22.3.2016

Bericht #4

Neues aus den Carolinas

Und schon wieder ist meine Abreise im Juni einen Monat näher gerückt. Langsam höre ich die Frage, „When do you fly back?“, immer öfter. Es ist schon komisch, denn bevor ich meinen Flug Richtung USA antrat, dachte ich immer, dass ein Jahr eine lange Zeit ist. Aber offensichtlich habe ich mich getäuscht. Oft werde ich gefragt, wie ich darüber denke wieder nach Hause zu gehen. Ich antworte immer, dass ich gespalten bin. Einerseits vermisse ich mein zu Hause, meine Familie und meine Freunde. Andererseits habe ich hier aber auch eine neue Familie, neue Freunde und auch ein neues zu Hause gefunden. An der Midstayorientation wurde uns gesagt, dass die Abreise das Schwerste des gesamten Auslandsjahres ist. Aber ich habe ja noch etwas mehr als drei Monate und die will ich auch nutzen.

Nun, wie ich im letzten Eintrag schon beschrieben habe, neigt sich die Basketballsaison dem Ende zu. Traditionell werden während jedes letzten Heimspiels die Seniors geehrt. Das wird auch „Seniornight“ genannt. Unsere Seniornight war im Rahmen des letzten Spiels der regulären Saison. Unser Team war aber ziemlich jung, also wurden nur zwei Seniors geehrt. Wir gewannen dann auch unser letztes Spiel. Nach der regulären Saison gibt es ein Conference-Turnier. Wer dieses Turnier gewinnt, geht automatisch in die Playoffs. Unser Team wurde aber in der ersten Runde aus dem Turnier geschickt.

Nun, da die Basketballsaison vorbei ist, beginne ich mit meinem dritten und letzten Sport: Leichtathletik. Das erste „Meet“ fand am 3. März statt. In den ersten Wochen zeichnet sich dann erst ab, in welcher Disziplin man antritt. Im Moment trainiere ich für die Mitteldistanz. Da das Training ziemlich kurz ist im Vergleich zu Basketball, habe ich mehr Freizeit als zuvor. Die nutze ich, um mich mit meinen Freunden zu treffen.

Nun wende ich mich einem Thema zu, dass ich hier in den USA nur mit Vorsicht angehe. Die Vorwahlen für den Präsidentenkandidat. Der wahrscheinlich meist gesprochene Name, wenn es um diese Wahlen geht ist Donald Trump. Er ist einer der repuplikanischen Kandidaten. Seine Ansichten und seine Vorschläge, wie er dieses Land wieder „stark“ machen will, sind meistens radikal oder es sind überhaupt keine richtigen Vorschläge. Der Einzige aus meiner Gasfamilie, der mit Trump sympathisiert, ist mein Gastbruder. Er brachte mich dazu ein Video von Trumps Wahlkampagne anzuschauen. Ich musste leider feststellen, dass er in dieser Rede nicht einmal erwähnt hatte, wie er seine „Ideen“ in die Realität umsetzen will. Er spricht nur davon, wie alle profitieren würden, wenn er Präsident wäre. Meistens wird dann noch eine berühmte Person auf die Bühne gerufen, die dann noch einmal sagt, was für ein guter Mann er doch sei und so weiter.

Ich dachte, dass alle Amerikaner im „Trumpfieber“ sind. Ich habe herausgefunden, dass viele Bürger einfach nur noch genervt von ihm sind. Aber da sie finden, dass alle anderen Kandidaten noch schlechter sind als er, bleibt ihnen aus ihrer Sicht nichts anderes übrig als für ihn zu stimmen. Der demokratische Kandidat, den (neben Hillary Clinton) die meisten kennen, ist Bernie Sanders. Er ist aber auch in die Kritik geraten, da er vor laufender Kamera über Trump hergezogen ist. Aber nicht nur ein kleines bisschen, sondern er beleidigte ihn auf gröbste Weise. Viele tendieren nun zum Republikaner Marco Rubio. Aber ich glaube, die Wahlen werden bis zum Ende ein offenes Rennen sein.

Nun wieder zu mir. In der letzten Woche wurde die Schule während der dritten Klassenstunde evakuiert. Die Schulleitung hatte eine Bombenwarnung erhalten und die Countyleitung hatte eine Tornadowarnung für das ganze County durchgegeben. Wir mussten uns also alle zu der Middleschool begeben. Die Middleschool ist einen Fußmarsch von ca. 5 Minuten von meiner Highschool entfernt. Als wir uns alle in der Turnhalle der Middleschool versammelt hatten, klärte unser Direktor uns über die Situation auf. Wir mussten uns dann alle in den Schulfluren verteilen und uns mit dem Kopf gegen die Wand hinknien. Ich fand heraus, dass das die Position ist, die man bei einem Tornado einnehmen muss. Viele fragten mich, ob Tornadowarnungen auch in Deutschland üblich seien und viele reagierten verblüfft, als ich erklärte, dass das meine erste Tornadowarnung war. Nun kann ich das auch von meiner Checkliste abhaken!

Wie ich euch oben schon gesagt habe, ist mein dritter Sport Leichtathletik. Die Saison fängt im März an und ich war ein bisschen nervös, weil unser erstes „Meet“ in dem Stadion meiner Schule stattgefunden hat. Meine erste Disziplin war die 4 x 800m Staffel. Das war auch die erste Disziplin des Meets. Meine Staffel konnte den 3. Platz erringen. Danach war meine nächste Disziplin Hochsprung. In Hochsprung teilte ich mir den 2. Platz mit meinem Teamkollegen Aqui Thompson. Meine finale Disziplin waren die 800m Einzel. Dort ergatterte ich den 4. Platz mit einer Zeit von 2:30 min. In der Teamwertung erreichten wir den 2. Platz, was ziemlich gut ist, sodass unsere Trainer auch überglücklich waren.

Aber nicht nur der Highschoolsport war in diesem Monat ereignisreich, sondern auch im Collegesport ging es ordentlich rund, denn es war wieder Zeit für die „March Madness“. Wie der Name schon verrät, findet dieses Event im März statt. Es ist ein großes Basketballturnier, an dem insgesamt 68 Collegeteams teilnehmen. Sie spielen um den Titel des besten Teams in den USA. Der Name Madness kommt wahrscheinlich davon, dass so viele Spiele auf einmal stattfinden. Eine Tradition ist, dass jeder seine eigene Tabelle über den Verlauf des Turniers erstellt. Wenn man das große Glück hat und jede Begegnung richtig voraussagt, hat man die Chance 1 Million Dollar zu gewinnen.

Das war es dann auch schon wieder von mir. Ich halte euch mit meinem nächsten Blogg auf dem Laufenden. Viele Grüße Daniel