6.10.2020

Bericht #3 – Die Schule beginnt mit einem tragischen Anfang....

Heya!

Ich bin es wieder, euer Stipendiat Mathis, mit einem weiteren Blog zu meinem zehnmonatigen Leben in Irland. In diesem Blog geht es um meine ersten Schulerfahrungen, einen tragischen Fall in der Schule, meine Sportmöglichkeiten und wie es mir nach meinem ersten Monat in einem fremden Land geht. Wie schon gesagt, bin ich jetzt schon einen Monat in Irland und diese Zeit ging echt schnell um, weil man immer etwas Neues und Spannendes entdeckt. Die Menschen hier sind wahnsinnig nett und immer hilfsbereit. Meinen letzten Bericht hatte ich vor meinem ersten Schultag beendet und an dieser Stelle würde ich jetzt gerne weitermachen. Vor meinem ersten Schultag war ich sehr aufgeregt und habe mir am Abend davor schon mal vorgestellt, wie es wohl sein könnte. Obwohl die Schule erst um 9 Uhr anfängt, trafen sich meine Gastmutter, meine Gastschwester und ich um viertel vor 8 in der Küche, da meine Gastschwester immer etwas früher an der Schule sein möchte. Für mich ist das aber völlig in Ordnung, da ich um die Uhrzeit normalerweise in meiner Schule schon die erste Unterrichtsstunde habe. So wirklich wird morgens nicht gefrühstückt und es wird meistens nur ein Buttertoast gegessen und dabei ein Tee oder Kaffee getrunken. Danach haben wir unsere Sachen gepackt und sind mit dem Auto losgefahren. Die Schule liegt ungefähr 4.5 Kilometer entfernt und meine Gastschwester möchte nicht mit dem Fahrrad fahren, was ich auch ein klein bisschen verstehen kann, da es morgens manchmal nur ein Grad Celsius hat. Ich hatte an meinem ersten Tag nur ein paar Stifte und ein Collegeblock mit in der Schule, da ich meinen Stundenplan noch nicht hatte. Nachdem wir angekommen waren, wollte mich meine Gastschwester zur Information bringen, doch diese war noch zu und machte erst um 9 Uhr auf. Da ich noch niemanden in der Schule kannte, nahm mich meine Gastschwester mit zu ihren Freundinnen und stellte mich diesen vor. Als es 9 Uhr war kam meine Gastschwester mit mir zur Information und als sich dort die ganzen Austauschschüler/innen trafen, ging sie in den Unterricht. Mit mir waren wir 6 Austauschschüler/innen. 3 sind aus Deutschland, einer aus Österreich, eine Schülerin aus Italien und eine aus Tschechien.
 

Dann kam unsere Ansprechpartnerin aus der Schule zu uns und wollte unsere Flugtickets sehen, um zu überprüfen, ob wir auch unsere 14-tägige Quarantäne absolviert haben. Alles war bestens und dann bekam der Schüler aus Österreich schon seinen Stundenplan, denn er ist der einzige Schüler im „Transition Year“. Das „Transition Year“ ist so wie die 10. Klasse in Deutschland und basiert auf freiwilliger Teilnahme der irischen Schüler. Wir anderen sind im 5th Year und mussten unsere Fächer erst noch wählen. Dann war es soweit und der stellvertretende Schulleiter bat uns in sein Büro. Zu allererst hieß er uns im Namen der Schule „Herzlich Willkommen“ und danach führten wir die Fächerwahl durch. Wir Austauschschüler/innen stellten uns in einen Kreis und er teilte uns unsere Optionen mit. Zum Glück konnte ich Physik, Chemie und Kunst verhindern und bekam dafür Agriculture Science, Musik und Geschichte. Leider darf ich kein Irisch lernen und bekam dafür Technologie. Außerdem müssen alle Schüler an der Schule drei Fächer machen: Career Guidance, Enterprise Education und Religious Education. Career Guidance und Enterprise Education sind fast die gleichen Fächer. Beide behandeln die spätere Berufswahl wobei man bei Career Guidance mehr Wertschätzung auf das Studium und bei Enterprise Education auf Vor/Nachteile eines Berufes oder auch Forderungen des Arbeitgebers und Arbeitnehmers legt. Diese Fächer sowie Agriculture Science haben wir zum Beispiel in Deutschland nicht. In Agriculture Science geht es viel um das Farmen und um die Sicherheit der Tiere in Irland. Ich habe jeden Tag bis auf Mittwoch von 9 bis 16 Uhr Schule mit jeweils einer 20 Minuten und einer 40 Minuten Pause. Mittwochs habe ich bis viertel nach eins Schule. Die Stunden an sich sind 58 Minuten lang und man hat jedes Fach immer nur eine Stunde pro Tag, also keine Doppelstunden wie beispielsweise in Deutschland. Am Anfang des Tages hat man für 15 Minuten das sogenannte „Pastoral Care“, in dem man sich mit seiner Klassenlehrerin trifft und guckt ob alle Schüler da sind und ob jemand etwas auf dem Herzen hat. Nach diesen 15 Minuten geht jeder in seine Kurse und nach der ersten Stunde hat man dann die 20 Minuten Pause. Danach kommen 2 weitere Stunden und dann ist die 40-minütige Pause, gefolgt von den letzten 3 Stunden des Tages.

Nachdem Katie und ich von meiner Gastmutter abgeholt wurden, gab es für uns ein warmes Mittagessen. Danach werden die Hausaufgaben gemacht und dann bleibt auch nicht mehr so viel Zeit um noch andere Dinge zu machen. Meistens trudeln ein paar Gastbrüder abends ein und dann essen wir zu Abend. Ich gehe so gegen 21:30 schlafen, um am nächsten Morgen fit zu sein. Meine Gastschwester war an diesem ersten Abend ein bisschen traurig, verständlicherweise, denn meine Gastmutter erzählte mir am nächsten Morgen, dass sich eine Schülerin aus dem 5th year am Abend zuvor das Leben nahm… Das war natürlich ein Schock für mich und ich konnte das zu allererst gar nicht glauben. Nachdem wir an der Schule ankamen, waren alle etwas betrübt und niemand wusste wirklich so richtig, was er nun sagen soll. Die Klingel ertönte und wir gingen in die Schule. Im Pastoral Care wurde uns die gesamte Sache, die eigentlich schon jeder wusste, gesagt und unsere Lehrer sagten, dass sie für uns da seien und dass wir jederzeit mit ihnen reden könnten. Es wurde sogar ein extra Raum für Schüler aufgemacht, in den sie gehen können, wenn sie sich schlecht fühlen. Am restlichen Tag war die Stimmung bei jedem, sei es Schüler oder Lehrer, selbstverständlich nicht gut und auch wenn ich sie nicht kannte, weil ich erst ein Tag da war, fühlte ich mich nicht gut, doch trotzdem ging auch dieser Schultag vorbei. An dieser Stelle muss man sagen, dass es sehr viele Schüler gibt, die sehr hilfsbereit und verständnisvoll sind. Ich habe auch schon sehr viele gute Kontakte geknüpft.

In der ersten Schulwoche feierte meine Gastmutter ihren 52. Geburtstag. Am Wochenende sind wir dann nach Nord-Irland, genauer gesagt nach Cuilcagh gefahren, um den „Stairway of Heaven“-Weg zu laufen, der ungefähr 12 Kilometer lang war. Mit dabei waren meine Gastmutter, 2 meiner Gastbrüder, Joseph und Pauric, meine Gastschwester Katie und 2 Cousins meiner Gastgeschwister. Dieser Weg hat mich total an die Yorkshire Dales in England erinnert und ich habe diesen Weg sehr genossen. In der zweiten Woche war es dann endlich soweit und ich konnte endlich Sport machen. Zum einen schwimme ich jetzt in dem 20 Kilometer entfernten Kells montags und mittwochs und zum anderen bin ich in einem Cycle Club, einem Fahrradclub. Dadurch, dass meine Gastmutter in Kells 5-mal in der Woche im Gym ist, nimmt sie mich mit hin und wieder zurück. Durch Corona gibt es keinen Schwimmunterricht, doch das macht mir nichts. Ich mache mir meinen eigenen Unterricht von jeweils 18 bis 19 Uhr. Man muss sich eine Woche vorher anmelden, damit man überhaupt schwimmen kann. Der Cycle Club ist jeden Samstag und Sonntag. Am Samstag ist die fortgeschrittene Gruppe und am Sonntag die „normale“ Gruppe. Doch das Problem ist, dass ich noch kein Fahrrad habe, was das Wichtigste dafür ist. Dadurch, dass ich in die fortgeschrittene Gruppe möchte, brauche ich ein Rennrad und diese sind sehr teuer. Ich wollte mir daraufhin ein Fahrrad aus 2ter Hand kaufen, doch auch die sind teuer und es muss natürlich auch in meiner Region zu bekommen sein. Doch ich bin optimistisch und werde auf jeden Fall eines finden! Bisher habe ich noch keinen typisch irischen Sport gemacht, doch das werde ich in meiner Zeit hier auf jeden Fall noch tun. Hoffentlich kann ich euch in meinem nächsten Blog erzählen wie das war. Am letzten Wochenende waren alle Austauschschüler/innen aus meiner Region in Cavan Kajak fahren und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Obwohl es so kalt war, waren wir alle dankbar diese Erfahrung mal gemacht zu haben. Außerdem hat meine Gastfamilie einen Billiard-Tisch, an dem ich schon fleißig trainiert habe, um später mal meine Schwester, meinen Vater und meinen Bruder zu schlagen. Abschließend kann man sagen, dass ich mich immer noch sehr gut fühle und ich die Zeit hier sehr genieße, auch wenn der Schulalltag noch neu und mit einem gewissen Druck verbunden ist.

Bleibt gesund und vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, euer Stipendiat der Metropolregion Rhein-Neckar, Mathis Schlüchtermann