20.1.2017

Bericht #8

Es ist unglaublich! Es kommt mir immer noch so vor als wäre ich erst vor einen Monat in den Flieger nach Panama gestiegen und jetzt bin ich schon längst wieder zu Hause. Die letzten zwei Monate in Panama vergingen viel zu schnell. Es war wie ein Rausch! Man hatte immer das Gefühl, es verbliebe noch viel Zeit, doch auf einmal saß man in seinem Zimmer und musste Koffer packen. Die letzten Abenteuer bleiben einem noch ganz genau in Erinnerung: Die wunderschönen Strände von Santa Catalina, das Besteigen des Volcán Barú in einer langen, anstrengend aber auch unvergesslichen Nacht und der schöne Ausflug nach Cerro Punta mit meiner deutschen Austauschfreundin Yasmin. Aber so schön diese Zeiten auch waren, so schnell gingen sie auch vorbei!

Die letzte Woche in Panama war hart. Wir konnten nicht in die Schule gehen, da die Lehrer streikten. Viele Austauschüler waren schon nach Panamá City abgereist. Zum Glück war ich nicht alleine in La Concepción geblieben. Eine andere Austauschschülerin verbrachte die letzten Tage bei mir, da ihre Gastfamilie unerwartet zur Verwandtschaft musste. Zusammen haben wir diese Tage erlebt und letzte Abreise-Vorbereitungen getroffen. Dann kam es zum unangenehmen Teil: Abschied nehmen. Das kam einem so unpassend vor, man hat doch gerade erst richtig angefangen, alle Menschen vor Ort so wirklich kennen zu lernen… Und dieser Abschied war sehr viel schwerer, als der von den deutschen Eltern ein Jahr davor. Denn dieses Mal wusste man, dass man die Bleibenden nicht so bald wiedersehen kann!

Am Abend ging es erst sehr spät ins Bett und morgens klingelte der Wecker bereits kurz vor fünf. Meine Gastschwester aus Japan, die mit mir die letzten zwei Monate bei Lyly gelebt hatte, ist natürlich auch aufgestanden, um uns noch einmal „Tschüss“ zu sagen. Dann kam die Busfahrt, von Bugaba nach Panamá City. Das war das erste Mal, dass wir diese Strecke tagsüber fuhren. So konnten wir die Landschaft genießen, gleichzeitig hat die Fahrt aber auch 7 statt 9 Stunden gedauert. Die Zeit zog sich ins Unendliche und man konnte es einfach nicht realisieren, dass man in einem Tag schon im Flieger nach Hause sitzen würde. Am späten Nachmittag kamen wir dann endlich an. Ein letztes Mal ging es über den etwas chaotischen Busbahnhof und mit der Metro ins Hostel, in dem wir unsere letzte Nacht in Panama verbringen sollten. Am Abend sind wir dann noch mal mit allen deutschen Austauschülern in eine Pizzeria eingekehrt. Anschließend gab es noch einen kleinen Spaziergang durch das Nachtleben von Panamá City, ein letztes Mal das Casco Viejo bestaunen!

Der Abend wurde lang, die Nacht war kurz: Um 3:30 Uhr klingelte der Wecker, um 4:00 Uhr ging es ab zum Flughafen. Ein Ort, den ich das letzte Mal vor ungefähr einem Jahr gesehen hatte. Der Check-in und die Sicherheitskontrolle zogen sich ewig hin. Einige Koffer mussten umgepackt werden, wegen zu viel Gewicht. Es war dann doch eine riesige Erleichterung, endlich auf seinem Platz im Flugzeug sitzen zu dürfen. Ich hatte Glück und einen Platz mit Fensterblick erwischt, so konnte ich noch einige Momente die Sicht auf mein lieb gewonnenes Panama von oben genießen. Dann ging es ganz schnell. Nur einen kurzen Zwischenstopp in Dallas, Texas, und dann auch wieder weiter nach Deutschland. In unsere Heimat.

Am Flughafen in Frankfurt mussten wir noch auf unsere Koffer warten, dann schoss man ein letztes Foto mit der Gruppe und ab zu den Eltern! Diese hatten sich schon in einen Halbkreis um unseren Ausgang versammelt und warteten sehnsüchtig auf die Kinder aus der Ferne. Im ersten Moment war ich total überfordert. Es waren viel zu viele Menschen da und niemand schien meiner Familie anzugehören. Doch dann sah ich den Kopf meiner großen Schwester, die mich wohl entdeckt hatte und meinen Namen rief. Wenige Sekunden später, in denen ich mich mit meinem Koffer durch die Menschen kämpfen musste, stand sie dann endlich vor mir: meine deutsche Familie. Sofort wurde ich von unserem neuen Familienmitglied begrüßt, der kleinen Straßenhündin „Hera“ aus Spanien, die meine Eltern kurz vor meiner Ankunft adoptiert hatten und mir damit einen riesengroßen Herzenswunsch erfüllt haben. Wir lagen uns alle lange in den Armen und lachten und weinten zugleich. Nach der Begrüßungszeremonie ging es dann gleich nach Hause nach Ludwigshafen, völlig erschossen hatte ich zunächst nur Augen für Hera…

Die ersten Tage nach der Rückkehr waren sehr gewöhnungsbedürftig: Andere Zeitrechnung, andere Familien, andere Regeln, andere Kultur… Kulturschock (rückwärts)! Am Tag nach meiner Ankunft war ein Willkommensfest im kleinem Kreise für mich organisiert. Man hatte den Tag gefüllt mit zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen: Zunächst ging es in den Bürstadter-Wald im Kreis Bergstraße im Norden der Region zum Geo-Caching, anschließend genoss man den wunderschönen Sommer-Nachmittag im Garten bei Gesellschaftsspielen und einer leckeren Kuchentafel. Eine Woche später ging es dann schon in den Urlaub nach Österreich ins Zillertal. Die selbe Truppe, das gleiche Programm: Wandern, spielen und vor allem in der Gemeinschaft viel Spaß haben! Die Sommerferien vergingen viel zu schnell. Nach und nach fühlte ich mich immer wohler in meinem deutschen Zuhause. Mit der Schule begann auch wieder das Handballspielen und damit der gewohnte Wochenablauf, den ich schon gut aus der Zeit vor meinem Auslandsjahr kannte…

Mittlerweile bin ich schon wieder einige Monate in Deutschland, ein neues Jahr hat begonnen, die Weihnachtsferien liegen schon wieder hinter mir und das Jahr in Panama kommt einem schon wieder so fern vor. Trotzdem sitze ich gerne in freien Momenten einfach nur da und erinnere mich an die guten und weniger guten Zeiten dort; die vielen Momente, die ich nie vergessen werde! Nicht nur, weil man dort Unglaubliches erlebt hatte, nein, manchmal waren die schönsten Tage auch einfach die, an denen man mit seinen Freunden im Klassensaal saß und zusammen Unsinn machte.

Mein Auslandsjahr war für mich eine ganz besondere Erfahrung, es gab Höhen und Tiefen. Auch, wenn sich manchmal die unangenehmen Momente häuften, ich habe es nie bereut in dieses Abenteuerjahr gestartet zu sein. Ich habe unglaublich viele neue Freunde gefunden, nicht nur aus Panama, sondern aus aller Welt! Ich habe eine zweite Familie gefunden, eine neue Sprache gelernt und mich in einer fremden Kultur zurechtgefunden und eingelebt. All diese Aspekte und die vielen erlebten Reisen lassen einen manche schwarzen Momente schnell vergessen. Deswegen möchte ich jedem, der Interesse hat ins Ausland zu gehen, dieses Abenteuer wärmstens ans Herz legen. Es ist eine einmalige Erfahrung, die am Ende nur Gutes mit sich bringt. Lasst euch einfach darauf ein!

Wichtig ist, dass man nie vergisst, wem man dieses Abenteuer zu verdanken hat: AFS hat einen super Job geleistet, hat uns Bewerber in die Zielländer vermittelt, unseren Austausch organisiert und alle Austauschschüler mit drei tollen Vorbereitungsseminaren optimal auf das Auslandsjahr eingestellt. Mein besonderer Dank gilt hier Christine Eberle und Ise Ellerbrock aus dem Komitee Südpfalz!

Nicht nur AFS-Deutschland war wichtig, sondern auch AFS-Panama: Die Camps in Panamá City haben viel Spaß gemacht und die Gemeinschaft aller Austauschschüler vor Ort enorm gestärkt. Vor allem meine Betreuerin in La Concepcion, Lyly Troetsch, war und ist mir unglaublich wichtig. Sie war war in den letzten Monaten meine Gast-Mama, hat mir aber auch während des gesamten Jahres bei allen Problemen vor Ort immer weitergeholfen. Für unser AFS-Komitee in Bugaba hat sie tolle Reisen organisiert und egal, wie beschäftigt sie an manchen Tagen auch war, Lyly hat sich immer die nötige Zeit für uns genommen. AFS ist seither für mich nicht mehr nur eine Organisation, es ist für mich wie eine Familie, sowohl AFS-Panama, als auch AFS-Deutschland. Vielen Dank dafür!

Besonders bedanken möchte ich mich auf diesem Wege für das Stipendium „Junge Botschafter Rhein-Neckar“ von SAP SE und der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH. Es hat mir viel Spaß gemacht diesen Blog zu schreiben. Es war immer schön, sich beim Schreiben und Auswählen der Bilder an die verschiedenen Abenteuer zu erinnern und diese Revue passieren zu lassen. Vielen Dank für alle Blog-Veröffentlichungen, lieber Herr Peter Limbacher! Alle Blog-Leser bitte ich um Nachsicht: Bitte tragt es mir nicht nach, dass manche Berichte von mir erst viel zu spät eingereicht wurden.

Als Jung-Botschafterin durfte ich in Panama stolz meine deutsche Heimat vertreten. Oft habe ich von der Metropolregion Rhein-Neckar berichtet und gerne meinen Vortrag dazu gehalten. Vielen Dank für alle Materialien, die man mir zur Verfügung gestellt hat. Mein Dank richtet sich insbesondere an das Unternehmen SAP für die großzügige finanzielle Unterstützung, die mit dem Stipendium verbunden ist, und für die tollen, informativen Treffen vor und nach meinem Auslandsjahr.

Auch meinen deutschen Eltern möchte ich Dank aussprechen: Ihr habt mich immer ermuntert, jederzeit unterstützt und - last but not least - dieses Abenteuerjahr zum großen Teil finanziell getragen: Tausend Dank!

Ihr alle habt mein Auslandsjahr zu dem Besonderen gemacht, was es war. Darüber bin ich sehr froh und dankbar. Mein Panama-Blog endet hiermit. Es ist sehr schön zu wissen, dass er weiterhin bestehen bleibt. Dieser Blog ist somit auch für mich zur eigenen Erinnerungsquelle geworden, gerne rufe ich ihn zwischendurch auf. Vielleicht reiche ich in ferner Zukunft einen Eintrag ein, um euch mitzuteilen, wie mein Auslandsjahr langfristig mein Leben verändert hat. Bis dahin chau! Eure Luca