24.12.2019

Bericht #2 – Ein zweiter Blick in meine kleine irische Welt

Hallo liebe Metropolregion Rhein Neckar,         

es ist jetzt doch schon eine Weile her seit meinem ersten Blog und ich denke es ist mal wieder an der Zeit, euch ein wenig von meinem Aufenthalt zu berichten.

In den letzten Wochen ist hier einiges passiert und die Zeit schien mir davon zu fliegen. Mittlerweile habe ich mich schon in meinen Alltag eingelebt und ich schätze meine vielen Aktivitäten außerhalb der Schule sehr. Denn selbst wenn ich an einem Wochenende noch nichts mit meiner Gastfamilie vorhabe, kommen kurzfristig Verabredungen mit Freunde nach Navan oder Dublin nicht selten zustande. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass meine Gastfamilie und ich selbst unter der Woche mal ins Schwimmbad gehen. Glücklicherweise habe ich auch keinen Stress in der Schule.

Stattdessen haben wir im Transition Year viele Ausflüge wie zum Beispiel auf den wunderschönen Glendalough Bergen wandern gehen, einen eingeübten Gerichts Prozess nachstellen und dem Gericht Dublins vorstellen oder Tage an denen wir über die globalen Herausforderungen informiert werden. Ich bemerken aus wie vielen Themenbereichen wir dank dieser Jahrgangsstufe für unser Leben anschaulich lernen können und das gleichzeitig ohne Schul Überforderung gut aufnehmen können. Das gibt ein sehr schönes Gefühl.

Ich habe in den letzten Wochen mehr und mehr vom Schulsystem und dem Unterrichtsstoff verstanden, sodass ich heute so ziemlich in allem gut mitkommen kann. Mir gibt das eine angenehme Sicherheit und Stabilität. Zwischendurch bin ich glücklicherweise zu meiner Parallel Klasse gewechselt. Meine neuen Mitschüler sind sehr viel offener zu mir und da ich mich auch mit einer Brasilianerin angefreundet habe, gehe ich mittlerweile auch gerne in die Schule.

Eines meiner Aktivitäten die mich in der letzten Zeit am meisten beschäftigt haben, ist mein Theaterprojekt, das wir leider gestern mit der dritten Theateraufführung abgeschlossen haben. Wir haben uns zu fünft aus unserer Jahrgangsstufe beworben und wurden mit einer ziemlich coolen Gruppe von zehn anderen Jugendlichen einer nahen Schule von uns zusammengestellt. Wir bekamen dort zwei Wochen täglich schon am Anfang der Herbstferien bis zum Ende der ersten Schulwoche einen interessanten Einblick in die Welt des Theaters. Nach einigen Übungen zur Präsenz auf der Bühne, ging es erst richtig los. In den nächsten Wochen wurden wir jeweils zweimal aus der Schule „entlassen“ und durften stattdessen für unser Theaterstück proben. Letztendlich waren nicht nur wir, sondern auch das gesamte Publikum mit der in ein paar Wochen erarbeiteten Show sichtlich zufrieden.

Eines meiner definitiv schönsten Ereignisse war meine Schottlandtour mit meiner Auslandsorganisation InterStudies. Um fünf Uhr morgens wurde ich von meiner lokalen Koordinatorin abgeholt und gemeinsam mit einer australischen Freundin zum Flughafen in Dublin gebracht, da sie dort für die weiteren Austauschschüler alles organisiert hat. Als meine Freundin und ich in Edinburgh ankamen, sind wir auf eine Gruppe anderer InterStudies gestoßen, die wir noch vom Dublin Arrival Camp kannten. Also hatten wir einen gemeinsamen ersten Blick auf Edinburgh, bevor es auch schon in unsere Herberge für die nächsten drei Tage ging. Eines unserer Hauptaktivitäten in Edinburgh war eine Selfie Tour in der wir uns in Gruppen eingeteilt haben und kreative Selfies an den Sehenswürdigkeiten Edinburghs gemacht haben. Ich war sehr stolz, dass meine Gruppe gewonnen hat. Aber auch unabhängig davon habe ich es dort wirklich sehr genossen, denn die Hauptstadt Schottlands ist durch den alten Gebäuden und dem Blick aufs Meer unbezahlbar. Den Rest der Woche sind wir mit einem Reisebus quer durch Schottland gefahren und konnten somit die beeindruckendsten Stellen des Landes besichtigen. Dabei haben wir sowohl einen Eindruck der Kultur als auch der traumhaften Landschaft ganz Schottlands bekommen. Es war einfach unvergesslich schön.

Eine meiner weiteren Highlights war ein Wochenendtrip mit anderen Jugendlichen in denen wir viele Outdoor Aktivitäten wie zum Beispiel Kajaken, Klettern oder Bogenschießen unternommen haben. Dabei bekam ich die Möglichkeit mit vielen anderen Iren in Kontakt zu treten.

Glücklicherweise bin ich durch meine Pfadfindergruppe weiterhin besonders in der Natur aktiv, denn das satte grün hier in Irland ersetzt unsere Weinberge und unseren Pfälzer Wald der Metropolregion Rhein-Neckar erstaunlicherweise schon sehr gut.

Außerdem bin ich weiterhin sehr froh Rugby angefangen zu haben, denn du lernst Schmerzempfindlichkeit zu vermeiden; im Training aber auch im Alltag. Außerdem gibt es ein gutes Gemeinschaftsgefühl eine andere Mannschaft besiegen zu können, wie heute bei meinem ersten Rugby Match.

Ein anderes Ereignis von dem ich sehr gerne schreiben möchte ist eine Geburtstagsfeier der Freundin meiner Gastmutter. Mir ist dort das erste Mal bewusst geworden, was für ein besonderer Ort das irische Pub ist. Denn selbst die anfangs noch nicht betrunkenen Erwachsenen hatten in all ihren Gesprächen so ein weites Lächeln im Gesicht, dass man fast glaubte deren Leben wäre immer perfekt. Die Menschen sind so locker und du fühlst dich nie alleine. Meine Beobachtung habe ich danach meiner Gastmutter erzählt die daraufhin gemeint hat, dass man hier, wenn man ein Pub betritt, alle Sorgen hinter sich lässt. Es war eine Atmosphäre die ich in Deutschland ein wenig vermissen werde.

Ein weiterer Punkt weshalb ich überglücklich bin hier sein zu können ist, dass ich meine Gastfamilie liebe und mit meiner lokalen Koordinatorin auch in einem super Kontakt stehe. Sie bereitet einmal im Monat Treffen mit unserer Regionalgruppe vor. Wir haben zum Beispiel mit einer Gruppe der Region Dublin einen Forest Park in Nordirland besucht. Das Besondere daran war alte Freunde der Vorbereitungsseminaren aus Deutschland wiederzutreffen und sich mit ihnen austauschen zu können. Schön ist nämlich, dass sie die aktuellen Gefühle am besten verstehen, da sie dasselbe durchmachen dürfen.

Halloween war eine ganz besondere Erfahrung. Ich bin es aus Deutschland gewohnt, dass ein paar Halloween feiern und ein wenig Halloween Verzierung in den Städten zu sehen ist. Aber der Unterschied im Vergleich zu Irland hat mich überwältigt. Wir haben den Tag bei meiner Gastoma in Dublin verbracht und alleine auf dem Hinweg habe ich schon sehr viele Halloween Kostüme beobachten können. Als wir dann erst an den Häusern in Dublin vorbeigefahren sind musstest du erst zweimal schauen um überhaupt ein Haus ohne Halloween Schmuck zu finden. Außerdem ist es üblich sich mit anderen an bis zu 4 Meter hohen Hexenfeuern auszutauschen und die eigentlich illegalen Böller zu bewundern.

Meine Gastfamilie und ich haben letztens noch einmal drastisch festgestellt, dass dieses Farmleben, das wir noch bis vor ein paar Wochen hatten sich leider sehr schnell reduziert hat. Unsere Hühner wurden vom Fuchs gefressen, die Schafe zum Schlachter gebracht und unser ältester Hund ist gestorben. Ich konnte damit erstaunlich gut auskommen, da ich durch die kurze Zeit noch keine Verbindung zu den Tieren aufgebaut habe. Aber selbst meine Gastfamilie war nicht traurig. Mein Gastvater erklärte mir dann, dass sie auch nicht glücklich darüber sind, aber darüber zu trauern würde auch nicht helfen, also schauen sie lieber nach vorne.

Diese Einstellung finde ich bewundernswert und da ich das Gefühl habe sie sind nicht die ersten Iren mit dieser optimistischen Lebenseinstellung, bin ich mit der Auswahl meines Gastlandes zufrieden.

Auch im gesamten bemerke ich hier so oft wie glücklich ich sein kann, hier sein zu können.

Alles Liebe und die besten Grüße aus Irland,

Anna