21.4.2014

Bericht #3 -Weihnachten in der Ferne

Hallo MRN,

Nun ist es schon Herbstanfang und so langsam ist wirklich die Zeit der Feste vorbei, auch wenn das hier vermutlich nie wirklich der Fall ist, da wenn es denn gebraucht, immer ein Grund zum Feiern gefunden wird. Ich hatte in meinem letzten Blog-Eintrag gesagt, dass ich über Weihnachten, Silvester und die Zeit die Feste berichten werde und das will ich jetzt hiermit nachholen.

Den Einstieg machte Weihnachten, und das ist hier etwas sehr sehr großes. Schon einige Wochen vorher sieht man überall den Weihnachtsschmuck an den Häusern leuchten. Und dieser ähnelt wirklich sehr dem deutschen, auch wenn hier vielleicht noch ein bisschen mehr Glitzer dran ist, denn bei sowas gilt immer: mehr Glitzer ist besser! Nun ja, dann geht man natürlich auch mit der Familie den Weihnachtsschmuck kaufen, und da unser Haus sehr sehr groß ist, braucht es VIEL Schmuck. Dafür gibt es dann natürlich, wie für fast alles hier, einen eigenen Laden.

Ich muss jetzt sagen, das ist wirklich komisch, wenn man in Shorts und Top rumläuft weil es über 30 Grad hat, und dann in so einen Weihnachtsladen kommt. Und dort gibt es wirklich Alles. Über Plastikbäume (in allen Farben!), Lichterketten, Weihnachtskugeln, Wichtelaufhänger und anderes. Doch am besten hat mir die Figur eines Schneemanns gefallen, der ein Schild mit dem Schriftzug „Let it snow!“ hochhielt. Hier verstehen zwar die meisten kein Englisch, aber trotzdem fand ich das ein wenig absurd.

Zuhause gab es dann in den nächsten Tagen eine riesige Hausverschönerungsaktion. Im Garten wurden Lichterketten aufgehängt und an dem Hauseingängen mit Plastikzweigen herumgewerkelt. Das sah dann am Ende doch ganz schön aus, vor allem im Dunkeln. Und anders als man vielleicht ahnt, hat man davon dann wirklich was, da besonders in der Jahresendzeit auch viele Jahresabschlussfeste stattfinden und zwar nicht tagsüber!

So ein Fest hatte eigentlich immer die gleiche Struktur. So um Zehn trudeln die Gäste ein, dann wird das Essen serviert, je nach Größe der Feier von meine Gastmutter gekocht oder jemanden Professionelles angeheuert. Danach gibt es dann eventuell noch Reden, Ankündigungen oder Ehrungen. Doch der Hauptbestandteil eines solchen Festes war eigentlich immer das Essen! Von diesen Festen hatten wir insgesamt so ca. vier oder fünf Stück, was, finde ich, schon ganz ordentlich ist, wenn das immer so zwischen 50 und 100 Personen sind.

Für Weihnachten wurde mir dann Großes angekündigt, allerdings hat man davon bis zum Nachmittag des 24.12. wirklich gar nichts gemerkt. Dann erst wurde damit angefangen die Krippe aufzubauen und alles andere vorzubereiten. Und so gegen zehn Uhr abends waren dann alle fertig herausgeputzt und die Familie meiner Gasttante kam herüber, um Mitternacht gemeinsam zu verbringen. Es wurde also erst einmal gegessen, und dann wurde Mitternacht erwartet und mit Feuerwerk begrüßt. Und nein, ich rede nicht von Silvester. Weihnachten feiert man hier einfach so wie man in Deutschland Silvester feiert. Auch beglückwünscht wurde dich gegenseitig wie zuhause an Neujahr!

Am nächsten Tag wurde dann noch mit Freunden gefeiert und es sonst recht gemütlich begangen. Einfach draußen am Pool sein und das Leben genießen. Ich würde jetzt gerne noch was neues zu Silvester sagen, doch die Unterschiede zum Weihnachtsfest sind wirklich minimalst. Es gab keine Krippe auf dem Esstisch, und alle waren in Weiß gekleidet. Das ist hier so üblich an Silvester, da Weiß die Farbe des Friedens ist und ich finde, das ist wirklich eine schöne Sache.

Als nächstes Stand dann Ende Januar/Anfang Februar unsere Reise nach Encarnación zum letzten Karnevalswochenende an. Wir sind dafür Freitagnachmittag aufgebrochen und so gegen Mitternacht in Encarnación angekommen. Und ich muss wirklich sagen, schon das war fast wie eine andere Welt, da dort alles herausgeputzt und sehr modern gemacht wurde. Das ist schön, verliert dann aber meiner Meinung nach das typisch paraguayische. Wie auch immer, wir waren dann in unserer Unterkunft und sind danach noch einmal aufgebrochen in Richtung Promenade und Karneval. Und so gegen 4 Uhr morgens nachdem man noch schön an der Promenade war, kam von irgendeinem die geniale Idee doch auf den Karneval, der sowieso bald zuende sein würde, für die Nacht zu gehen. Und so haben wir es wirklich noch mit Hilfe eines Bekannten auf Logenplätze direkt am Korso geschafft und dort die restliche Stunde des Karnesvals genossen, was für mich wirklich wie ein wahr gewordener Traum war, da man so etwas sonst doch nur in Filmen sieht. Und so entstanden dann noch Selfies mit Tänzerinnen und auch sonst wird man in der ersten Reihe gut einbezogen

Am nächsten Tag sollte es dann an den Strand gehen und wenn ich jetzt sagen würde, dass es da überfüllt war, dann wäre das noch um einiges untertrieben. Man kann sich das so vorstellen, dass gefühlt das halbe Land sich an dem Strand vereint und dann alle natürlich noch mit Liegen und Sonnenschirmen ausgestattet sich breitmachen. Zu meiner Überraschung war auch noch die Großfamilie väterlicherseits da und so hatte ich mit meiner gleichaltrigen Gastcousine wirklich gute Gesellschaft.

Gegen Abend dann haben sich so langsam alle die mitkommen wollten für den Korso bereit gemacht, zu dem wir diesmal ganz normal mit Karten und auf der Tribüne gehen wollten. Auf dem Korso sollte ich dann auch in meinen Geburstag reinfeiern, weshalb ich noch einmal aufgeregter war. Der Karneval selbst war dann wieder super, auch wenn man wenig vom Karneval mitgekriegt hat. Vielmehr war das auf der Tribüne eine riesige Schaumschlacht, da es so üblich ist mit solchen Schaumsprühern sich gegenseitig zu besprühen, was dann leicht mal in einer riesigen Schaumschlacht ausarten kann und einen dann doch ablenkt vom Karneval.

Um Mitternacht wurde ich beglückwünscht und es wurde gesungen, und najaaa das ist jetzt schwer zu beschreiben, aber dann hat die ganze Tribüne gesungen und irgendwer kam auf die geniale Idee, mir eine Schaumdusche zu verpassen und so war das dann kein großer Kampf mehr, sondern mehr so ein: „Jaaa alle auf siee!!!“. Na gut, da bin ich dann klatshnass und mit brennenden Augen, aber glücklich und lebendig wieder herausgekommen.

Am nächsten Tag wurde dann ganz typisch mein Geburtstag beganngen. Erst gab es Asado (Gegrilltes) und hinterher noch eine Geburtstagstorte und ich wurde erneut besungen. Danach sind dann alle an den Strand gefahren – und was soll ich sagen? Es war voller als am Vortag. Wenn das überhaupt noch möglich war. Meine Gastmutter hat danach gesagt, sie habe noch nie so geschwitzt wie an diesem Tag und das will schon was heißen. Den Abend haben wir dann später noch mit Lomito (wahnsinnig leckerer Hamburger oder so) ausklingen lassen. Und das war doch alles in allem wirklich ein perfekter Geburtstag.

Den Rückweg sind wir dann am nächsten Tag angetreten und Ich wurde auf dem Weg dann noch zu allem Sehenswerten gebracht, was vor allem die Jesuitenruinen waren. Mein Highlight war allerdings der Zwischenstop in einem der vielen Hängemattenläden. Jaaa, es gab viele. Auf der ganzen Strecke kommt man immer wieder in Städten vorbei die etwas ganz bestimmtes produzieren. So gab es eine Stadt in der du fast nur Bälle kaufen kannst und eben auch eine mit Hängematten. Als wir in diese gekommen sind hat mein Gastvater dann auf mein freudiges „Oh Hängematten!“ angehalten und mir eine zum Geburtstag geschenkt. Seitdem bin ich glückliche Besitzerin der schönsten Hängematte die es gibt! :D

Relativ bald hat dann auch wieder die Schule angefangen und bis auf ein paar kleine Veränderungen blieb alles wie beim alten, was mich freut, da es glaube ich gar nicht besser sein könnte. Die gleiche verrückten Leute die ihre ganze Fantasie in den Selfies festhalten die, wie schon einmal erwähnt, einen wichtigen Lebensbestandteil der Paraguayos darstellen.

Damit verabschiede ich mich jetzt und sende Grüße in die Metropolregion Rhein-Neckar aus dem zum Glück noch warmen Paraguay

Afra