30.1.2016

Bericht #4

Hola, meine liebe MRN, zu meinem 4. Bericht!

Weihnachten und Silvester sind jetzt vorbei und ich habe endlich die Zeit gefunden, euch davon zu berichten:

Rückblick auf die Festtage in Panama

Ähnlich wie in Deutschland fängt in den Geschäften die Vorweihnachtszeit etwa einen Monat früher an als in den privaten Haushalten. Schon Ende Oktober waren die Geschäfte festlich geschmückt und Weihnachtsmusik spielte in allen Läden. Anfang Dezember ging es dann richtig los, die Bewohner haben angefangen ihre Häuser zu schmücken. Anscheinend trägt man hier in Bugaba einen Wettbewerb aus über die Anzahl der Lichterketten, die die Häuser verzieren. Die Straßenlaternen wurden unnötig, jedes Haus strahlte am Abend in tausend schrillen Farben. Manche Häuser konnte ich nicht länger als 10 Sekunden anschauen, dann schmerzten die Augen zu sehr!

Die Kreativität der Panamaer ist riesengroß: Aus Plastikbechern bastelte man zum Beispiel einen süßen kleinen Schneemann und aus einer Menge von Schaumstoffteilen wurde ein original großer Kamin gezaubert. Auch bei uns ging es irgendwann ans Hausschmücken. Dann hieß es, jetzt würde der Weihnachtsbaum aufgebaut. Ich war doch recht erstaunt, dass mein Vater sogleich mit drei Kisten erschien. In jeder Kiste befand sich ein Teil unseres Plastik-Weihnachtsbaumes, den wir dann im wahrsten Sinne des Wortes „aufbauten“. Zwar werden hier auch echte Weihnachtsbäume verkauft, aber die kosten sehr viel Geld. Da greift man doch lieber zur Plastik-Variante, zumal diese weniger Dreck macht. Ich selber bin an der Aufgabe, die Lichterketten am Baum anzubringen, fast verzweifelt. 90 Minuten hab ich gebraucht um den Kabelsalat, der aus insgesamt drei Lichterketten bestand, zu entwirren und war gefühlte dreißig Mal kurz davor, aufzugeben.

Neben den sehr festlich geschmückten Häusern gibt man sich hier auch sonst viel Mühe, Weihnachtsstimmung zu vermitteln. So gut wie an jedem Abend im Dezember werden Feuerwerke und Weihnachtsparaden geboten und in jedem Geschäft werden ohne Unterlass Weihnachtslieder gespielt, die ich nach einem Monat wirklich nicht mehr hören wollte.

Und trotz aller Bemühungen will bei 40°C kein richtiges Weihnachtsgefühl bei mir aufkommen. Die völlig anderen Temperaturen hier in Panama sorgen auch dafür, dass man keine Orientierung zum Jahresverlauf hat und die Monate gerne durcheinander bringt. So habe ich in einem meiner letzten Berichte "September" statt "November" geschrieben und als mich vor einem Monat jemand fragte, was ich mir so für das neue Jahr vornehme, antwortete ich total verwirrt: "Wieso neues Jahr, wir haben doch Sommer!" Einmal hatte eine Freundin von AFS gesagt, dass es sich so anfühle, als sei die Zeit hier stehen geblieben. Und sie hat Recht. Man erwartet eben, dass es kälter wird, aber es wird höchstens wärmer und der Regen lässt langsam nach. Es ist für uns Ausländer so, als hätte jemand im September, dem Monat unserer Ankunft in Panama, die Zeit ausgeschaltet.

Aber die Zeit läuft eben doch immer weiter und plötzlich stand Weihnachten vor der Tür. Der 24. Dezember ist hier ein Arbeitstag, meine Eltern sind also wie gewohnt in ihren Laden gegangen. Das eigentliche Fest fing für uns erst in der Nacht an. Kurz vor Mitternacht trafen wir uns im Haus meiner Tante zum gemeinsamen Essen. Von draußen hörte man das riesige Feuerwerk, das die ganze Nacht über andauerte. Für die Kinder meiner Tante gab es um Punkt 24:00 Uhr Geschenke, mein kleiner Bruder Andrés musste noch bis zum Morgen des 25. warten. In meiner Familie bekommen nur kleine Kinder Geschenke, anders als Deutschland. Um 6:00 Uhr morgens war es dann für meinen Bruder soweit: Endlich Bescherung! Doch dieses Jahr durften auch meine Eltern Geschenke auspacken, die ich ihnen zum Teil aus Deutschland mitgebracht hatte.

Danach gab es ein gemeinsames Weihnachtsfrühstück: Trauben, Äpfel, Rosca (ein typisches Weihnachts- und Neujahrsbrot, das sehr einem deutschen Hefezopf ähnelt), Kakao und die Fleischreste vom Festessen in der Nacht. Nach dem Frühstück ist man wieder schlafen gegangen, da wir für die Weihnachtsparade in Volcan, die am Abend stattfand, ausgeruht sein wollten. Leider hatte ich vergessen, dass es in Volcan, das recht hoch liegt, auch sehr kalt werden kann. In T-Shirt und kurzer Hose habe ich dort sehr gefroren! Na ja, immerhin erinnerte das etwas an ein deutsches Weihnachten … Der 26. war dann schon wieder ein Arbeitstag für meine Eltern und alles nahm wieder seinen üblichen Lauf.was näher bringen!

An Silvester erlebte ich dann ein Déjà-vu. Um Punkt 24:00 Uhr fing das große Feuerwerk an und Verwandte kamen zum großen Essen. Kurz gefasst: Das Szenario war wie an Weihnachten, nur eben sieben Tage später wiederholt.

Den Neujahrstag verbrachten wir zu Hause und im Pool, der Tags zuvor in unserem Garten aufgebaut wurde. Das habe ich auch noch nie an einem 1. Januar gemacht und es hat unglaublich viel Spaß gemacht!

Das waren meine Festtagserlebnisse. Aber was wäre ein Bericht aus Panama, ohne die Erwähnung einen Strandbesuchs!

Panne auf dem Heimweg vom Strand

Anfang Januar ging es erneut an den Strand, um den Geburtstag von Lyly nachzufeiern. Lyly ist in La Concepción die ehrenamtliche Mitarbeiterin von AFS, die uns Gastschülern immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Eigentlich war es ein ganz normaler Strandbesuch, diesmal mit Kuchen. Das außergewöhnliche Abenteuer fing erst auf der Rückfahrt an. Da wir viele Personen waren, sind wir mit zwei Bussen gefahren. Nach ungefähr 20 Minuten Fahrt machte es "Plopp", dann sah ich etwas Schwarzes in den Straßengraben rollen, gefolgt von dem unschönen Geräusch von Metall, das auf Asphalt reibt.

Ein Reifen hatte sich vom zweiten Bus gelöst. Zum Glück wurde niemand verletzt! Wir waren auf einer wenig befahrenen Straße unterwegs, so dass die Panne nicht zusätzlich zu einem Unfall führte. Schnell wurde der Reifen wieder an seinen Platz gebracht und tatsächlich konnte man auch alle Schrauben finden. Dann ging es im Schneckentempo weiter um nichts zu verschlimmern. Aber es kam wie es kommen musste: Nach 10 Minuten blieb der Bus einfach stehen und bewegte sich keinen Zentimeter mehr.

Dieses Mal befanden wir uns aber auch dem stark befahrenen Highway und alle mussten anschieben, um den Bus mit gemeinsamer Kraft von der Straße zu bekommen. Schnell war klar, dass dieser Bus nicht mehr fahren wird. Man entschied, dass der fahrtüchtige Bus ein Teil der Fahrgäste nach David bringt, die mit öffentlichen Bussen von dort weiter fahren. Alle anderen warteten am Pannenort das der Bus aus David wieder zurück kommt, und einen nach Hause fährt.

Ganze zwei Stunden standen wir da, nur im Licht der Straßenlaterne und erzählten uns Geschichten, sangen Lieder, beobachteten die Sterne, oder haben uns im kaputten Bus auf die Suche nach gescheitem Essen oder trinken gemacht. Leider ohne wirklichen Erfolg. Die Freude und Erleichterung war dann wirklich groß, als endlich der Bus wieder kam. Gegen 24:00 Uhr wurden wir schließlich in La Concepción von unseren besorgten Eltern in Empfang genommen. Ich bin mir sicher, ich werde diese Nacht nie vergessen!

Das war mein vierter Bericht. Ich hoffe, ich konnte euch das panamaische Weihnachten et