20.8.2014

Bericht #1 - Meine lange Reise nach Brasilien

Hallo liebe MRN,

Nun ist es schon fast zwei Wochen her, seit meine Füße das erste Mal brasilianischen Boden berührt haben. Seitdem ist schon so viel passiert, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Doch immer der Reihe nach: Mein Abenteuer begann am 7.08.2014 am Flughafen Frankfurt und schon dort wuchs meine Aufregung und die der anderen AFS-Brasilien-Schüler ins Unermessliche. Vor uns lag nun eine insgesamt etwa 35-stündige Reise in das Land unserer Träume.

Endlich im Flugzeug, erblickte ich ein letztes Mal die Lichter Deutschlands und nahm im Stillen Abschied, jedoch wissend, dass ich nach zehneinhalb Monaten wieder zurückkehren werde. Die Aufregung und die Vorfreude auf das mir Bevorstehende ließen mich alle Bedenken und jeglichen Kummer vom Abschiednehmen vergessen.

Die zwölf Stunden unseres ersten Fluges verstrichen relativ schnell, denn trotz der ganzen Aufregung schaffte ich es, ein paar Stunden zu schlafen und mich so ein bisschen von allem zu erholen, bevor es für mich weitergehen sollte. Als der Flieger dann endlich in Sao Paulo landete waren wir alle sehr erschöpft und wollten eigentlich nur noch schlafen, doch kaum aus dem Sicherheitsbereich herausgekommen, erwarteten uns dort zahlreiche super gut gelaunte Freiwillige von AFS-Brazil, die uns sehr herzlich willkommen hießen. Anschließend brachten sie uns zum Sammelplatz von AFS, an dem schon viele andere Austauschschüler aus jeglichen Nationen auf uns warteten. Sie waren mindestens genau so aufgeregt wie wir und so hatten wir uns alle einiges zu erzählen.

Nun erfuhren wir wie lange unsere Wartezeit sein sollte, die wir “totschlagen” mussten, bis jeder seinen Anschlussflieger nehmen konnte. Ehrlich gesagt war ich daraufhin etwas geschockt, denn bei mir waren es 10 Stunden und ich hatte keine Ahnung, was ich während dieser ganzen Zeit machen sollte. Also liefen ich und einige andere AFS-er am Flughafen herum und testeten so schon unsere ersten Portugiesisch-Kenntnisse, was zugegeben echt lustig war, denn natürlich machten wir  ein paar Fehler bei der Aussprache, was im Portugiesischem manchmal fatal ist… J

 

Dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit riefen die Betreuer meinen und den Namen einiger Anderer worauf wir unser Handgepäck wieder zusammenpackten und uns auf den Weg zum Check-in-Schalter machten. Dort verabschiedeten sich dann auch die Betreuer von uns, denn ab hier sollte meine Reise ohne Sie weitergehen. Den Sonnenuntergang über den Wolken Brasiliens, den wir dann vom Flieger aus bestauenen durften, war ein sehr schöner Moment, den ich nicht so schnell vergessen werde.

Endlich in Natal angekommen, wurde ich zuerst herzlich von meinem lokalen AFS-Betreuer empfangen, der mir dann erklärte, dass meine zukünftige Heimatstadt zu weit weg sei, um noch am späten Abend  aufzubrechen.

So verbrachte ich meine erste “brasilianische” Nacht  in Natal, einer sehr schönen Stadt direkt am Meer.

Am Morgen darauf, machten mein Betreuer und ich einen Ausflug an einen der  wunderschönen Strände von Natal und er zeigte mir die typischsten Gerichte und Getränke Brasiliens, über die ich in meinem nächsten Blog Eintrag bestimmt auch etwas erzählen werde.

Am frühen Abend machte ich mich dann mit einer sehr sympathischen Italienerin, die ihr Jahr ebenfalls in meiner Stadt verbringen wird, auf den Weg dorthin. So fuhren wir eine gefühlte Ewigkeit über eine Straße, die mehr oder weniger einer Schotterpiste glich. Die Fahrt war sehr lustig, denn ca. jeden Kilometer kam eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Strasse. In Brasilien sind das einfach Straßenerhebungen, die sich über die gesamte Breite der Strasse erstrecken und bei denen es schon mal richtig rummst, wenn man eine davon übersieht. Da es dunkel war und der Fahrer nicht sehen konnte wann diese “Hügel” kamen, nahmen wir doch den ein oder anderen mit, was am Ende jedoch immer in einem Gelächter endete.

Am späten Abend erreichte ich dann endlich meine Gastfamilie, was mich einfach nur noch glücklich machte. Von ihr wurde ich schon sehnsüchtig erwartet, und so gingen wir gleich einer der wichtigsten Tätigkeiten in Brasilien nach: Essen. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass mir bis jedes Essen was man mir  gegeben hat ausgezeichnet geschmeckt hat.

 

Nun etwas zu meinem Ort in dem ich mein Jahr hier in Brasilien verbringen werde. Ich lebe in einer Stadt namens Caicó die im Bundesstaat Rio Grande do Norte liegt. Dieser ist der Nord-Östlichste Staat Brasiliens und gleichzeitig ganz Südamerikas. Caicó hat ca.60.000 Einwohner und ist für eine brasilianische Stadt relativ überschaubar, was ich aber sehr gut finde. Hier gibt es in jeder Straße mindestens ein Geschäft, indem man Açaí essen und Guaraná trinken kann. Das sind beides typisch brasilianische Nahrungsmittel, ohne die ich mir jetzt schon mein Leben inzwischen nicht mehr vorstellen könnte.

 

Außerdem ist Caicó, eine Stadt, in der man ohne sich Sorgen machen zu müssen abends vor die Tür gehen kann, um etwas mit seinen Freunden zu unternehmen. Das Einzige, an das ich mich wirklich noch gewöhnen muss, ist die enorme Hitze hier. Hier in Caicó ist es jetzt, nennen wir es mal “Winter”, und es hat durschnittlich 31,5 Grad Celsius. Ich denke jedoch, dass es wirklich kein Problem sein wird mich daran zu gewöhnen, da ich die deutsche Kälte in keiner Weise vermisse.

 

Nun noch etwas zu dem, was mich am meisten beeindruckt hat, und ich wahrscheinlich auch nie vergessen werde : Mein erster Schultag hier in Caico J Worum mich warscheinlich nicht viele in Deutschland beneiden werden, ist, dass ich meinen ersten Schultag schon drei Tage nach meiner Ankunft hier in Brasilien hatte. Jedoch muss ich sagen, dass ich das sehr gut finde, denn so blieb keine Zeit für Heimweh oder Sonstiges.

 

Nun aber wieder zurück zu meinem ersten Schultag: Die Schule beginnt hier in Brasilien schon um 7 Uhr, was für mich heißt, jeden Tag um ca. 5.30 Uhr aufzustehen, damit ich rechtzeitig in der Schule bin. Als ich so in der Schule ankam war ich die Attraktion schlecht hin: Ein Junge mit blonden Haaren und dann auch noch aus Deutschland. Ich erfuhr später, dass noch 2 andere AFS-er aus Italien mit mir zusammen in eine Klasse gehen würden. Auch die beiden Italiener waren eine sehr große Attraktion, komischerweise jedoch liefen die ganzen Schüler nur mir hinterher…  Momentan ist es noch so, dass mir alle  schreiend zu winken, sobald ich auch nur das Klassenzimmer verlasse. Im Allgemeinen werden wir 3 hier wie Stars behandelt, was uns ehrlich gesagt allen ein bisschen Angst macht, aber das wird sich sicher noch legen mit der Zeit J Auf jeden Fall werde ich diesen Schultag nie vergessen! So viel  Aufmerksamkeit zu bekommen, nur weil ich blonde Haare habe und aus Deutschland komme ist echt eine irre Erfahrung.

 

Zuletzt noch ein paar Infos über meine und die Schule im Allgemeinen: Zwar verstehe ich momentan noch nicht wirklich viel, jedoch kann ich sagen, dass das brasilianische Schulsystem hinter dem Deutschen liegt, was mir ehrlich gesagt sehr recht kommt, denn so kann ich alles, was in Deutschland zu schnell ging noch einmal wiederholen. (Sobald ich es verstehe natürlich J )

Was mich hier aber am meisten verwundert, ist der Umgang zwischen Lehrern und Schülern. Man umarmt sich, gibt seinen Lehrerinnen Küsschen, unterhält sich über den neusten Tratsch und hat einfach nur Spaß miteinander. Eine neue, völlig  andere Lernsituation für mich

Die Schüler spielen auf dem Handy, die Mädchen testen den neusten Nagelack und einige legen sich einfach direkt vor dem Lehrer auf den Boden und schlafen noch eine Runde – Ihr glaubt mir das nicht? Dann kommt und seht selbst!

Und das Beste daran ist, dass der Lehrer auch noch „gute Nacht“ sagt…

Ich kann nur sagen, dass mein Start  in Brasilien super war und ich langsam anfange, mich an mein brasilianisches Leben zu gewöhnen und beginne es zu lieben. Wie ich mein Geburtstag hier gefeiert habe erzähle ich euch nächstes Mal; also es lohnt sich immer mal wieder rein zu schauen. Eins kann ich jedoch vorwegnehmen: Es war super!

So, das war‘s erst einmal von mir, hier aus Brasilien.

Ganz viele Grüße in die MRN

Até logo ! Vejo voce em breve !

Gregor