28.12.2018

Bericht #2 – Vollgepackter Highschool-Alltag…

Hallo Leute,

ich melde endlich mich mal wieder, ich hatte eine lange anstrengende Zeit und nicht viel Zeit mir mal Gedanken darüber zu machen, was ich hier eigentlich so erlebe und welche Erfahrungen ich mache. Was ich sagen kann, wenn ich so über meine bisherige Zeit hier nachdenke (die echt schnell vorangeht), ist, dass ich es an erster Stelle sehr genieße so viele neue Leute kennenzulernen, Tagtäglich rede ich mit neuen Personen und es ist unglaublich interessant neue Leute kennenzulernen, etwas über sie zu erfahren und auch über mich zu reden. Eigentlich jeder an meiner Schule zeigt sich unglaublich interessiert an dem, was ich hier mache, und ich liebe es, über mein Programm, meine Heimat und meine Eindrücke hier in Amerika zu erzählen.

Es ist auch wirklich leicht hier an der Schule Freunde zu gewinnen – „to make friends“ wie es im Englischen heißt. Vor allem erleichtern mir dies auch meine Gastgeschwister, die beide in meinem Alter sind. Meine Gastschwester ist wie ich auch Junior (Mittelstufe) und mein Gastbruder ist ein Senior (Oberstufe). Durch sie kannte ich schon sehr viele Leute bevor ich überhaupt in die Schule gekommen bin. Das machte mir den Alltag um einiges leichter.

Außerdem bin ich nicht die einzige Austauschschülern an unserer Schule, einer meiner besten Freunde ist ASH, ein anderer exchange student aus Marrokko auch von AFS und es ist super cool, erstens das alles mit ihm zu erleben, all die Erfahrungen, die ungewohnten Situationen zu teilen und mich zweitens mit ihm auf Französisch zu unterhalten, weil das seine erste Fremdsprache ist und ich somit auch mein Französisch verbessern kann.

In der Schule habe ich Spanisch gewählt, was ich mittlerweile aber bereue. Ich wollte hier eine neue andere Sprache gut lernen, da ich Französisch schon über Jahre hatte und Spanisch erst vor 2 Jahren anfing. Doch dadurch, dass Amerikaner die Sprache Französisch lieben, ich mich mit meinem Kumpel wie gesagt meist auf Französisch versuche zu unterhalten und wir in der Theater Class “Antigone” auf Französisch durchgenommen bzw. gespielt haben (ich und er & keiner hat ein Wort verstanden was echt lustig war), ist mir klar geworden, dass ich die Sprache echt mehr mag und bin daher momentan dabei auch im Unterrichtsfach zu Französisch zu wechseln.

Schulisch hatte ich in der ersten Zeit einige Wechsel mit meinen Klassen. Ich hatte bevor die Schule anfing ein Gespräch mit meiner Beraterin (Counslerin) und wir haben zusammen einen Stundenplan für mich zusammengestellt. Ich wählte u.a. Fächer wie Creative Writing, Chorus und Theater, welche echt cool sind. „Theater Experience“ ist meine Lieblingsklasse. Da das Sing- und Theater-Programm an unserer Schule sehr gut ist, habe ich viele Möglichkeiten mit einer unglaublich guten Theaterlehrerin die ihren Kopf in allem hat, Erfahrungen im Theater zu machen, an meinem Selbstbewusstsein genau wie an meiner Sprache bzw. Aussprache zu arbeiten.

Mein Englisch läuft ziemlich gut, am Anfang musste ich mich sehr konzentrieren alles zu verstehen, was ich von anderen gefragt wurde, und es war immer wieder ein anstrengender Prozess, so schnell wie möglich einen sinnvollen Satz in meinem Kopf als Antwort zu bilden und ihn dann so gut wie möglich über die Lippen zu bekommen bzw. ihn mit einem amerikanischen „Möchtegern-Akzent“ auszuspucken. ? Mit der Zeit aber gewöhnt man sich völlig daran, es kommt eigentlich alles von selbst und meine Aussprache hat sich um einiges verbessert, das merke ich jetzt schon.

Durch AFS bekommen wir Austauschschüler die Möglichkeit, sehr viele andere Austauschschüler unserer Region, New England, kennenzulernen. Unsere AFS Gruppe ist echt cool aber es ist etwas schade, dass ich und mein Kumpel eine Stunde von den meisten anderen entfernt wohnen, da sie in West Hartford leben. Am Wochenende aber, besuchen wir sie ab und zu. Auch wenn das etwas schwer ist, mit den Hinfahren, da wir ja keine Public Transportations benutzen dürfen. Das ist wirklich etwas schade, da ich normalerweise - wie aus meiner deutschen Heimat gewöhnt - viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln rumfahre. Hier in Amerika ist das anders. Hier hängt alles vom Auto ab, kein Fahrrad, nichts. Nur Auto. Was aber natürlich auch positive Seiten hat, denn hier kann ja jeder den Führerschein schon mit 16 machen. Also fahren fast alle meine Freunde und können mich immer mitnehmen … ja, vieles ist sehr anders.

Im Herbst/Winter wählt man in der Schule eine Indoor-Sportart bzw. muss man sich für ein Team qualifizieren. Ich habe mir Volleyball ausgesucht, was ich auch in meiner Heimat spiele. Ursprünglich wollte ich ins Schwimmteam, aber nach den ersten drei Mal Reinschnuppern (vor Saisonbeginn) war ich schon so k.o., dass ich mir sicher war, das schaffe ich niemals eine ganze Saison lang, also ging ich zu den Volleyball-Tryouts und ich schaffte es ins Team! Volleyball macht mir wirklich viel Spaß, es ist jedoch sehr anstrengend. Jeden Tag nach der Schule 2 Stunden Training und dann 2-3 Spiele die Woche, es ist super intensiv und anstrengend. Darunter leidet sogar mein Schlaf, und das ist wirklich ein Problem für mich, weil ich ein Mensch bin der wirklich viel Schlaf braucht.

Daheim in Deutschland bin ich immer um 21 bis 22 Uhr rum schlafen gegangen, aber hier komme ich montags, mittwochs und freitags erst um 21 Uhr nach Hause, esse zu Abend und fange danach erst (!) meine Hausaufgaben an. Das reizt meine Kondition wirklich aus. Der Wochenplan hier ist einfach so voll. Ich verstehe echt nicht, warum hier alles so „competitive“ ist, es geht immer um den Wettbewerb. Man kann eigentlich nichts einfach nur aus Spaß machen, das gibt es einfach nicht. Das ist mein Problem hier. Ich hatte meine ganze Woche voll mit verschiedenen Sachen, Klavierunterricht an einem Tag, 2 Mal die Woche Volleyball und 2 Mal die Woche Basketball und das habe ich dann das ganze Jahr lang so gemacht. Das Prinzip lautet: Du entscheidest dich für eine spezielle Sache und fokussierst dich richtig darauf, um dann super gut darin zu werden.

Daher ist der amerikanische Schulsport auch nicht wirklich vergleichbar mit dem deutschen Vereinssport (außer du bist super motiviert und willst es wirklich tun). Hier beim Highschool-Sport ist es so, dass du für etwas entscheidest, und dann automatisch dazu verpflichtet bist, ALLES dafür zu geben – jeden Tag trainieren, kein einziges Spiel verpassen, immer volle 100% geben. Was ich dennoch an Volleyball mag, ist die Teamfähigkeit, die in dieser Sportart sehr gefördert wird, man ist immer zusammen auf dem Feld. Aber da die hier leider nicht so viel Wert auf „Teambuilding“ legen wie ich es aus meiner Heimat gewöhnt bin, war unser Team wirklich nicht das Beste, was Unterstützung anging, bezogen auf die Zeit wo wir anfingen Spiele zu verlieren, was nach der Hälfte ungefähr war. Jedoch genieße ich es aktiv zu sein, sportlich und unter Leuten. Das Wochenende jedoch immer noch das Beste hier.

Last not least: Mit meiner Gastfamilie verstehe ich mich super gut, ich liebe alle Mitglieder und bin unglaublich froh in dieser Familie gelandet zu sein, auch wenn alle immer sehr beschäftigt sind und fast nie Freizeit haben.

Das war ein kleiner Zwischenbericht und Einblick in mein neues Leben, ich versuche mich in Zukunft öfter zu melden. Ich hoffe euch geht es allen gut.

Eure Leandra