3.2.2019

Bericht #4 - Enttäuschender Winter in Chicago

Hallo liebe Metropolregion Rhein-Neckar!

Für den Dezember waren mal wieder sehr viele aufregende Dinge geplant. Zu erst einmal hatte ich meine All-City Theateraufführung. Das ganze Programm war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber es hat dennoch sehr viel Spaß gemacht. Das wichtigste war, dass ich zur Frühjahrsaufführung ins Harris-Theater eingeladen wurde. Ab Februar fangen dann die Proben an und ich hoffe, dieses mal wird´s besser, aber bis dahin ist noch viel Zeit. Erstmal erzähle ich euch, was wir diesen Monat alles gemacht haben. Das erste Event im Dezember war eine JDRF (Diabetes Organisation) Spendengala, wofür wir uns etwas „herausputzen“ mussten. Dort angekommen, mussten wir uns als Volunteer (freiwilliger Helfer) registrieren lassen und bekamen eine Aufgabe. Meine Aufgabe war es Luftballons mit einem geheimen Umschlag für $100 zu verkaufen. Auf der Gala gab es verschiedene Preise zu erwerben, aus deren Erlös ein Anteil in die Organisation fließt. Es hat echt Spass gemacht und es war mal was richtig Anderes, unter all diesen reichen Leute zu sein, die mit ihren Tierfellen herumlaufen. Das Gute als freiwilliger Helfer ist, das wir kostenloses Essen bekamen und dass wir uns danach mit den anderen das Konzert der “Bare Naked Ladies” anschauen konnten. An diesem Abend hat JDRF mehr als $2.000.000.000* Spenden eingenommen, das war ein voller Erfolg.  

Am 12. Dezember war es endlich Zeit für das Pentatonix Konzert (eine a cappella-Gruppe), worauf ich schon seit monaten gewartet hatte. Aber, das warten hat sich gelohnt, es war unglaublich, ihre Stimmen klangen in echt noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe.

Doch das war noch nicht das einzige Konzert, auf dem ich in diesem Monat war. Denn im Dezember hat so gut wie jede Schule ein Winter-Orchester-Konzert. Meine Gastschwester hatte ein Konzert mit Kuchenverkauf, wofür ich Brownies gebacken habe. Außerdem bin ich auf das Konzert meiner Freunde, das in meiner Schule stattfand, gegangen. Das war auch nicht schlecht, kann man aber nicht wirklich mit dem Grundschul-Orchester meiner Schwester vergleichen. Außerdem gab ihre Schule noch ein Konzert im McDonalds, wo irgendwie ein Anteil der Einnahmen des Abends an die Schule geht. Diese sogenannten Fundraiser sind sehr beliebt und werden oft genutzt, um an Spenden zu gelangen.

Mit der Zeit kamen wir den Winterferien, obwohl es keine Anzeichen für Winter gab, immer näher, womit auch all die Prüfungen bevorstanden. Also verbrachte ich die letzten Wochen mit Lernen, was sich auch ausgezahlt hat. Als dann am 21.12.18 die Ferien endlich angefangen hatten, habe ich mich direkt auf den Weg nach Harvard gemacht, um meine Freundin zu ihrem 18. Geburtstag zu besuchen. Wir hatten eine schöne Zeit und sie hat sich echt gefreut. Bei ihr in Harvard lag sogar Schnee, wovon in Chicago gar nichts zu sehen war.

Über Weihnachten war ich dann wieder zuhause, wir sind am 24. abends in die Kirche gegangen und am 25. morgens gab es die Geschenke. Ich dachte anfangs, dass mit morgens vielleicht 10 Uhr gemeint wäre, aber dann stand meine Schwester um 7:30 Uhr in meinem Zimmer und meinte, sie wartet schon seit 2 Stunden, dass wir endlich aufstehen und Geschenke auspacken können. Nach 10 min. hat sie es dann geschafft, mich aus dem Bett zu bekommen und mich ins Wohnzimmer geschleppt. Als erstes haben wir alle Geschenke aufgeteilt und die erste Sache, die wir aufmachen durften, war die berühmte, amerikanische, traditionelle Socke, die ich schon immer haben wollte und es war so ein schönes Gefühl. Es war wie ich es mir vorgestellt hatte: „Ich, in Amerika, mit einer wundervollen Gastfamilie, unter einem riesigen Weihnachtsbaum, voller Geschenke.“ Ich wollte gar keine Geschenke, denn ich hatte bereits alles, was ich mir gewünscht hatte. Dennoch bekam ich so süße Sachen, wovon ich nicht gedachte hätte, dass sie über diese Dinge Bescheid wüssten.

Über die Ferien haben wir noch viel mit Freunden unternommen. Wir sind auf das Winter-Wonder-Fest in Navy Pier gegangen. Es ist wie ein Jahrmarkt, aber drinnen, mit Fahr-attraktionen und einer Eisbahn. Wir haben uns auch mit einem Freund meiner Gastmutter und dessen Sohnen zum Mittagessen getroffen und sind dann in einen Escape-Room, das ist ein Raum in dem du eingesperrt wirst, gegangen. Man hat eine Stunde Zeit Rätsel zu lösen, sodass du wieder herauskommst. An einem anderen Tag sind wir mit der Arbeits-kollegin und ihren Töchtern Eislaufen gegangen und waren danach Pizza essen. Da bei Ashya an diesem Tag vor 5 Jahren Diabetes diagnostiziert wurde, haben wir das so ein bisschen gefeiert, indem wir uns riesengroße Cupcakes gekauft haben, weil dass das letzte war was Ashya, ohne Insulin, gegessen hat.

Dieses Silvester war das erste Jahr, an dem ich nicht wirklich gefeiert habe. Ich war auf einer Seite irgendwie überrascht, dass New Years Eve (wie Silvester auf Englisch heißt) in Chicago nicht so ein großes Ding ist, aber ich meine warum auch, es geht weiter wie immer. Wir haben zusammen einen Film geschaut und als es Mitternacht war, haben wir ein paar Partykracher gepoppt und das war´s. Ich bin so glücklich und froh darüber, was ich dieses Jahr alles erleben durfte. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt und neue Sachen gesehen, was ich davor noch nie gesehen und erlebt hatte. Die Hälfte meiner Reise ist zwar schon vorbei, aber es wird noch vieles auf mich zukommen, was ich kaum erwarten kann.

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Start ins Neue Jahr mit euren Liebsten und ihr hört schon ganz bald wieder von mir.

Elif