4.12.2014

Bericht #3 - Ein paradiesischer Trip nach Natal

Hallo liebe MRN, hallo Deutschland,

Nun, nachdem schon wieder so viel Zeit vergangen ist, wird es Zeit, erneut etwas von meinen Erlebnissen hier in Brasilien zu berichten.

Jetzt, nach 3 Monaten hier, kann ich sagen, dass ich richtig in meiner neuen Heimat  angekommen bin. Mit allen Verantwortungen und Pflichten, die nun mal so dazu gehören. Ich erlebe einen völlig neuen Alltag fernab der Heimat. Es ist ein tolles Gefühl, dass man selbst so weit weg von Daheim in einer völlig fremden Kultur so gut zurecht kommen kann.

Es ist jetzt auch einfach viel leichter, weil man beginnt zu verstehen, was einem die Klassenkameraden, die Familie oder neue Freunde erzählen. Das ist ziemlich erleichternd für mich, da man sich als Austauschschüler ja schon einige Gedanken um die Sprache macht, bevor man in sein Abenteuer aufbricht.

Momentan fällt es mir nur noch etwas schwer, die Lehrer an meiner Schule zu verstehen, weil diese sehr schnell sprechen. Und es ist oft anstrengend, Ihnen dabei zu folgen. Da geht man nach einem 10 Stunden Tag doch schon das ein oder andere Mal mit einem brummenden Kopf aus dem Schulgebäude... J

Auch das Sprechen läuft noch nicht ganz einwandfrei, doch ich schaffe es trotzdem immer, dass die Leute verstehen, was ich sagen möchte. Das Antworten in ganzen Sätzen klappt mit den jetzigen Portugiesisch-Kenntnissen schon recht gut.

Das Highlight, das ich in diesem Monat erleben durfte, war ein Trip nach Natal über ein verlängertes Wochenende, zusammen mit meinem Gastbruder, dessen Freundin und noch zwei weiteren AFSern. Wir verbrachten fünf Tage in Natal und besuchten unter anderem auch den Strand in Natal, einen der berühmtesten und schönsten Strände der Welt: die Ponta Negra.

Es ist ein gefühlt sich unendlich erstreckender Strand direkt vor den Hochhäusern Natals. Nachdem ich nun schon insgesamt drei Mal einen Tag dort verbringen durfte, kann ich nur bestätigen, dass dieser Strand einfach nur unglaublich ist. So stellt man sich Brasilien vor: Am Strand sitzen und an einer der unzähligen Bars eine eisgekühlte Kokosnuss schlürfen (für umgerechnet gerade einmal 60 Cent) und währenddessen den Wellen lauschen. Paradiesisch!

Natürlich durfte ein Besuch in der legendären Midway Mall auch nicht fehlen. Das ist die größte in ganz Rio Grande do Norte und eines der größten Einkaufszentren im ganzen Norden. Kaum betritt man den riesigen Korridor am Eingang, fühlt man sich, als wäre man in einer anderen Welt. Denn die Größe und die Masse der Läden ist schon sehr beeindruckend. Nicht zuletzt aber auch deshalb beeindruckend, weil ein paar Stadtviertel weiter die Armut keine Grenzen kennt.

Natal ist eine der Metropolen Brasiliens, bei der die Grenze zwischen Arm und Reich extrem ist. Während sich die Wohlhabenden in den zahlreichen Hochhäusern (abgegrenzt durch Mauern und Polizeischutz) am Pool sonnen, sind die Häuser der Armen direkt daneben am Zerfallen. Mein Gastbruder erklärte mir aber, dass sich langsam auch immer mehr Menschen aus dem brasilianischen Mittelstand ein Apartment in solch einem Hochhauskomplex leisten können.

Man muss erwähnen, dass Hochhäuser hier in Brasilien einen komplett anderen Status besitzen als in Deutschland. Während in Deutschland Hochhäuser oftmals mit Armut verbunden werden, sind sie hier ein Zeichen für Wohlstand und Luxus, denn oft besitzen sie einen eigenen Pool und einen eigenen Kraftraum.

Es ist mir noch nicht wirklich gelungen, auch einmal die ganz arme Seite Brasiliens zu sehen und zu erleben, da meine Gastfamilie es (aus gutem Grund) für zu gefährlich hält. Man darf nicht vergessen, dass hier in diesem Land jede Nacht Menschen durch Schießereien etc. ums Leben kommen. Von dieser gefährlichen Seite Brasiliens ist mir jedoch zum Glück noch nichts aufgefallen, denn jeder Mensch, den ich hier kennenlernen darf, ist unglaublich freundlich und warmherzig zu mir.

So vergingen die fünf Tage in Natal wie im Flug und es ging wieder zurück nach Caicò, wo dann wieder der Alltag auf mich wartete. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal noch mehr von Natal sehen darf. Ich muss jedoch auch sagen, dass es hier in Caicò manchmal sehr langweilig werden kann, da es hier einfach kaum etwas gibt, was man mit seinen Freunden unternehmen kann. Für ein Kinobesuch etwa muss man schon eineinhalb Stunden mit dem Auto fahren. Während das für Brasilianer ganz normal ist, fällt es mir immer noch nicht ganz leicht für so etwas, in Deutschland Alltägliches, mal eben drei Stunden im Auto zu sitzen...

Generell sind die Distanzen hier in Brasilien nochmal ein anderes Thema... J Im Allgemeinen geht es mir hier also immer noch sehr gut, wobei mir, das muss ich gestehen, doch schon das ein oder andere Mal die Heimat etwas fehlt. Herzliche Grüsse an die Leute in der MRN und meine Freunde in der Heimat, Abraços Gregor