2.11.2015

Bericht #3

Oy! Hier bin ich wieder! Also erstmal: Ich bin in die Nachbarstadt Santa Rosa gezogen. Meine alte Gastfamilie wollte nächstes Jahr im Juli nach Brunei ziehen und hat es kurzerhand auf diesen Oktober vorverlegt. Das hieß für mich: neue Gastfamilie suchen, Kofferpacken und schnell raus aus dem Haus. Ich muss ehrlich sagen, dass der Abschied nach ca. 2 Monaten nicht ganz schwer war, obwohl ich meine Gastfamilie mochte.

Jetzt lebe ich also in Santa Rosa, zwischen zwei großen Malls und mit Ausblick auf Natur und Reisfelder. Meine Familie besteht aus Meiner Mama Amy (36), meinen zwei Brüdern Prince (8) und Aidan (9) und meinen zwei Schwestern Dhea (17) und Chuchay (4). Ich teile mir ein kleines Zimmer mit meiner Schwester Dhea.  Ich fühle mich hier sehr wohl, und es hat natürlich auch etwas Positives, da ich Einblick in zwei völlig unterschiedliche philippinische Familien bekommen habe. Was auch cool ist: Ich werde von meinen jüngeren Geschwistern „Ate Vina“ genannt. J Wobei Kuya (großer Bruder) und Ate (große Schwester) nicht nur zuhause, sondern auch gegenüber jedem, der älter ist als man selbst, benutzt wird. (abgesehen von Businessleuten und Lehrern, da wird natürlich auf Sir und Ma’am umgestiegen).

Da meine Mutter Lehrerin an meiner Schule ist, hat sich mein Schultag um 1-2 Stunden verlängert, weil wir nach Schulschluss immer zusammen nach Hause fahren. Es ist bekannt, dass Lehrer in den Philippinen immer länger in der Schule bleiben, deshalb wird der internationale „ Teachers Day“ hier groß gefeiert. Jede Klasse bereitet für ihren Lehrer eine PowerPoint Präsentation vor. Der Klassenraum wird bunt mit Selbstgebasteltem geschmückt und die Lehrer bekommen sogar Kuchen und Geschenke. Da Essen einen hohen Stellenwert hier einnimmt, gab es auch für die Schüler Mittagessen vom Fastfood Restaurant. J

Letzten Samstag war meine Familie auf eine Geburtstagsfeier mit Übernachtung eingeladen. Da es in der Nachbarstadt Calamba war, sind wir mit einem Van mit acht Sitzen hingefahren. Mit 13 Leuten. :D Bei der Zimmerverteilung war es ähnlich: 10 Leute, 4 Betten, keine Kissen und Decken. Und auf ein Motorrad passen nach philippinischen Standards 4 anstatt 2 Leute drauf.

In den Philippinen dreht sich wie erwähnt für Studenten sehr viel um die Schule. So war zum Beispiel die Eröffnung des Sportfestes, auch „Intrams“ genannt, an einem Samstagmorgen um 6 Uhr. Um 8 Uhr fing die Eröffnungsparade an, wo die Schulkapelle zusammen mit allen Schülern/innen der Highschool um den Campus gelaufen ist. Man war in vier verschiedene Teams (Blau, Gelb, Grün, Rot) eingeteilt und jedes hatte seine eigenen Shorts und T-Shirts in der jeweiligen Farbe. Am Nachmittag wurde von jedem Team ein Cheerdance präsentiert, für den vorher am meisten geübt wurde. Von Montag bis Donnerstag wurde in verschiedenen Sportarten, meine war Basketball, gegeneinander gespielt und natürlich gab es keinen Unterricht. Donnerstags Abend von 18-22 Uhr fand als Abschluss der Intrams der Victory Ball statt, wo der „Over All Champion“ bekanntgegeben wurde, kostenlose Burger und Getränke an alle verteilt wurden, und zu dröhnend lauter Musik, dass einem die Ohren hätten abfallen können, getanzt wurde. :D

Die Weihnachtszeit startet hier ungewöhnlich früh, nämlich in den „Ber“-Monaten, also ab September. Und wirklich, ich konnte es nicht glauben! Überall, besonders in den Malls, hört man Weihnachtslieder und sieht Weihnachtsdekoration. In den Straßen werden bunte Lichter und Weihnachtssterne verkauft. Man kommt schon richtig in Weihnachtsstimmung! 

Halloween wird in den Philippinen etwas anders gefeiert: Man geht am 31. Oktober nachmittags oder abends mit der ganzen Familie und viel Essen, Trinken und Decken im Gepäck auf den Friedhof zum Grab seiner Verwandten, Familie etc. Es ist wie eine Art Picknick, so wie alle neben dem Grab sitzen: Kerzen angezündet, essen, trinken, erzählen, schlafen, lachen oder einfach nur in den Himmel schauen. Der Friedhof ist groß, weil manche Gräber richtige kleine Häuser sind, wenn die Familie reich ist. Verkleidet ist niemand und Süßigkeiten gibt es auch nicht zu verteilen. Man feiert Halloween als „Tag der Toten“. Und man darf ja nicht auf ein Grab treten! Manchmal kann man sie nicht sehen, weil es glatte Steine im Boden sind, die nicht herausragen. Ich war also mit meiner Familie am Grab der Urgroßoma, es ist dunkel und man sieht ganz viele Menschen in Gruppen und Kerzen auf dem Friedhof verteilt. Verschiedene Buden und Stände verkaufen Essen. Es ähnelt einem Frühjahrsmarkt, es gab sogar eine Magicshow, eine Geisterbahn und ein Feuerwerk. Manche „campen“ dort auch, meine Familie und ich sind nur bis 1 Uhr nachts dort geblieben.

So, das war’s für jetzt. Ach, und für die Philippinen empfehle ich auf jeden Fall Anti-Läuse-Mittel und einen warmen Pulli im Koffer! :D Bis zum nächsten Mal J Eure Davina