25.9.2014

Bericht #2 - Mein Geburtstag

Ein herzliches „Oi“ in die MRN

Gut einen Monat ist es nun her, seitdem ich das letzte Mal hier aus Brasilien berichtet habe. Es ist einfach unglaublich ! Gefühlt jede Woche erlebe ich etwas, was ich so noch nie in  Deutschland erleben durfte.

Die Zeit hier vergeht so unglaublich schnell, dass ich es immer noch nicht richtig fassen kann, schon so lange hier zu sein. Es ist als wäre ich erst vor ein paar Tagen am Flughafen in São Paolo gelandet.

Nun, liebe Leute in der Rhein-Neckar-Region, möchte ich euch, wie in meinem letzten Blogeintrag bereits versprochen, etwas zu meinem Geburtstag hier in Brasilien erzählen:

Der Tag begann für mich, wie jeder andere Wochentag auch: Um 5:30 Uhr aufstehen, für die Schule fertig machen, frühstücken und gegen 6:30 Uhr aufbrechen. Von meiner Gastfamilie wurde ich an diesem Morgen sehr herzlich „empfangen“ und alle gratulierten mir unglaublich liebevoll zu meinem 16. Geburtstag. Nach diesem Morgen war ich sehr erleichtert, das alle Sorgen, meine Gastfamilie könnte meinen Geburtstag vergessen, wie vom Erdboden verschwunden waren.

Dann ging es los zur Schule und auch dort gratulierten mir alle meine Klassenkameraden so unglaublich herzlich, obwohl sie mich doch erst seit so kurzer Zeit kannten, doch ich hatte ja keine Ahnung, was meine Klassenkameraden noch alles für mich vorbereitet hatten. J

In der großen Pause liefen wir dann alle auf dem Schulhof herum und ich wurde etwas skeptisch, denn ich wunderte mich, warum ich auf dem Schulhof herumlaufen sollte und mir circa meine gesamte Klasse folgte. Schließlich sagte eine Klassenkameradin zu mir, wir müssten jetzt in das (schuleigene) Schwimmbad, weil ein Lehrer dort einen Vortrag hält. Das stimmte mich natürlich noch fröhlicher, denn so dachte ich mir, fällt endlich mal eine Stunde Unterricht aus.

So lief ich dann durch eine kleine Tür in das Schwimmbad und dort traute ich meinen Augen nicht ! Meine gesamte Klasse begann ein englisches Geburtstagslied für mich anzustimmen, während ich durch einen, durch Klassenkameraden gebildeten Gang, zu einem Kuchen geführt wurde, den eine Klassenkameradin extra für meine Geburtstagsüberraschung in der Schule gebacken hatte.

Bevor ich jedoch den Kuchen anschneiden durfte, musste ich noch einer Tradition aus meiner Stadt nachgehen: Um sich etwas wünschen zu dürfen, muss man in Caicó seinen Zeigefinger in die Mitte des Kuchens stecken und damit den Boden des Kuchenbleches berühren.

Da der Kuchen jedoch etwas grösser war, verschwand am Ende fast meine gesamte Hand im Kuchen J. Danach durfte ich dann endlich meinen Kuchen anschneiden und wir ließen die Pause bei einem gemeinsamen Kuchenessen mit einer super Stimmung ausklingen. Diese gelungene Überraschung – einfach nur toll !

Nach diesem super Schultag ging es dann wieder nach Hause. Dort entspannte ich mich ein bisschen und packte dann endlich die Geschenke aus, die mir meine Familie und Freunde aus Deutschland schon im Voraus in den Koffer gepackt hatten.

 

An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an alle meine Freunde, die mir über Facebook, Whatsapp oder per E-mail zu meinem 16. Geburtstag hier in Brasilien gratuliert haben. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut.

 

Am Abend fragte mich mein Gastbruder, ob ich nicht noch Lust hätte ein paar Dinge mit ihm zu erledigen, um ein paar neue Leute hier im Ort kennen zu lernen. Da ich nichts zu tun hatte, außer Musik zu hören, willigte ich ein und zehn Minuten später saßen wir, über Seen aus Schlaglöchern fahrend, im Auto.

 

Nach circa 20 Minuten jedoch, begann ich mich zum zweiten Mal an diesem Tag etwas zu wundern, denn es kam mir so vor, als würden wir nur ziellos durch die Stadt brettern, um Zeit zu schinden. Ich ließ mir jedoch nichts anmerken und so besuchten wir am Ende einen Polizisten, verschenkten ein paar Kekse und fuhren gefühlt über jede Schotterpiste im Ort.

 

Endlich wieder zu Hause, konnte ich mal wieder nicht fassen, was meine Augen da sahen: die nächste Überraschung des Tages. Meine Gastfamilie hatte heimlich meine Freunde eingeladen und nun warteten diese auf mich, erneut mit einem Kuchen, der dieses Mal aber wirklich so groß war, dass ich sagen kann, noch nie so einen großen Kuchen zum Geburtstag bekommen zu haben. Dieses Mal verzichtete meine Gastfamilie zum Glück auf die oben genannte Tradition, sonst wäre am Ende wohl mein gesamter Arm in den Tiefen des Kuchens verschwunden. J

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass mein erster brasilianischer Geburtstag einfach ein einmaliges und wunderbares Erlebnis war und ich ihn nie mehr vergessen werde. Ich meine, wer kann schon von sich behaupten, seinen 16. Geburtstag hier im wunderschönen Brasilien, gleich mit zwei Überraschungspartys und 2 Geburtstagskuchen gefeiert zu haben?

Nun muss ich euch noch etwas zum Essen erzählen, denn ich kann nun wirklich nicht verheimlichen, dass es der Hammer ist. Ob mal schnell ein kleiner Snack zwischendurch, oder ein (für deutsche Verhältnisse richtiges Festessen) Mittagessen am Sonntag. Bis jetzt hat mir wirklich alles geschmeckt, was man mir gegeben hat. Die Säfte hier sind wirklich so exotisch und lecker, dass man sie einfach mögen muss.

An dieser Stelle möchte ich all meinen Nachfolgern einen kleinen, aber wichtigen Tipp geben, der euch hier in Brasilien bestimmt das ein oder andere Mal das Überleben sichern wird: Probiert alles aus, was man euch gibt und lehnt am Anfang erst einmal  nichts ab. Seid offen für alles, egal wie komisch es zunächst aussieht. Wenn ihr nicht dazu bereit seid, etwas wenigstens einmal zu probieren, kann das die Brasilianer oft ziemlich kränken, denn hier ist gutes Essen ein Statussymbol und wenn ihr es nicht probiert, werden die Brasilianer mit ziemlicher Sicherheit denken, dass es euch nicht schmeckt und das nehmen die Brasilianer immer persönlich – auch wenn sie das nicht aussprechen. J

Es gibt jedoch eine  Süßspeise, die ich hier schon so gerne habe, dass ich sie nach meiner Rückkehr nach Deutschland echt sehr vermissen werde: Açaí. Das ist eine lilafarbene Frucht, die aus dem Amazonasgebiet kommt und auch dort angebaut wird. Hier wird sie als eine Art Eis serviert und die Brasilianer schütten darüber gewöhnlich noch eine Art Müsli, Milchpulver und vor allem viel Kondensmilch. Alles in allem schmeckt das dann einfach nur unglaublich gut...

Ganz viele Grüße in die MRN! Abraços e até logo ! Gregor