4.8.2016

Bericht #7

Hola meine liebe MRN!

Es ist jetzt schon ein bisschen länger her, dass die Ferien zu Ende gegangen sind und ich mitten in das panamaische Schulleben geworfen wurde. Da ich seit diesem Schuljahr um einiges besser Spanisch kann als vor den Ferien, habe ich die Schule hier in Panama auf einmal sehr verändert wahrgenommen.

Die größte Umstellung war der Klassenwechsel. Meine Schwester hat dieses Jahr Nachmittagsunterricht (12.45 Uhr – 18.10 Uhr. Da AFS es besser findet, wenn alle Austauschschüler am Morgen in die Schule gehen, habe ich sozusagen eine Klasse übersprungen und bin jetzt im XIIo ano. Das ist die letzte Klassenstufe, meine Klassenkameraden sind nach dem Jahr also fertig mit der Schule und können ein Studium beginnen.

Als erstes wurden mir die neuen Fächer vorgestellt. Neben den üblichen Fachbereichen wie Physik, Englisch und Mathematik kamen nun auch Logica (Philosophie), HRP (Geschichte von Panama), Civica III und G.E.F.P. (beides eine Art Sozialkunde) dazu. Was auch besonders ist im Panamaischen Schulsystem, ist die Aufteilung. Hier kann man nämlich zwischen drei Unterrichtsarten wählen: Ciencias , Lettras und Humanidades.

Ciencias hat einen Schwerpunkt auf Fächer wie Biologie, Physik und Chemie. Lettras und Humanidades konzentrieren sich mehr auf die Sprache und das Schreiben. Man hat in den verschiedenen Aufteilungen sogar komplett andere Fächer. Und da ich und der Großteil der anderen Austauschschülern in Ciencias waren, kann ich leider nicht so viel über Humanidades und Lettras berichten.

Das Niveau meiner panamaischen Schule ist etwas geringer als in Deutschland. Einige Lerninhalte konnte ich schon vorher, allerdings werden die vielen Hausaufgaben und Leistungsprüfungen mit der Zeit deutlich zeitraubender. Es ist unter der Lehrerschaft hier auch ausgesprochen beliebt, auf alles Mögliche Noten zu geben. So werden nahezu alle Hausaufgaben bewertet, wobei der Inhalt eher eine nebensächliche Rolle spielt; wichtig ist, dass es schön aussieht! Da nimmt die „Dekoration“ einer Hausaufgabe auch gerne mal eine halbe Stunde ein.

Neben den Tests, die hier übrigens immer angekündigt werden, gibt es dann noch die „Taller“. Eine Art Schularbeit, die aufgebaut ist wie ein Test, man jedoch meistens in Gruppen bearbeiten darf und bei denen man sämtliches Informationsmaterial aus dem Unterricht benutzt darf, also Hefte und Kopien. Es fällt auch auf, dass die Lehrer hier unglaublich viele Test und Taller schreiben. Es gab selten einen Tag ohne einen, und gerne auch mal einen Tag mit 3 oder 4 davon. Sie sind aber meistens recht leicht.

Die Zeit kurz vor den Ferien, die ich letztes Jahr als etwas eintönig beschrieben habe, hat sich dieses Jahr als „Examen-Zeit“ entpuppt. Hier werden nämlich nicht, wie in Deutschland zwei Klassenarbeiten in den Hauptfächern über ein Halbjahr verteilt geschrieben, sondern in jedem Trimester hier wird in den abschließenden 1 ½ Wochen vor den Ferien ein Examen in jedem Fach geschrieben. Das ist wirklich die härteste Zeit des gesamten Trimesters. Jeden Tag werden zwei Examen schrieben, dafür hat man ansonsten keinen Unterricht und ist meistens gegen 10 Uhr morgens wieder zu Hause, um für die nächsten 5 Examen zu büffeln. Examen sind ungefähr so aufgebaut wie unsere Klassenarbeiten, nur sind sie recht groß, da sie sich auf alle Themen des Trimesters beziehen. Es gibt aber auch Leistungsüberprüfungen zwischendurch, die wie ein Examen gewertet werden, aber nicht so heißen. Sie sind da, damit die Examen am Ende nicht so lang sind, die Lehrer haben aber auch keine Pflicht eine zu schreiben. Nach dem Examen hatten wir eine Woche Ferien.

Jetzt bin ich also schon im zweiten Trimester und im Dezember machen meine Klassenkameraden ihren Schulabschluss! Die Lehrer wechseln von Trimester zu Trimester nicht und auch der Stundenplan bleibt gleich. Was sich jedoch auch vom letzten Jahr nicht geändert hat, ist der häufige Ausfall von Unterricht. Einen Vertretungsplan gibt es hier nicht, auch nicht Aufsichts- oder Vertretungsstunden. Wenn eine Lehrkraft nicht kommt, sitzt man die Zeit im Klassensaal und wartet, denn oft beginnt der Unterricht zu spät. Der Schultag wird hier aber auch oft durch  Ereignisse gekürzt, da man sie nicht auf den Nachmittag schieben kann, wegen des Nachmittagsunterrichts.

Was mir auch sehr auffällt, ist das doch recht enge Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler. Man darf die Lehrer duzen und generell werden auch gerne mal die Freistunden genutzt, um tolle Geschichten aus seiner Kindheit zu erzählen oder einfach, was man am vorherigen Tag gemacht hat. Auch, dass die Schüler die Handynummern ihrer Lehrer haben oder wissen, wo diese wohnen und sie auch schon mal besucht haben, ist hier ganz normal. Das ist aber auch recht praktisch, da die Lehrer so viel schneller „Gnade“ zeigen wenn man ihnen erzählt, was für einen harten Tag man doch schon hatte, und den Test auf den nächsten Tag zu verschieben. Der Schultag ist aufgeteilt in 8 Schulstunden, und nach 4 davon haben wir eine Pause von 20 Minuten. Da die Schulklingel jedoch seit ungefähr 3 Monaten nicht mehr funktioniert, ist das alles ein bisschen chaotisch.

Mittlerweile habe ich auch meinen Vortrag über die Metropolregion Rhein-Neckar in meinem Erdkundeunterricht gehalten. Nebenbei habe ich auch mit den anderen Austauschschülern/-innen ganz oft Vorträge über unser Land und unsere Heimat gehalten und natürlich auch zwischendurch den Leuten viel über meine Heimat erzählt. Und das auch nicht nur den Einheimischen. Tatsächlich wussten auch viele von den deutschen Austauschschülern nicht, wo Ludwigshafen oder die MRN liegt.

Alles in allem kann ich sagen, dass die Schulzeit für mich die beste Zeit meines Auslandsjahres war. Die Leute hier sind unglaublich nett und nehmen einen super lieb und schnell auf. In den vielen Freistunden gibt es immer was zu tun, und wenn nicht, packt einfach irgendwer sein Schachspiel aus. Auch wenn jeder Tag auf seine eigene Art und Weise furchtbar chaotisch war, habe ich das panamaische Schulleben sehr schnell in mein Herz geschlossen und ich glaube, das einzige was mir wirklich nicht gefallen hat, ist das frühe Aufstehen – um 5 Uhr!

Meine Zeit neigt sich jetzt aber dem Ende zu. Leider kann ich in meiner letzten Woche in Panama nicht mehr in die Schule gehen, da die Lehrer streiken. Aber so kann ich meine letzten Tage auch etwas entspannter angehen. Seit meinem letztem Bericht ist viel passiert. Wir hatten viele Abenteuer und Erfahrungen erlebt, die ich nie in meinem Leben vergessen werde. Leider musste ich meine alte Familie verlassen und lebe schon seit längerer Zeit bei Lyly, die mir ja schon lange bekannt ist und mit welcher ich immer eine schöne Zeit verbringen konnte.

Aber darüber berichte ich auch im nächsten Bericht, der sicher sehr bald kommen wird! Chau und bis zum nächsten Mal! Eure Luca