16.10.2018

Bericht #2 - Gastfamilienwechsel, Schulparty u.v.m...

„Magandang umaga“ (Guten Morgen) Metropolregion Rhein-Neckar! Es ist nun schon eine Weile her, seit meinem ersten Bericht und es wird Zeit euch mal ein Update zu geben.

Kurz nachdem ich meinen ersten Bericht hier geschrieben hatte, wurde für mich eine neue Familie gefunden. Mir ging es so weit ganz gut in meiner alten Familie und ich hatte guten Kontakt zu meinen Geschwistern und Cousins. Nur leider hat meine Gastmutter nicht wirklich mit mir gesprochen und ich war die meiste Zeit nur alleine. Meine Betreuerin hat sich das ganze angeschaut und meinte dann, dass wir nach einer neuen Familie schauen, in der ich richtige philippinische Kultur erleben kann. Jetzt, im Nachhinein kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war. Ich wurde herzlich empfangen und wurde von der ersten Sekunde an, wie ein Familienmitglied angesehen. Ich wohne jetzt in Saimsim, welches ein Stadteil von Calamba ist. Mein Schulweg ist jetzt auch nur noch eine 8-minütige Tricycle Fahrt entfernt, was auch für abends besser ist, wenn ich Training habe. Seit ein paar Wochen bin ich nämlich im Basketball Varsity Team.

Circa zwei Wochen nach meinem Gastfamilienwechsel hat eine Acquaintance- Party in meiner Schule stattgefunden. Als erstes gab es eine „Miss-Wahl“ – nur mit dem ironischen Unterschied, dass es Jungs waren, die sich als Mädchen verkleideten. Danach war „Open-Mic“, was bedeutet: jeder kann etwas vorführen, wenn er was eingeübt hat. Nach einer weiteren Stunde hat es dann endlich richtig begonnen und die Band begann zu spielen. Mit jedem neuen Song wurde ganz viel Wasser über die Schüler geschüttet. Es war ein echt toller Abend. Ungefähr zwei Wochen später war ich mit einem guten Freund auf einem kleinen Konzert in Tanauan. Die meisten Lieder waren in Tagalog aber das ein oder andere kann ich auch mitsingen.

Schule an sich hier ist echt langweilig, weil man entweder nichts versteht oder den Stoff schon längst gelernt hat. Außerdem erklären die Lehrer nicht wirklich etwas, sie lesen einfach nur ihre PowerPoint Präsentation vor. Aber dafür haben wir immer wieder unsere PT´s (Performance Task), wo wir ein Theaterstück oder irgendetwas Kreatives vorführen müssen. Wie ich in Tims Blog lesen konnte, vermisst er die Schule in Deutschland. Ich hätte das nie erwartet, aber ich vermisse sie auch. Was ich während meines bisherigen Aufenthalts feststellte, ist, dass Schüler alles, auch Privates, mit ihrer Klasse und ihren Lehrern teilen. Zum Beispiel sollten wir letzte Woche ein Gedicht über unsere Depressionen schreiben. Apropos Depressionen: Filipinos neigen dazu, sich zu ritzen. Fast alle meine Mitschüler verletzen sich selbst, auch wenn es nur ganz leicht ist. Deswegen gibt es immer mal wieder ein „Open Forum“ im Klassensaal, wo jeder offen über seine Probleme reden kann. Wenn wir gerade bei der Schule sind, hier gibt es ein Tag, „Teacher´s Day“, an dem Schüler Essen und Geschenke für die Lehrer vorbereiten und anschließend werden dann Spiele gespielt.

Neben der Schule unternehme ich meistens was mit Freunden oder fahre mit meiner Tante und meinem Onkel irgendwo hin. Hier in meiner Region sind jetzt nicht so viele Sachen, wo man alleine hingehen kann, deswegen sind wir meistens in der Mall. Vor allem weil es dort auch klimatisiert ist. Da es hier viele Resorts und Strände gibt, versuchen meine Tante und Onkel immer Zeit zu finden, um mit mir dorthin zu gehen.

Nächsten Sonntag werden mein Onkel und ich wahrscheinlich an einer Spendenaktion teilnehmen… und für den Moment war es das auch mal wieder von mir. Ich versuche mir das nächste Mal nicht so viel Zeit zu lassen und hoffe euch bald Neues erzählen zu können.

Ronja