10.9.2018

Bericht #1 - Welcome to Chicago, USA

Hallo Metropolregion Rhein-Neckar.

Ich bin Elif und seit dem 8.8.18 in der drittgrößten Stadt der USA: Chicago. Nur habe ich bis jetzt noch nicht viel von Chicago gesehen, da wir am 14.08. mit dem Zug 25 Stunden nach Montana gefahren sind und ich davor mit meiner Gastschwester an einem Musikcamp teilnahm. Das Camp ging 5 Tage, aber ich konnte nur die letzten 2 Tage dabei sein. Es war ziemlich spontan, denn meine Gastmutter wusste, dass ich Gitarre spiele und hatte vorher gefragt, ob ich mitmachen kann, wenn ich komme. Sonst hätte ich mich langweilen müssen.

Also durfte ich bereits 1 Tag nach meiner Ankunft 8 Stunden lang Gitarre spielen und 4 neue Lieder lernen. Mit dem Jetlag in den Knochen war das ziemlich anstrengend, aber am Ende hat es sich gelohnt, denn es war ein Orchester mit Jugendlichen, die alle großes Talent haben. Meine Gastschwester ist gerade mal 11 Jahre alt und spielt schon Cello. Dieses Musikcamp wurde von “Nat King Cole-Generation hope, Inc” gesponsert. Nat King Cole war ein großartiger Musiker und seine letzten noch lebenden Töchter haben diese Stiftung gegründet, um in seinem Namen Kinder mit Talent zu unterstützen. Zu unserem Auftritt kamen natürlich auch die Stifterinnen, Timolin und Casey Cole. Sie hielten eine Rede und wir machten Bilder zusammen. Es war echt schön zu sehen, was Kinder in 5 Tagen auf die Beine stellen können. Jeder war begeistert und für mich war es gleich zum Auftakt meines Aufenthalts eine schöne Erfahrung.

Kurz darauf ging es auch schon los nach Montana. Wir nahmen viel Essen, Trinken und Spiele mit, denn wir hatten sehr viel Zeit, auch um uns besser kennenzulernen. Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter Merrick und ihrer Tochter Ashya. Doch diese zwei sind großartig und wahrscheinlich das Beste, was mir passieren konnte. Sie sind witzig verrückt und haben mich direkt in ihre Familie aufgenommen. Meine Gastschwester ist zwar wie gesagt erst 11 Jahre alt, aber sie wirkt viel älter. Ich denke, das kommt auch daher, dass sie seit fünf Jahren Diabetes (Typ 1) hat. Sie hat eine Pumpe an ihrem Arm und eine App auf ihrem Handy, mit der sie alles managen kann. Ihre Mutter hat eine Uhr, die ihr anzeigt wie hoch ihr Blutzuckerspiegel ist und sie hat sogar eine Krankenschwester, die während der Schulzeit auf sie aufpasst. Das ist wirklich ein großes Ding und ich habe auch schon viel darüber gelernt. Aber worauf ich hinaus wollte war: Wir verstehen uns richtig gut und es kommt mir so vor, als wären wir wirklich verwandt.

Die Zugfahrt war echt lustig, wir spielten zusammen, machten viel Quatsch und lachten eine Menge. Als wir in Havre, Montana, ankamen, holte ihre Oma uns ab und brachte uns zu einer Schwester meiner Gastmutter. Sie wohnt ziemlich weit draußen auf dem Land und hat dort ihre Ranch. Ich lernte noch viele ihrer anderen Schwestern kennen und deren Kinder. Sie waren alle echt super lieb und ich habe mich auch mit ihnen gut verstanden. Dort durfte ich dann das erste Mal reiten! Es war super aufregend und erst hatte ich ein bisschen Angst, aber dann recht schnell “den Dreh raus” und dann hat es auch echt Spaß gemacht.

An einem Tag hat uns Ashya´s Tante abgeholt und uns zum fünf Stunden entfernten Missoula mitgenommen, für einen Drei-Tagesausflug. Dort haben wir ihre Tochter und ihre Enkelkinder besucht. Am ersten Tag sind wir zu den Lolo Hot Springs gegangen. Man dachte am Anfang es sei ein normales Schwimmbad mit 2 Becken. Das eine mit warmem Wasser und das andere mit extrem heißem. Doch es war nicht normal, denn das waren heiße Quellen, die direkt aus dem Berg kamen. Das Wasser war sehr angenehm und man konnte gut entspannen.

Am zweiten Tag wollten wir Huckleberrys sammeln gehen, das sind so kleine Beeren, die aussehen wie Heidelbeeren. Also sind wir den ganzen Weg auf den Berg gefahren, um dann festzustellen, dass es keine mehr gab oder sie noch nicht reif waren. Den Weg runter haben wir uns hinten auf die Pritsche des Pickups gesetzt und die Kleinen auf unseren Schoß genommen. Plötzlich hielten wir noch mal an, der Fahrer stieg aus und fragte, ob jemand schießen will und stellte eine Pepsi Dose als Ziel auf. Er packte seine Pistole aus und ich durfte schießen. Jeder durfte schießen, selbst das zweijährige Kind. Und da war ich sehr geschockt, dass sie sogar schon kleine Kinder sowas machen lassen.

Auf jeden Fall sind wir am letzten Tag in eine Trampolin Halle gefahren und sind danach zum Abschluss Essen gegangen. Dann hieß es verabschieden und wieder zurück nach Havre für die letzten Tage. Ich wäre gern noch länger geblieben, aber wir mussten noch ein paar Tage mit ihren anderen Schwestern verbringen. An den letzten Tagen sind wir schwimmen gegangen, haben alle zusammen gegrillt und haben ihre Mutter, also Ashya´s Oma, besucht. Wir hatten viel Spaß und die Kinder waren alle richtig verrückt, es war immer witzig mit ihnen und einmal hat ein Junge aus Versehen Elsa zu mir gesagt – von da an nannten mich alle nur noch „Elsa“. Ich denke, das wird jetzt erstmal mein Spitzname.

Am 24. August mussten wir uns dann wieder verabschieden und zurück nach Chicago fahren. Wir kamen mit drei Stunden Verspätung endlich an. Ich bin irgendwie froh wieder „Zuhause“ zu sein, aber ich hatte echt eine schöne Zeit in Montana und es ist komisch, dass ich ihre ganze Familie vielleicht nie wieder sehen werde. Die Kinder meinten zwar, sie kommen uns mal in Chicago besuchen, aber ich bin ja „nur noch“ neun Monate hier.

Ich hoffe, ihr habt einen guten ersten Eindruck von meiner Zeit in den USA bekommen. Als nächstes steht die Schule vor der Tür, bin schon sehr aufgeregt. Wie meine Schule so ist, erfahrt ihr dann beim nächsten Mal, bis bald!

Elif