8.10.2019

Bericht #1 – Willkommen in Ballyjamesduff

Hallo alle zusammen,

Ich bin Anna und werde die nächsten 10 Monate in Irland verbringen, und euch mit auf meine Reise ins Reich der Schafe, Kälte und Herzlichkeit nehmen.

Seit ungefähr 5 Wochen bin ich jetzt schon hier in Ballyjamesduff, einer gemütlichen Stadt im Norden Irlands mit rund 2700 Einwohnern.

Aber ich möchte Euch natürlich ganz vom Anfang berichten. Die letzten Wochen vor meinem Abflug gingen schneller vorbei als gedacht und dank meiner Freundin konnte ich bei ihrer Überraschungsfeier alle noch ein letztes Mal fest in die Arme schließen. Aber als wir zum Flughafen fuhren, ging dann doch alles ganz schnell.

Am 28. August haben mich meine Eltern zum Flughafen gebracht und ich muss gestehen, dass ich erst im Flugzeug begann zu begreifen, was für eine lange Zeit ich hier leben werde.

Als ich aber dann in meiner kleinen AFS Gruppe von meiner zukünftige Auslandsorganisation InterStudies in Dublin empfangen wurde und sowohl deutsche Freunde von Vorbereitungsseminaren wiedertraf, als auch internationale Kontakte knüpfen konnte, waren alle Sorgen schnell verschwunden. Dadurch verging auch das dreistündige Warten am Flughafen auf andere InterStudies sehr schnell.

Nach den ersten zwei Tagen im „Arrival Camp“, in denen wir eine kleine Führung durch Dublin bekamen, einen typisch irischen Tanz kennenlernten und ein paar letzte Workshops zum Verhalten unseres Auslandjahres erhielten, wurde ich schließlich von meiner Gastmutter in meine zukünftige Gastfamilie gebracht. Eines war klar, ich war eindeutig aufgeregter als sie. Noch dazu kam, dass mich der Linksverkehr verwirrte. Zudem war das Wetter komplett ungewohnt: Während ich von der Metropolregion Rhein-Neckar ein recht sonniges und mildes Klima gewöhnt bin, schauten nur vereinzelt kleine Sonnenstrahlen aus den dichten Wolken hervor. Dementsprechend war es grotesk, dass sie uns mitteilten, wir hätten gutes Wetter mitgebracht. Ich wusste nicht, ob ich über den Witz der Iren schmunzeln, oder es tatsächlich ernst nehmen sollte.

Als ich aber endlich meine genauso humorvolle Gastfamilie begrüßen konnte, war ich wirklich sehr froh. Ich lebe mit meinen Gasteltern, meinen vier Gastbrüdern, unter anderem einem anderen französischen Austauschschüler und meiner Gastschwester in einem recht abgelegenen, schönen Haus mit 3 Katzen, 2 Hunden und neuerdings einem Welpen. Die beiden älteren Brüder studieren schon, besuchen uns aber regelmäßig. Die Hühner, Gänse und Schafe außerhalb des Hauses sind natürlich auch nicht zu vergessen. Hier ist also immer etwas los!

Nach dem Wochenende, in dem Verwandte bei uns zu Abend aßen und wir Organisatorisches, wie zum Beispiel den Kauf meiner Schuluniform erledigt haben, ging es auch schon in die Schule. Zu meinem Glück konnte ich auch schon am ersten Schultag in das Transition Year (=Übergangsjahr) wechseln, das vergleichsweise mit der 5. Jahrgangsstufe, in die ich eigentlich gekommen wäre, sehr viel einfacher ist. Für mich war es allerdings nicht sehr einfach mich in meine Klasse zu integrieren, weil meine Klassenkameraden sich schon seit 3 Jahren kennen.

Zwei Tage später haben wir einen TY (Transition Year) Trip unternommen. Diese sportlichen Aktivitäten, wie Kanu fahren und klettern waren für mich eine gute Gelegenheit meine Mitschüler außerhalb des Unterrichts kennenzulernen.

In den nächsten 2 Wochen habe ich mich bei vielen Hobbies außerhalb aber auch in der Schule angemeldet, die mir einen abwechslungsreichen Alltag ermöglichen. Diese sind zum Beispiel bei den Pfadfindern, beim Rugby (ein sehr beliebter Sport hier in Irland), Parcour…

Außerdem habe ich die anderen zwei Wochen zusätzlich mit Freunden von InterStudies ein paar Städtetrips, beispielsweise nach Dublin machen können.

So nebenbei: Dublin bewohnt ein drittel der 4,8 Millionen Einwohner Irlands. Das zeigt besonders wie ländlich Irland ist, das ist aber auch ein Nachteil, da man nicht so leicht von A nach B gelangt wie bei uns. Zusätzlich gibt es im ländlichen Irland kaum andere Verkehrsmittel als Autos, weil Busse hauptsächlich in städtischen Teilen fahren und Fahrräder zu gefährlich auf den engen Straßen sind. Daher werden meine Gastgeschwister und ich auch zur Schule gefahren, obwohl sie nur zweieinhalb Kilometer von uns entfernt ist.

Das wars jetzt erstmal von mir, bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüße,

Anna