16.2.2016

Bericht #3

Neues Semester Und schon wieder ist ein Monat in den Carolinas verstrichen. Und langsam macht sich auch der Winter bemerkbar. Die Temperaturen waren schon unter 20 Grad Fahrenheit. Das sind ungefähr minus 7 Grad Celsius. An was man sich in den USA auch sehr schnell gewöhnen muss, ist das nichts in den üblichen Einheiten gemessen wird. Es sind nicht Meter, sondern Meilen und Yards, es sind nicht Kilo sondern Pfund und so weiter. Als ich einige Klassenkameraden fragte, warum man nicht die Einheiten nutzt, die fast die ganze Welt nutzt, sagten diese nur: „Aber dann wären wir ja nicht mehr besonders!“. Aber ich habe mich an das große Ego der Amerikaner schon gewöhnt.

Aber nun zu wichtigerem. Mit diesem neuen Monat gab es nicht nur einen Temperaturwechsel: In der Schule begann ein neues Semester, was bedeutet, dass ich wieder neue Fächer für ein halbes Jahr bekomme. Folgende habe ich mir für mein zweites Halbjahr ausgesucht: American History (II), Sports & Entertainment Marketing, Weightlifting und Englisch. Bei Englisch hatte ich einige Bedenken, da ich glaubte es sei hier vielleicht viel schwerer als in Deutschland. Aber wie sich herausstellte, ist es nicht so viel schwerer im Unterschied zum Englischunterricht „back home“. Bevor ich mich aber an meinen neuen Stundenplan gewöhnen konnte, gab es eine große Überraschung.

Nach der ersten Woche im neuen Semester wurde vor dem großen Blizzard gewarnt. Der Blizzard kam dann auch –, aber nicht zu uns. Wir sind zu weit im Süden. Am heftigsten traf der Blizzard Washington D.C. Wir hatten nur Schnee. Und das ist ein großes Problem in den Carolinas! Auch wenn nur eine Schneeflocke auf die Straße fällt, werden sofort alle Schulen geschlossen und keiner verlässt mehr das Haus. Und auch wenn der Blizzard bei uns nicht so heftig war, so brachte er doch gut einen Fuß (>30cm) Schnee. Ihr könnt euch also vorstellen, was hier los war. Die Schule war von Freitag bis Mittwoch geschlossen! Allerdings müssen wir, wenn die Schneetage überwiegen, einige Tage nachholen. Das könnte dann auch an einem Samstag sein. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.

Auch im Schulsport gibt es Veränderungen: Die Basketballsaison neigt sich dem Ende zu. Unsere Bilanz ist nicht so gut, aber ich hatte trotzdem viel Spaß. Alle der anderen 11 Spieler sind jetzt sehr gute Freunde von mir und ich hoffe, dass das auch so bleibt! Ich bin aber auch bereit, nun meinen dritten und letzten Sport anzutreten: Leichtathletik.
 

Austausch während des Austauschs

Anfang Februar fand das Caldwell-County-Wochenende statt. Ein County kann man als Schulbezirk bezeichnen. Mein Schulbezirk ist Catawba und ist benachbart mit Caldwell County. Caldwell County veranstaltet jedes Jahr ein Wochenende für die Austauschschüler aus den benachbarten Countys. Jeder Gastschüler aus einem benachbarten County bekommt auch eine neue Gastfamilie für das Wochenende. Das verwirrte meine Mutter in Deutschland, denn sie erhielt eine E-Mail von meiner neuen Gastmutter, bevor ich ihr erklären konnte, was hier passierte. Die Austauschschüler aus einem benachbartem County besuchen für einen Tag eine andere Schule. Dort bekamen wir dann einem „Stundenplan“.

In jeder Klasse, die wir besuchten, erzählten wir ein bisschen über unser Heimatland. Wenn dann noch Zeit war, konnten die Schüler noch Fragen stellen. Eine meiner Stunden, war der Deutschunterricht. Ich unterhielt mich ein bisschen mit dem Lehrer und fand heraus, dass er aus Karlsruhe stammt und sich als Student entschlossen hatte in die Vereinigten Staaten zu ziehen. Als ich ihm sagte, wo ich lebte, antwortete er nur: „Die Welt ist ein Dorf!“

Nach dem die Schule zu Ende war, hatten wir einige Stunden Freizeit. Um 18 Uhr gingen wir dann zu Bo`s,  eine Spielhalle. Dort gab es alles, von Lasertag über Bowling bis hin zu den klassischen Rennspielen und Spielautomaten. Mir wurde gesagt, dass es früher fast in jeder Mall eine sogenannte „Arcade hall“ gab. Man traf sich in diesen, meistens am Wochenende. Nun gibt es aber nur noch wenige. Als wir uns ausgetobt hatten, war ich nur noch fähig in mein Bett im Haus meiner neuen Gastfamilie zu fallen.

Ich hatte den Schlaf bitter nötig, denn am Samstag fuhren wir snowtuben in den nahen Bergen. Snowtubing ist wie Schlitten fahren, aber man fährt nicht auf einem Schlitten, sondern auf einer Art Schwimmring. An diesem Wochenende war es sogar in den Bergen zu warm für Schnee. Zu unserem Glück war die Strecke aber mit Fabrikschnee ausgestattet. Am Nachmittag verließen wir die Piste und fuhren wieder zurück zu unseren Familien. Das Programm für den Tag war aber noch nicht zu Ende. AFS hatte noch eine Party im Caldwell Community College geplant. Diese begann um 21 Uhr und ging bis Mitternacht. Auf der Party gab es Snackfood, Billard, Dart und sogar einen Live-DJ, (da ich aber nicht der begabteste Tänzer bin, vergnügte ich mich eher mit Dart und Billard.)

Wie das Wochenende ging die Party auch viel zu schnell rum und ich schlief das letzte Mal in dem Haus meiner neuen Gastfamilie. Am Sonntag stand nur noch ein Lunch mit allen Austauschschülern und ihren Familien an. Es wurden viele Nummern ausgetauscht und Bilder gemacht. Hier ist auch eins mit den zwei anderen Austauschschülern aus Deutschland, die in meinem Bezirk leben.

Superspektakel Superbowl

Dieses Wochenende war aber nicht nur für mich besonders, sondern auch für jeden NFL-Fan in der Welt. Den an diesem Sonntag (7.2.) war der Termin für das wahrscheinlich größte Sportevent in den Vereinigten Staaten: der Superbowl!

Wusstet ihr, dass nur an Thanksgiving mehr Lebensmittel konsumiert werden? Ich weiß dass, weil wir in Sports & Entertainment Marketing einen Vortrag über den Superbowl halten mussten. Wusstet ihr auch, dass die kalifornische Stadt Santa Clara (wo das Spiel dieses Jahr ausgetragen wurde) über das Wochenende vermutlich über 2 Milliarden Dollar eingestrichen hat? Ja, man kann schon sagen, dass der Superbowl eine der größten Marketing-Chancen ist. 30 Sekunden Werbung während des Spiels kosteten diesmal 4,5 Millionen Dollar. Aber genug von den Wirtschaftsfakten und zu dem sportlichen.

Die 50. Austragung des Superbowl bestritten die Denver Broncos und die Carolina Panthers. Für die, die es nicht wissen, die Carolina Panthers sind in Charlotte, North Carolina, beheimatet, also nicht zu weit weg von mir. Logischerweise waren hier dann viele Leute „auf einmal“ Panthers-Fans. Das nennt man hier „to jump on the bandwagon“. Viele wussten nicht, warum man „Bahnwaggon“ sagt, aber es entspricht der gleichen Bedeutung der deutschen Redewendung „auf einen fahrenden Zug aufspringen“. Ich persönlich war schon vor meinem Auslandsjahr ein Fan der Seattle Seahawks (– kein anderes Football-Team könnte also geografisch weiter entfernt sein). Diese wurden jedoch in den Playoffs von den Carolina Panthers aus dem Rennen gekickt. Also war für mich klar, dass die Panthers verlieren mussten! Was sie dann auch taten. Der Endstand des Spiels war 10:24 für Denver.

Am Montag sah ich dann Leute mit einem Denver-Shirt und ich war mir ziemlich sicher, dass dieselben am Freitag zuvor noch ein Carolina Panthers Shirt getragen hatten. Mir wurde aber versichert, dass es jedes Jahr solche Leute gibt, die sich im Nachhinein auf die Seite des Siegers schlagen.

Ich kann es immer noch nicht fassen, dass schon mehr als die Hälfte meines Auslandsjahres vorbei ist. Mit jedem Tag rückt meine Abreise im Juni näher. Für jeden der plant auch ein Jahr im Ausland zu verbringen, kann ich nur den Tipp geben: Nutzt jede Möglichkeit, um etwas zu unternehmen! Denn wenn ihr wieder zurück in der Heimat seid, wünscht ihr euch ihr hättet die Chance genutzt. Bis zum nächsten Monat. Daniel