24.7.2015

Bericht #10 - Abschied aus Brasilien

Beim Abschied wird uns oft erst klar ,wie kostbar jeder Moment doch war. Wäre dieser Abschied nicht, hätte die Zeit davor gar kein Gewicht.

Hallo liebe Metropolregion Rhein Neckar,

Im Juni ging es nun wieder zurück in die Heimat – auf die andere Seite der Erde und gleichzeitig in eine völlig andere Welt. Schlussendlich jedoch denke ich, dass es der richtige Zeitpunkt war, um zu gehen, mein brasilianisches Leben hinter mir zu lassen und „Lebewohl“ zu sagen. Mein Austauschjahr hätte wohl kaum so ein schönes Ende genommen, wäre ich früher oder später abgereist. Natürlich hätte auch ich mir noch etwas mehr Zeit gewünscht, aber man soll bekanntlich dann gehen, wenn es am schönsten ist.

Doch genaueres zu den letzten Tagen und zum Abschied möchte Ihnen später erzählen. Zuerst einmal will ich Ihnen, wie in meinem letzten Blogeintrag versprochen, über meine letzte große Reise in Brasilien berichten. Sie führte mich in die „Cidade de Deus“ (die Stadt Gottes ), besser bekannt als Rio de Janeiro.

Zusammen reiste ich mit einigen anderen Austauschschülern und einem der AFS-Komitees aus dem Nordosten Brasiliens nach Rio de Janeiro. Wir hatten nun die Gelegenheit, eine Woche lang die Stadt zu entdecken und kennen zu lernen. Den Namen „Cidade de Deus“ hat sie sich in meinen Augen wirklich verdient – noch nie habe ich eine so pulsierende Megametropole mit einer gleichzeitig so wunderbaren Natur in Einem gesehen.

Vom majestätischen Wahrzeichen „Cristo Redentor“, der Christus-Statue, die auf dem Corcovado ihre offenen Arme schützend über die ganze Stadt erstreckt, bis hin zum Zuckerhut, von dem man wohl eindeutig den besten Blick auf die Stadt erhaschen kann: alles Dinge, die man ein Mal im Leben gesehen haben sollte.

Auch hatten wir die Chance, bei einem Fußballspiel im weltberühmten Maracanã-Stadion mitzufiebern. Das war eindeutig eines der Highlights auf meiner Reise nach Rio de Janeiro. Zusammen mit tausenden fußballverrückten Brasilianern in einem Stadion entwickelte sich eine unbeschreibliche Atmosphäre. Einmal bei so etwas dabei zu sein und für sein brasilianisches Team mitfiebern zu dürfen ist ein unvergessliches Erlebnis, was wir Austauschschüler alle niemals vergessen werden.

Auch die Besuche an der Copacabana, am Strand von Ipanema, im botanischen Garten, dem Zuckerhut und dem Cristo Redentor („Christus der Erlöser“) waren Erlebnisse, die ich nie wieder vergessen werde.

Im Allgemeinem war die Reise nach Rio de Janeiro wunderschön, und mir bot sich wieder einmal die Gelegenheit, zusammen mit tollen Menschen der AFS-Familie, andere Teile dieser Welt zu bereisen – etwas was ich in diesem Jahr sehr zu wertschätzen gelernt habe.

Nun möchte ich Ihnen von der Zeit erzählen, die für jeden Austauschschüler wohl einer der schwierigsten und mit Sicherheit auch einer der schmerzhaftesten ist: der Abschied.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass es mir sehr schwer gefallen ist zu realisieren, dass es schon so bald wieder nach Hause gehen würde. Ich hatte mir in Brasilien ein neues Leben aufgebaut, neue Freunde gefunden und einen Alltag fernab der Heimat gelebt. An all das war ich schon so sehr gewohnt, dass es mir schwer fiel, daran zu denken, es wieder aufgeben zu müssen. So rückte der Tag der Abreise immer näher und die Zeit verging wie im Fluge.

Meine Klasse „schenkte“ mir zum Abschied ein professionelles Fotoshooting, bei dem wir alle zusammen in allen möglichen Konstellationen Fotos machten, um Erinnerungen voneinander zu haben. Alle zusammen hatten wir dafür wochenlang Geld zusammen gespart, doch ich wusste zu keiner Zeit, dass das Geld für dieses Shooting investiert werden würde. Das war wirklich eine gelungene und wunderbare Überraschung, die mir wieder einmal zeigte, was für tolle Freunde ich hier in Brasilien gefunden habe. So verbrachten wir den ganzen Tag im Fotostudio und ließen Ihn mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.

Am letzten Schultag präsentierten meine Klassenkameraden noch ein Video – von dem ich allerdings wieder nichts wusste –, indem sie unsere schönsten Momente miteinander zusammenstellten und einen kleinen Brief an mich verfassten. Dem entsprechend war der letzte Schultag einer der traurigsten Tage meines Jahres in Brasilien.

Am letzten Schultag präsentierten meine Klassenkameraden noch ein Video – von dem ich allerdings wieder nichts wusste –, indem sie unsere schönsten Momente miteinander zusammenstellten und einen kleinen Brief an mich verfassten. Dem entsprechend war der letzte Schultag einer der traurigsten Tage meines Jahres in Brasilien.

Ein letztes Mal blickte ich zurück auf das Schulgebäude, auf die Schule auf der ich ein Jahr unterrichtet wurde, mit der ich Leid und Freuden teilte und in der ich Freunde fand, die ich wohl nie wieder vergessen werde.

Doch einer der schwierigsten Abschiede stand mir am letzten Abend noch bevor: Der von meiner Gastfamilie. Extra für mich hatten alle eine Abschiedsparty vorbereitet, bei der die ganze Familie zusammen kam. Auch hier war ich unglaublich dankbar und beeindruckt, dass meine Gastfamilie so ein großes Fest nur für mich gemacht hatte. So genoss ich jeden Moment so gut ich nur konnte. Ein letztes Mal unterhielt ich mich mit allen, aß ein letztes brasilianisches Abendessen und hatte noch ein letztes Mal Spaß mit meiner Familie.

Das Highlight des Abends war jedoch ein Abschiedsvideo, dass ich von meiner Gastfamilie zum Abschied gezeigt bekam. Zusammen hatten sie die schönsten Momente mit mir und Ihnen ausgewählt und in einem tollen Video zusammen gefasst – eine gelungene Überraschung, bei der mir doch die ein oder andere Träne über die Wange lief. Es ist einfach schön zu wissen, eine zweite Familie auf dieser Welt zu haben, die einen jederzeit wieder mit offenen Armen empfangen wird.

In diesem Sinne möchte ich mich nun ganz herzlich bei meiner Austauschorganisation AFS und meinen Stipendiengebern, der Metropolregion Rhein Neckar GmbH und dem Unternehmen SAP bedanken, die mir dieses unvergessliche Jahr erst ermöglicht haben.

Auch bedanke ich mich bei Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, für Ihr Interesse und hoffe, dass ich Ihnen meine Erlebnisse und Erfahrungen in meinem Jahr hier in Brasilien ein wenig näherbringen konnte.

Auf die Frage, ob ich jemals wieder zurück wolle, antwortete ich stets mit diesem Satz:

„Um dia eu quero voltar pra Brasil “ – Eines Tages will ich nach Brasilien zurück kehren.

Bis bald,

Gregor Werner