaren und braunen Augen doch gut zum panamaischen Standard passe (von der Größe mal abgesehen), hat das zum Glück schnell nachgelassen.

Eine Art Feiertag für Schülerinnen hier in der Schule, ist der “Día Civil“. Normalerweise darf man in Panama die Schule nur mit einer Schuluniform betreten. Für uns bedeutet das: ein weißes Hemd und ein dunkelblauer Rock bzw. eine dunkelblaue lange Hose für die Jungs. Man darf nicht geschminkt zum Unterricht erscheinen oder gar Schmuck tragen. Aber an die Regeln mit dem  Schmuck und der Schminke hält sich aber fast niemand und den Lehrern ist es auch relativ egal. Am "Día Civil" darf man in seiner normalen Alltagskleidung in die Schule kommen und sich bei Make-up und Schmuck austoben. Das müssen die Mädchen natürlich auskosten. Meistens kommen sie viel zu spät, denn die Zeit am Morgen reicht kaum um das beste Outfit herauszusuchen und sich aufzubrezeln. Mir persönlich gefällt die Schuluniform mehr, ist einfacher und sieht auch recht gut aus.
 

Ahora y siempre, Viva Panama!

Die Tage vom 3. bis zum 5. September waren hier ganz besondere Feiertage. Am 3. September wurde der Tag der Unabhängigkeit in Kolumbien gefeiert. Die einzelnen Schulen hatten sich wochenlang darauf vorbereitet, um an diesem Tag mit Trommeln, Trompeten, Klangspielen und manchmal sogar mit Tänzern durch die Innenstadt von La Concepción zu marschieren. Jede Schule präsentierte sich auf unterschiedliche Art und Weise. Es war ein großes Ereignis! Man konnte die vielen Trommeln in der ganzen Stadt hören und mein kleiner Bruder Andrés marschierte mit. Er hat für seine Schule „Justo A. Castillo“ getrommelt.

Und es hat sich so angefühlt, als wolle die Sonne mitfeiern: So heiß wie an diesem Tag war es in meinen ganzen bisherigen 2 Monaten hier noch nie. Am 4. September wurde das ganze Spektakel vom Vortag noch einmal in etwas kleinerer Form und bei etwas angenehmeren Temperaturen wiederholt. An diesem Tag feierten wie den „Día de los símbolos patrios“. Am 5. September schüttete es dann so kräftig, dass wir auf den Besuch einer weiteren Parade verzichteten.

Zusätzlich zu den Festen durfte ich auch wieder einige Ausflüge mit AFS erleben. Anfang Oktober haben wir die Stadt Boquete besichtigt. Sie ist vor allem für ihre vielen und schönen Blumen bekannt. Wir sind auch etwas weiter in die Umgebung gefahren, zu einer Stelle mit einem kleinen Wasserfall und einem Fluss mitten in der Natur umgeben von steilen Felswänden.

Mein persönlicher Favorit war der Ausflug in der Mitte des Monats: Wir haben uns am Pazifik zum „whale watching“ getroffen. Mit einem Motorboot sind wir eine halbe Stunde aufs Meer hinausgefahren. Es schüttete ununterbrochen, so dass wir bald alle klitschnass waren. Aber dann entdeckten wir die große, einsame Inseln mit Traumstränden, wie sie sonst nur in einer Reisebroschüre zu sehen sind. Und das Beste war, wir hatten sie ganz für uns alleine. Das schlechte Wetter war also schnell vergessen und es zählte nur noch eins: ab ins Meer und Spaß haben. Und den hatten wir auch. Mit Taucherbrillen und Schnorcheln konnten wir das Korallenriff in der Nähe vom Strand erkunden und haben viele Fische gesehen.

Unvergesslich war dann der Moment, als jemand einen Schatten im Meer gesehen hatte: Wale! Schnell sind alle in die beiden Boote gesprungen und auf ging es zu dem kleinen Baby-Wal, der da mit seiner Mutter spielte. In der Hektik des Aufbruchs haben wir alle unsere Kameras vergessen und deswegen auch keine Fotos – aber das war im Nachhinein auch besser so, da wir einfach den Moment genießen konnten. Es tat doch ein wenig weh, als wir am Mittag den wunderschönen Strand und die Wale verlassen mussten, um rechtzeitig wieder zuhause zu sein. Aber für alle stand eine Sache fest: Wir kommen wieder!

Am Ende des Monats ging es für uns nochmals nach Panama City für ein Camp von AFS. Dieses Mal hatten wir aber deutlich mehr Zeit und wir konnten ein bisschen die Stadt und die Albrook-Mall erkunden, die größte Mall in Panama. Und das hat man auch gemerkt: Uns standen insgesamt etwa 6 Stunden Zeit zur Verfügung und wir konnten nicht einmal die Hälfte der Mall erkunden. Mit AFS besuchten wir an einem Abend die Casco Viejo, die romantische Altstadt von Panama City. Dieses Stadtviertel wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wir spazierten durch schmale Gassen und bewunderten die vielen alten Bauten und zwischen drin immer wieder ein kleiner Touristenstand. Besonders beeindruckte mich das wunderschöne Lichterspiel, in dem die Altstadt am Abend beleuchtet wurde.

An Halloween waren wir noch im Camp in Panama City. Das feiert man hier aber nicht wirklich. Nur ein paar verkleidete Kinder hat man bei unserer Tour durch die Stadt gesehen. Damit wir aber doch ein bisschen in Halloween-Stimmung kommen, wurde im Camp ein Verkleidungswettbewerb veranstaltet – mit mir in der Jury. Man sollte mit dem was man findet, ein schönes Kostüm basteln. Alle Austauschschüler waren sehr kreativ und es gab wirklich schöne Kostüme zu sehen. Für die drei Gewinner gab es dann auch Preise.

Soweit mein zweiter Bericht, ich hoffe er hat euch gefallen! Mitte November geht es auf große Reise mit AFS nach Bocas del Toros. Ich freue mich schon sehr, euch davon berichten zu können! Chau und bis zum nächsten Mal! Eure Luca