21.5.2019

Bericht #8 - mein letztes offizielles AFS Treffen

Hallo liebe MRN,

Ich kann es nicht fassen, dass es schon Mai ist!

Die Zeit nach dem langen kalten Winter fühlt sich an als würde sie an mir vorbei fliegen. Nach meiner wundervollen und wahrscheinlich erholsamsten Woche in meinem ganzen Auslandsjahr - meine “Spring Break”, (Osterferien) in North Carolina - wo ich mal wieder so richtig viel Sonne und Energie auftanken konnte, kommt mir alles rasend vor und ich kann und will mir gar nicht vorstellen, dass sich alles schon zum Ende neigt!

Letzten Sonntag hatte unsere AFS-USA-Southern-New-England- Austauschschülergruppe ihr letztes offizielles AFS Treffen, wo sich alle nochmal gesehen haben! Es ist so unglaublich traurig, wenn ich daran denke, manche von diesen unglaublich tollen Leuten vielleicht nie mehr wieder zu sehen. Mit den anderen Austauschschülern hat man über das Jahr nicht nur bei all den Sleepovern, Jamie’s im “Backyard-Parties” und AFS Events immer wieder eine super tolle Zeit gehabt - es hat sich aber auch einfach eine Verbindung gebaut und jeder einzelne ist einem nach der Zeit irgendwo ans Herzen gewachsen, nach all dem was wir zusammen durchgemacht und erlebt haben. Die unterschiedlichsten aber interessantesten Leute gab es in unserem Team. Jeder Individuelle mit unterschiedlichsten Hintergründen, Geschichten und natürlich Akzenten, mit denen es einfach nie langweilig wurde, weil es immer etwas Neues vom Leben in der Gastfamilie oder neuen Schule, Verschiedenheiten zum Heimatland zu berichten gab, oder man sich die Zeit einfach damit verbrachte, Sätze in der Sprache seines Sitznachbarn auf Google Übersetzer zu tippen und irgendwie zu versuchen sich auf Muttersprache seiner freunde zu verständigen. Zum Glück werde ich einige von ihnen jedoch noch am Ende, vor dem Abflug im Nachbereitungs-Camp in New York sehen. Der Abschied war jedoch sehr traurig und die triste Atmosphäre im Regen unter dem Dach im Nationalpark in East Connecticut und Adele, die man aus der Musikbox im Hintergrund spielend hören konnte, machte das ganze auch nicht besser.

Auf der Rückfahrt nach Guilford konnte ich es dann einfach nicht zurückhalten und mir fingen an Tränen an den Wangen hinunterlaufen. Mich von meiner engstehenden Gastfamilie, meinen Freunden von der High School, Austauschschülern und all den anderen Leuten die mir über das Jahr nahe geworden sind, zu trennen fühlt sich einfach noch nicht richtig an. Wird es wahrscheinlich auch nie. Doch auch wenn mir momentan immer wieder der attraktive Gedanke kommt, einfach hier, wo ich mich nach langer Arbeit endlich eingelebt und an alles gewöhnt habe, zu bleiben, naechstes Jahr meinen Abschluss zu machen, stattdessen jedoch noch zwei weitere Jahre auf meine alte Schule in Deutschland zu gehen, in welcher ich ein komplettes Schuljahr nicht nur akademisch aber auch im sozialen Bereich meiner Freunde verpasst habe, kann ich es dennoch nicht abwarten, meine Familie und Freunde, die ich unendlich vermisst habe, nach all der langen Zeit, wieder zu sehen. Mit gemischte Gefuehlen schlief ich in dieser Nacht ein, mit der Hoffnung dass ich mich wieder schnell und einfach eingewöhnen werde aber immer noch im Kontakt zu meinen Leuten hier bleiben werde.

Unsere Betreuer fingen schon an uns darauf vorzubereiten, wie es sein wird wenn wir wieder zurueck kommen - was uns alles Tolles aber auch Schlimmes erwarten wird.

Meine gemischten Gefühle verwandeln sich jedoch ganz schnell in Paranoia, wenn ich dann über das Packen denke und daran, dass wir ja nur einen 50 pounds = 20 kg schweren Koffer mit in den Flieger nehmen können. Ja, ich habe hier definitiv zu viel Zeug gekauft - einfach aus dem einen Grund: ich kann ja nichts verpassen, was man in Deutschland auch nur zu geringster Wahrscheinlichkeit nicht kaufen könnte!

Vor Allem von all den “Thrift Stores” oder Second Hand Laeden, die es hier gibt, konnte ich einfach nicht genug bekommen, auch wenn das Schreien meiner Gasteltern, Eltern und meinem Geldbeutel in meinem Hinterkopf nicht wirklich unueberhoerbar war. An meine exchange student friends - ihr wisst was ich mein...

Jedenfalls habe ich mir noch so Einiges vorgenommen, während meiner restlichen Zeit hier in Connecticut. Neben Orten und Plätzen, die ich unbedingt noch besuchen möchte und Aktivitäten die ich hier schon immer mal machen wollte, habe ich mir auch schulische Ziele gesetzt. Da sich nicht nur meine Fähigkeiten, aber auch meine Motivation meiner akademischen Leistungen seit Anfang dieses Semesters auf “Powerschool”, dem Online Notensystem unserer Schule ungemein verbessert haben, da mir durch lange Uebung mit der Sprache umzugehen, alles um einiges leichter fällt, bin ich momentan sehr auf die Schule konzentriert - besonders weil die Lehrer jetzt zum Ende des Schuljahres nochmal alles anheizen. Momentan im Frühling mache ich ja aber Schulsport, was mir nicht nur mehr Freizeit, aber auch mehr Zeit fuer Dinge wie Hausaufgaben, das Schreiben meiner Blogs, aber auch meiner MRN Präsentationen gibt.

Die letzte Woche lang verbrachte ich nämlich damit, meine eigene Präsentation aus dem professionellen Format des ausgestatteten Materiales zusammenzustellen. Vor Kurzem erweckte ich außerdem die Interesse einiger meiner Lehrer durch mein Angebot, über mein Auslandsjahr und Erfahrungen meines Programms zu berichten aber am Wichtigsten, mein Heimatland und natürlich die Metropolregion Rhein-Neckar und vor Klassen zu repräsentieren.

Mit meiner 35 Folien langen Präsentation habe ich heute erneut eine ganze Unterrichtsstunde damit verbracht, meinen Heimatort der MRN in Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Lebensqualität vor Schuelern und Lehrern vorzustellen und meine Region mit Stolz zu repräsentieren. Genau wie die Präsentation meiner “Modern World History Class”, die ich vor ein paar Wochen hielt, präsentierte ich heute erneut in einem anderen Geschichtskurs. Die Schüler hörten gespannt zu und gaben mir sowohl vollständige Aufmerksamkeit, als auch sehr positives Feedback.

Mit Freude beantwortete ich Fragen der interessierten Zuhoerer, die beispielsweise über den Hintergrund meines Auslandsjahres wissen wollten, wie ich mich dazu entschieden habe mit AFS ins Ausland zu gehen und warum ich mich fuer die US und speziell Guilford Connecticut entschieden habe, bei welcher Entscheidung ich ja jedoch weniger Einfluss hatte. Viele fragten wie es mir hier in der Stadt besonders gefallen hat oder gefaellt, ueber Unterschiede der Schulsysteme und was meine generellen Erfahrungen mit Sprache, kulturellen Unterschieden und Leuten waren. Über diese Dinge rede ich sowieso gerne, von dem her fiel es mir umso leichter, Schülern von meinen Erfahrungen und Eindrücken zu berichten. Natürlich erklärte ich auch Genaueres über meine Austauschorganisation AFS mit der ich sehr zufrieden bin und froh, nicht nur durch sie aber auch durch ihre Stipendien wie MRN und SAP, die Möglichkeit habe, solch außergewöhnliche und Erfahrungen zu machen, Erkenntnisse zu nehmen, neuer Perspektiven gelehrt zu werden und all die lebenswichtigen Dinge die ich schon gelernt habe, zu erleben.

Meine Lehrer waren außerdem sehr von der Vielfalt der Metropolregion Rhein-Neckar und insbesondere den Attraktionen meiner Heimat beeindruckt. Begeistert waren sie jedoch auch von den unendlichen Möglichkeiten die man heutzutage hat, sich durch die interessantesten und besten Wege weiterzubilden und seine Komfortzone zu erweitern, aber genau wie den Mut, und Selbstvertrauen, das man dazu haben muss, eine solche Herausforderung anzunehmen und zu meistern!  Ich freue mich darauf, meine Erfahrungen mit weiteren Leuten zu teilen und meinen Heimatort repräsentieren zu dürfen.

Viele liebe Grüße aus Connecticut,

Eure Leandra