30.4.2019

Bericht #4 – Kirschblüte in Japan

Yaho– liebe Metropolregion!

Dieses Mal melde ich mich mit einem, mit schulischen Events vollgepackten, Beitrag aus dem wunderschönen Japan zurück. Doch natürlich soll es sich auch noch um ein paar andere Dinge drehen. Deshalb würde ich sagen, fangen wir doch chronologisch am ersten März an.

Da in Japan, anders als in Deutschland, das Schuljahr im April beginnt, hatten die damaligen Drittklässler (12. Klasse) am ersten März ihre Abschlusszeremonie. Die ganze Schule war anwesend, sowie einige Eltern, und hat an der Zeremonie teilgenommen. Die Brass Band, und damit  auch ich, hat Lieder gespielt und es wurden die National- und Schulhymne gesungen. Einige Personen, zum Beispiel der Direktor und Schülersprecher, haben Reden gehalten und jedes Mal, wenn jemand neues die Bühne betreten sollte, mussten alle aufstehen und sich verbeugen, das auch nicht gerade selten. Das Abschlusszertifikat haben die Schüler aber während der eigentlichen Zeremonie nicht erhalten. Schon allein alle Namen aufzurufen, hat eine ganze Weile gedauert und so hat nur der Erste auf der Klassenliste der Klasse 1 sein Zeugnis auf der Bühne überreicht bekommen. Am Ende haben die Drittklässler die dekorierte Turnhalle wieder so verlassen, wie sie gekommen waren: Nach Klassen und Namen sortiert, in einer langen Reihe, während die Brass Band spielte. Anzumerken hätte ich noch, dass wir die Zeremonie am vorherigen Tag zur Übung durchgeprobt hatten, damit auch nichts schief läuft.

Auch wenn unsere „Senpais“ (der japanische Begriff für älterer Schüler, der auch als Anrede verwendet wird) die Schule verlassen hatten, ging für uns verbleibende Schüler der Unterricht recht normal weiter. Einen Monat nach Valentinstag, am 14. März, war dann schließlich „White Day“. An diesem Tag sind es die Jungs, die Süßes an die Mädchen verschenken, unter anderem, um auf die Valentinsschokolade zu antworten. Da die Mädchen meiner Klasse den Jungs am 14. Februar Schokolade mitgebracht hatten, wurde uns am White Day von den Jungs in Gemeinschaft Schokolade und Snacks zurückgegeben.

Kaum eine Woche später hatte sich das Schuljahr dem Ende geneigt und am letzten Tag hat sich meine Klasse 2-5 zum Abschluss zum Abendessen getroffen. Alle hatten viel Spaß und haben ordentlich gegessen. Dass sich meine Klasse nach den Ferien zu einem Teil ändern würde, stimmte mich traurig, denn in dem halben Jahr war mir 2-5 ziemlich ans Herz gewachsen.

Ab dem darauffolgenden Tag hatte ich dann Ferien. Beziehungsweise hatte ich keinen Unterricht, aber trotzdem Klub, schließlich war das nächste Konzert nicht mehr weit.

Doch trotzdem habe ich noch andere Dinge machen können und auch kamen neue Austauschschüler in mein AFS-Chapter, für die eine kleine Willkommensfeier abgehalten wurde.

An einem wiederrum anderen Tag bin ich zwar zur Schule, aber nicht um mein Instrument in die Hand zu nehmen. Die Englischlehrer an meiner Schule hatten mich gebeten am „Yamato English Camp“ teilzunehmen. Dieses hat tatsächlich auch echt großen Spaß gemacht, ganz wider meiner Erwartungen. Normalerweise langweile ich mich ziemlich im Englischunterricht, da das Niveau nicht gerade anspruchsvoll ist. Doch das Camp hatte sich komplett vom normalen Unterricht unterschieden. Dies fing schon damit an, dass es nur freiwillige Teilnehmer gab und die Lehrer waren nicht von meiner Schule. Diese waren ALTs (assistant language teacher) von anderen Schulen und haben alle Englisch als Muttersprache. Dadurch konnten sie an einem Programm teilnehmen, das einem ermöglicht an japanischen Schulen Englisch zu unterrichten und auch hier zu leben. Sie haben mit uns Spiele gespielt, um Englisch durch Spaß zu erlernen. Und den schienen auch alle, inklusive mir, reichlich gehabt zu haben.

Ende März konnte ich mir eine Sache ansehen, für die Japan wohl auch recht bekannt ist. Falls ihr jetzt keine Ahnung habt, auf was ich anspiele, löse ich das Rätsel auf: Kirschblüten! Ich bin mit meinen Gasteltern zu zwei verschiedenen Orten gefahren, an denen viele Bäume in voller Blüte standen. Die erste Location, die mir auch besser gefallen hat, war ein langer Weg, der auf beiden Seiten von Kirschbäumen umgeben war, sodass die Äste eine Art Blütentunnel bildeten. Es waren einige Leute da, aber es war nicht zu überfüllt. Die Kirschblüten waren wirklich wunderschön und wenn durch einen Windstoß einige der hellrosanen Blütenblätter hinabfielen, sah es schon fast wie fallender Schnee aus. An der zweiten Stelle waren viel mehr Menschen, da ein Festival abgehalten wurde. Die Kirschbäume standen dieses Mal nicht ganz so nah aneinander, umsäumten aber trotzdem eine Straße. Viele Läden hatten geöffnet und nutzten die unzähligen Besucher aus. Viele Japaner essen auch gerne Picknick unter den blühenden Bäumen, und an beiden Orten, an denen wir waren, saßen viele Menschen im Gras und aßen. Natürlich habe auch ich das sogenannte Hanami mitgemacht und habe unter Kirschbäumen gegessen. Inzwischen sind alle Kirschblüten leider schon verblüht.

Ab dem 8.April startete das neue Schuljahr. Ich kam in die Klassenstufe 3. Trotz der Neuordnung der Klassen bin ich noch in 3-5. Einige meiner Freunde haben leider die Klasse wechseln müssen, doch ein Teil meiner alten Klasse ist immer noch gleich. Am ersten Tag des neuen Schuljahres ist aber außer der Neuordnung der Klassen und einigen Informationsveranstaltungen kaum etwas passiert. Nur die neuen Lehrer, der neue Direktor und Konrektor, sowie der neue Austauschschüler meiner Schule haben sich vorgestellt und wir haben die Schule gründlich geputzt.

Am 9. war dafür dann die Einschulung der neuen Erstklässler (10.Klasse), anders als bei der Abschlusszeremonie waren dieses Mal nur Lehrer, die neuen Erstklässler, Eltern, der Schülerrat und die Brass Band anwesend. Es wurden Reden gehalten, Schul- und Nationalhymne gesungen und natürlich hat die Brass Band  auch einige Lieder gespielt. Schließlich haben die Erstklässler die  Turnhalle wieder verlassen und es wurde in kurzer Zeit wieder alles aufgeräumt.

Zum Start des Schuljahres haben wir auch einen Schulausflug zum nahgelegenen Kiyomizuyama unternommen. Alle Schüler hatten ihre Sportuniform an und wir sind eine ganze Weile zwischen Feldern umhergelaufen, bis wir schließlich am Fuß des Berges angekommen waren. Dann hieß es Treppen  steigen, es waren nicht gerade wenige und nach circa drei Stunden Gesamtzeit hatten wir endlich den Gipfel erreicht. Mit drei Freundinnen suchte ich einen Platz zum Essen und zwischen Grundschülern, die wohl auch eine Wanderung unternommen hatten, fanden wir ein Plätzchen, um unsere Bento und Süßigkeiten zu essen. Auch wenn es echt anstrengend war, hatte ich viel Spaß mit meinen Freundinnen, die teilweise in anderen, von den Lehrern bestimmten, Laufgruppen waren. Trotz der vorherigen Organisationen haben sich ein paar der 16 Laufgruppen etwas verlaufen, so hat auch meine Gruppe einen ungeplanten Umweg gemacht. In der zusätzlichen Zeit konnten wir uns aber noch besser kennenlernen.

Ein anderer Ausflug, den aber nur die Erstklässler unternehmen sollten, war ein Besuch eines Baseballspiels. Warum ich davon berichte, obwohl ich doch eigentlich in der dritten bin, hat einen ganz einfachen Grund: Brass Band. Wir  durften das Spiel mit einer kurzen Performance von zwei Stücken eröffnen. Wir standen auf dem Rasen und haben auswendig gespielt, während des zweiten Stückes mussten wir auch etwas „tanzen“. Der Schülerrat hat auch neben und hinter uns getanzt, aber mehr als wir, ohne Einschränkungen durch Instrumente. Es hat echt Spaß gemacht in dem kleinen Stadion zu spielen. Doch nach der Eröffnung war unser Job immer noch nicht getan. Auch auf der Tribüne, in der prallen Sonne sitzend, haben wir noch gespielt. Ich verstehe zwar Baseball nicht, aber es war wohl zum Anfeuern der Softbank Hawks, das beliebte Team meiner Region. Auch die Erstklässler haben unter Anleitung des Schülerrats kräftig mit Anfeuersprüchen angefeuert. Auch wenn es heiß und sehr anstrengend war, war das eine unglaubliche Erfahrung, die mir unfassbar viel Spaß bereitet hat. Das intensive Üben hat sich dafür wirklich gelohnt. Auch habe ich, wieder zuhause angekommen, nach dem Aufräumen und Zurückradeln, in den Nachrichten einen Ausschnitt des Spiels gesehen und man konnte uns im Hintergrund eines der Anfeuerlieder spielen hören.

Wie ihr seht ist auch knapp die letzten beiden Monate wieder so einiges passiert und auch steht wieder vieles an. Ich bin wirklich um einiges beschäftigter, als ich es in Deutschland war. Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.

Sophie :)