1.5.2016

Bericht #6

Halli Hallo!

Ich habe mein Austauschjahr in den Philippinen verbracht und bin jetzt seit ca. zweieinhalb  Monaten wieder in Deutschland. Erstmal möchte ich mich gerne bei meinen Eltern, AFS und vor allem meinen Stipendiengebern, SAP und MRN GmbH, bedanken, die es mir ermöglicht haben dieses Austauschprogramm zu machen. Dadurch konnte ich meinen Traum erfüllen in die Ferne zu reisen.

Viele ehemalige Austauschschüler erzählen überwiegend Positives und dass dieses Austauschjahr das Beste in ihrem Leben war. Das kann auch daran liegen, dass man sich meistens positiver an eine Situation zurückerinnert, als sie eigentlich passiert ist. Oder es gibt einfach Austauschschüler, die ein tolles Austauschjahr hatten und viel erlebt haben und vielleicht sogar viel gereist sind. Ich will ganz ehrlich sein. Dieses Jahr war nicht das beste meines Lebens. Wobei ich sehr betonen muss, dass es das lehrreichste Jahr meines Lebens war!

Wenn man in ein fremdes Land und eine andere Community kommt, sind Probleme und innerliche Kämpfe programmiert. Etwas verändert sich. Und wenn man sich anpasst, verändert man sich auch. Ich habe so viel in diesem Jahr gelernt, dass ich noch immer nicht ganz hier angekommen bin und ganz realisiert habe, was ich alles gelernt habe. Als ich am Frankfurter Flughafen ankam und meine Eltern umarmen konnte, fühlte es sich so unreal an. Als wäre das alles ein Traum gewesen. Eine Blase, die einfach zerplatzt. Jetzt war es vorbei, ich war wieder zuhause.

Und ich muss Euch sagen, das war das allererste Mal, dass ich die Straßen, Bäume und was man sonst noch aus dem Autofenster aus sehen konnte genauestens gemustert habe. Ich klebte förmlich an der Autoscheibe, ich wusste gar nicht wohin ich schauen sollte. Alles sah so vertraut und doch so neu und fremd aus (und irgendwie auch kahl und grau). Und auch heute noch gucke ich immer wieder um mich und denke dabei, wie schön doch die Welt sein kann.
 

 

 

Das mit dem Ankommen ist so eine Sache. Ich bin zwar körperlich ganz da, aber psychisch bin ich noch nicht angekommen. Ich denke viel an mein Leben in den Philippinen zurück und meine Familie, mit der ich regelmäßig Kontakt habe. Eingewöhnen kann auch ganz schön schwierig sein. Die ersten Wochen zurück bin ich immer wieder ins Englische verfallen, besonders morgens nach dem Aufstehen. Und Messer am Essenstisch sahen auch erstmal fehl am Platz aus. :D

Das philippinische Essen vermisse ich total und auch die philippinische Badnutzung habe ich teilweise beibehalten. Es ist so wahr, dass Sonne uns Menschen glücklich macht. Geschockt war ich, als mich ein Busfahrer anschnauzte: Weil ich nicht wusste, dass man ihm das Geld nicht in die Hand drückt sondern auf eine kleine Ablage vor ihm in kleine Schlitze steckt. Da dachte ich mir erstmal: „Wow, in Deutschland sind die Menschen aber launisch!“, aber zum Ausgleich bin ich auch einem netten Busfahrer begegnet.  :D

Mir ist vieles erst klar geworden, als ich wieder zurückkam. Wir haben es sehr gut hier. Fließendes Wasser (selbst das Wasser in der Dusche ist Trinkwasser!), Strom, schnelles Internet, immer genug zu essen, Kleidung, eine sehr gute Schulbildung mit Zukunftsperspektive und ein Dach über dem Kopf. Unsere körperlichen Grundbedürfnisse sind abgedeckt, wir leben also in unserer Komfortzone. Aber leider wissen viele das erst, wenn sie diese Komfortzone verlassen und das passiert selten.

Und es gibt etwas, das viele von uns nicht haben: Happiness. Damit sind die Filipinos meiner Meinung nach reich beschenkt. Sie sind glücklich, egal wie ihr Leben läuft. Sie machen sich nicht so viele Sorgen und leben einfach ihr Leben; Stress kennen sie gar nicht. Wir leben mehr oder weniger oft an unserem Leben vorbei und stellen Dinge an die erste Stelle, die eigentlich gar nicht dort hingehören sollten. Außerhalb von Deutschland ist mir klar geworden, was mir wirklich wichtig ist im Leben. Das war das lehrreichste Jahr in meinem jetzigen Leben. Ich bin über mich hinausgewachsen und kann mehr Dinge nachvollziehen. So ein Auslandsjahr bringt Herausforderungen, Trauer und Freude mit sich. Es ist eine unglaubliche Erfahrung, die ich nicht wirklich in Worte fassen kann. Ich habe Deutschland schätzen und lieben gelernt. Und auch die Philippinen werden immer eine zweite Heimat in meinem Herzen sein. *mahal ko ang Pilipinas!*

Ich hoffe, ich konnte Euch meine Erlebnisse gut schildern und Ihr konntet etwas von der philippinischen Kultur kennenlernen. J

Dankeschön, salamat po!

Eure Davina