20.3.2016

Bericht #5

Laute Musik, viele Menschen, man kommt kaum von einem Ort zum anderen. Wasser wird aus großen Schläuchen von Tanklastern geschüttet. Während man versucht, sich durch die Menge zu quetschen, muss man auf dem letzten Stück Bürgersteig balancieren, um nicht in das "Bier-Wasser-Gemisch" auf der Straße treten zu müssen, und gleichzeitig den Werbegeschenken ausweichen, die von den Tanklastern geschmissen werden.

Dann gibt es großes Staunen: Ein Helikopter, der über den Menschenmassen fliegt, wirft Energy-Drinks in Dosen ab, die mit einen kleinen Fallschirm ausgerüstet durch die Luft gleiten, um sicher bei uns anzukommen…ja, die Karnevale sind hier schon ein sehr besonderes Fest und man kann nicht ein Jahr in Panama gewesen sein, ohne mindestens einen Tag dort gewesen zu sein! Und damit endlich mal wieder:

Hola, meine liebe MRN, zu meinem Karnevalsbericht aus Panama!

Vom 5. bis 10. Februar war hier Karneval und Lyly, unsere Betreuerin, hat es sich nicht nehmen lassen, mit uns allen eine Reise nach Las Tablas zu machen, um die Karnevale in ihrer ganzen Länge und Schönheit zu bewundern. Wir waren eine Gruppe von ungefähr 20 Personen und Lyly hatte uns ein schönes Haus in der Nähe von Las Tablas für 5 Tage gemietet. Es war ein unglaubliches Erlebnis!

Schon die Anreise war besonders: Ungefähr 7 Stunden hat sie gedauert, denn wir hatten uns ordentlich verirrt. Am nächsten Tag musste der Karneval erstmal warten, Lyly, Paula Laurence und ich wollten nämlich erstmal die Strände in Las Tablas unter die Lupe nehmen. Der Strand lag nur 5 Minuten Taxifahrt von unserer Unterkunft entfernt. Zufrieden konnten wir feststellen, dass die Strände bei uns in Chiriquí doch um einiges schöner sind! Der Sand in Las Tablas ist eher schwarz und das wunderschöne Palmenparadies fehlt auch. Schön fand ich, dass es durch den starken Wind, der einen in Las Tablas auch gerne mal frieren lässt, wunderbare Wellen gab. Das machte das Schwimmen aber auch nicht ungefährlich!

Später ging es dann zum Abend-Umzug des Karnevals. Falls man sich einfach nur den Karneval anschauen will und nicht auf Party aus ist, ist man gut beraten, wenn man erst abends loszieht. Da läuft es nämlich um einiges gesitteter ab als am Tag, was auch daran liegt, dass die ganzen Partyfreudigen bereits in der Disco „PH“ verweilen. Auch kommen die Wagen, die nachts hell in der Dunkelheit leuchten, viel besser zur Geltung und man wird Zeuge eines wunderschönen Feuerwerks. Das beste Feuerwerk, das ich je gesehen habe!

Geduld und Kraft braucht man für die Paraden, denn sie dauern bis zu 4 ½ Stunden! Die prachtvoll gestalteten Wagen mit den zahlreichen Teilnehmern in ihren aufwändigen Kostümen und natürlich - nicht zu vergessen - mit der "Reina", der Königin, bewegen sich nur langsam und machen immer wieder Pausen um Kollisionen zu verhindern. Zwischendurch kommt immer ein Wagen mit Trompetern, Trommlern und vielen anderen Musikanten, die eine typisch panamaische Musik spielen, mit Ohrwurmgarantie!

Am nächsten Tag ging es dann zum Karneval am Mittag, auch genant „Mojada“. Das heißt im Deutschen so viel wie „nass“ und der Name sagt schon alles: Wasser ist hier das wichtigste Element! Tagsüber stehen überall auf dem Platz verteilt große Tanklaster, vollgefüllt mit Wasser. Das wird dann mit einem großen Schlauch in die Menge verteilt. Wenn man zum Karneval geht, bekommt man von den Daheimgebliebenen gesagt: "Bring mir Wasser mit!" Dieses Jahr gab es nur für einen kurzen Zeitraum "Mojada", wegen des allgemeinen Wassermangels in Panama. Aber in dieser Zeit wurde dann reichlich Wasser eingesetzt! Neben dem Wasser sind die Werbegeschenke eine große Aktration. Sie werden von Leuten, die auf den Tanklastern stehen, runter geschmissen, und wer freut sich denn nicht über eine gratis Flasche oder ein T-shirt?

Das Gedrängel ist unglaublich groß und das oberste Gebot lautet: Pass auf deine Wertsachen auf! Karneval ist leider auch die Hochkonjunktur der Diebe! Immer hat man irgendwie Körperkontakt zu anderen Menschen. Dazu sind viele leicht betrunken, so dass sie es gar nicht merken, wenn ihr Portmonee aus der Hosentasche verschwindet. Ich war vorsichtig und hatte immer nur ein paar Scheine bei mir.

Am nächstem Tag gaben wir den Stränden von Las Tablas doch noch einmal eine Chance und erholten uns vom Gedrängel der Paraden. Dieses Mal gab es auch spitze Felsen im Wasser – mit den Wellen keine gute Kombination! Schon nach 10 Minuten durfte ich den Verarztungsservice im nahe gelegenen Restaurant testen und hatte danach Wasserverbot. Am Abend bin ich dann mit der deutschen Austauschschülerin Fine, die ich bei den Karnevalen das erste Mal seit unserer Anreise nach Panama wieder gesehen hatte, und den beiden Schweizern Nora und Urs, die auch in Chirquí leben, nochmal auf die Abendparade gegangen.

Das erstaunliche am Karneval ist, dass kein Wagen zweimal eingesetzt wird. So kann man bei jeder Parade etwas Neues bewundern, das ist toll. Doch es müssen auch unglaublich viele Parade-Wagen vorbereitet werden. Und bei ihrer Größe und der großflächigen Beschmückung bedeutet das einen enormen Arbeitsaufwand. Unsere Karnevalstage endeten dann im großen Finale: Beim Karneval gibt es mehrere "Reinas", also Königinnen, und im Finale wird nun die Königin des Karnevals 2016 ermittelt. Dafür gibt es ein großes Tanzduell mit viel Feuerwerk und allem Drum und Dran!

Nach den Karnevalen hat die Fastenzeit begonnen. Man sagt, am Karneval wollen die Leute für ein paar Tage ihren Alltag vergessen, der einen dann sofort wieder einholt. Und es stimmt! Nach einer etwas kürzeren Rückfahrt, diesmal ohne Irrfahrten, waren wir wieder zuhause und der panamaische Ferienalltag ist sofort wieder eingekehrt.

Dieser Karnevalsbericht erreicht euch leider etwas verspätet, da uns nach dem Ausflug das Internet für 2 Wochen verlassen hatte. Als es dann wieder zur Verfügung stand, wurde ich überrascht vom großen Aufwand, der mit dem neuen Schulanfang einherging. Aber darüber berichte ich euch demnächst… Bis dahin: Chau und bis zum nächsten Mal! Eure Luca