30.11.2020

Bericht #5 – Kinder, wichtige „gaelic football” Spiele und eine anstrengende Schulwoche

Heya,

und damit ein herzliches Willkommen zu meinem 5. Blog über mein Auslandsjahr in Irland. Den letzten Blog hatte ich vor meinen ersten Ferien beendet, und an dieser Stelle würde ich gerne weitermachen. In diesem Blog erfahrt ihr wie diese Ferien waren, was meine Familie an Halloween macht und wie meine erste „Test-Woche“ in der Schule war.

Meine ersten Ferien haben erstmal mit einem „Bank-Holiday Tag“, einem Feiertag in Irland, begonnen. Für Feiertage ist es üblich, dass es morgens einen reich bestückten Frühstückstisch gibt und dass man zuallererst ausschläft. Für dieses Frühstück gab es Würstchen, Eier, Schinken, Müsli, Säfte, verschiedene Brot-Sorten und Obst. Nachdem alle satt waren wurde es Zeit, um auf der Farm nach dem Rechten zu schauen. Meine Aufgabe war es dieses Mal die Kühe zu füttern und zu tränken. Ich fühle mich auf der Farm sehr wohl und es gibt immer neue Sachen die man entdeckt. Oftmals gehe ich nach der Schule runter zur Farm, um die Kühe zu füttern oder die Farm-Luft zu schnuppern.

Den restlichen Tag haben wir als Familie zusammen verbracht, wir haben viel geredet und zusammen gegessen. Am Abend sind dann Pauric und Joseph nach Dublin zurückgefahren. Die nächsten Tage war es ein komisches Gefühl nicht mehr in die Schule gehen zu „müssen“, und ausschlafen zu dürfen. Meine Gastmutter ist von Beruf eine Tagesmutter und unter der Woche kümmert sie sich um 3 kleine Kinder. Da ich schulfrei hatte kümmerte ich mich auch um diese und ich hatte sehr viel Spaß dabei. Ich spielte mit den Kindern draußen im Garten oder auch drinnen mit Spielen wie z.B. Hoppe-Hoppe-Reiter. Das gibt es in Irland nicht, dennoch hatten die Kinder sehr viel Spaß dabei. Außerdem wollten sie auch oftmals auf meine Schultern oder hochgehoben werden. Natürlich habe ich nebenbei auch etwas für die Schule gemacht, denn die nächsten Wochen nach den Ferien sollten sehr anstrengend werden. Auf jeden Fall habe ich eine gute Mischung aus lernen, mit den Kindern spielen und Fahrradfahren gefunden. Fahrradfahren ist extrem wichtig, vor allem wenn man viel lernt und auch alle anderen Sportaktivitäten momentan ausfallen. Außerdem bat mich mein Gastbruder bis zum nächsten Freitag Stöcke einzusammeln. Am Freitag, 30.10., kamen dann auch meine Gastbrüder aus Dublin wieder und die Familie zu Hause wurde wieder größer. Normalerweise macht die Familie am 31. Oktober, also an Halloween, ein großes Lagerfeuer oder auch Knochenfeuer (Bonfire) genannt. Dieses Feuer wird angezündet, als Zeichen für Stärke und Gemeinschaft. Doch da es am 31. regnen sollte, machten wir dieses Feuer schon einen Tag früher. Für solch ein großes Lagerfeuer brauchen wir natürlich auch eine Menge Holz, die Katie, Pauric, David und ich besorgt haben. Dafür sind wir mit dem Traktor zu Davids Haus gefahren und haben viele Stöcke geholt und auch bei Sean noch Material für das Feuer abgeholt. Außerdem die Seile, die die Heuballen zusammengehalten haben. Am Ende hatten wir ein sehr gutes Ergebnis und es war herrlich bei so etwas dabei zu sein. Wir alle saßen oder standen zusammen und redeten bis tief in die Nacht. Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht ein erstes traditionelles Fest in Irland mitzuerleben und es war ein unvergesslicher Abend.

Am nächsten Tag war Halloween und ich schnitze für meine Organisation (Interstudies) einen Kürbis, für eine kleine „Challenge“. Ich hatte dabei aber nicht sonderlich viel Spaß und ich war mit dem End-Ergebnis nicht wirklich zufrieden. Am Nachmittag schauten wir dann Rugby, Irland gegen Frankreich. Dabei hatten wir alle sehr viel Spaß, auch wenn Irland gegen die starken Franzosen verlor. Den Abend haben wir dann gemütlich mit Pizza und Kuchen gestaltet.

Da wir 4 Kilometer von der Ortsmitte entfernt wohnen, kamen auch keine kleinen Kinder zu uns an die Tür.

Am Sonntag schliefen wir erstmal lange aus und hörten uns wie jeden Sonntag auch die Messe an. Wegen Corona ist es nicht möglich in die Kirche zu gehen, deswegen wird die Messe für alle Familien live übertragen. Der Gottesdienst geht eine Dreiviertelstunde und es werden viele Kirchenlieder gesungen und aber auch moderne Pop-Songs. Außerdem wird das Vater-Unser und das Glaubensbekenntnis gebetet.

Dann waren auch meine ersten Ferien in Irland vorbei, und ich durfte wieder in die Schule. Wegen Corona schreiben wir nicht in der letzten Woche vor den Winterferien unsere Arbeiten, sondern 3-mal 1 Woche im Jahr verteilt. Die erste Test-Woche war demnach schon in der dritten Woche nach den Ferien.

Am Wochenende bevor meine Test-Woche startete kam die ganze Familie zu einem großen Sonntagsessen zusammen. Die größte Schwester kam auch zum ersten Mal mit ihrem Freund und ihrer kleinen Tochter zu uns. Ich habe ihren Freund zum ersten Mal getroffen und dieser ist ein sehr lieber und ein großer „Cavan“ Fan im „gaelic football“, genau wie die restliche Familie. Gaelic Football ist Irlands Nationalsport und pro Mannschaft sind 15 Spieler auf dem Feld. Der Ball darf mit jedem Körperteil berührt werden, auch wenn es Football heißt. Die meisten Spieler rennen mit dem Ball in der Hand herum, müssen jedoch dabei den Ball nach jedem vierten Schritt entweder auf den Boden werfen und danach wieder fangen, oder den Ball mit dem Fuß kurz in die Luft schießen. Das Tor eines gaelic football-matches besteht aus 2 Teilen. Der untere Teil ist ein normales Tor mit einem Netz und der obere Teil besteht aus 2 parallelen Stäben. Wenn man ins Tor trifft, wird das als 3 Punkte gewertet und wenn man zwischen die Stäbe trifft bekommt man 1 Punkt. Eine Spielpartie dauert 70 Minuten und nach 35 Minuten gibt es eine Pause. Im Falle eines Gleichstands werden 20 Minuten zusätzlich gespielt. An diesem Tag stand das Halbfinale zwischen „Cavan“ und „Down“ im Ulster Cup an. Doch bevor wir das schauten, gab es erstmal ein riesiges Essen, mit Kartoffelbrei, Bohnen, Rind, Würstchen und Karotten. Wir waren insgesamt 12 Menschen und haben nicht alle an den Tisch gepasst, weswegen ein paar im Wohnzimmer essen mussten. An Weihnachten sind wir sogar noch mehr. Als dann alle mit Essen fertig waren, begaben sich viele ins Wohnzimmer um das Spiel zu schauen, die anderen schauten es in der Küche. Anfangs sah das Spiel überhaupt nicht gut für Cavan aus, weswegen sich die Familienmitglieder auch sehr stark aufregten. Doch Cavan kam zurück und legte einen wahnsinnigen Endspurt hin und alle haben sich ausgiebig über den Sieg gefreut.

Nach diesem tollen Ereignis musste ich mich wieder auf die Schule konzentrieren, denn meine Test-Woche stand an und ich hatte 6 Tests von Dienstag bis Freitag. Doch das eigentliche Problem war, dass wir für diese jeweils nur 1 Stunde Zeit hatten, und oftmals die Zeit nicht reichte.

Doch ich war sehr positiv von mir überrascht und habe überall ein gutes Gefühl. Diese Tests werden mit den Tests davor zusammengerechnet und als eine Note gehandhabt, die dann als November-Bericht an uns Schüler eine Woche später zurückgegeben wird.  Auf diese Berichte bin ich sehr gespannt und ich will unbedingt wissen, wie die Lehrer meine Leistung und mein Verhalten einschätzen.

Am Wochenende war dann das Finale im Ulster Cup zwischen „Cavan“ und „Donegal“ im gaelic football. Dieses Mal war aber Marys Freund nicht dabei, doch wir hatten trotzdem extrem viel Spaß und das Spiel war sehr knapp. Am Ende hat „Cavan“ gewonnen und hat erstmals seit 23 Jahren einen Titel gewonnen. Danach hörte man überall Autos hupen und Menschen draußen brüllen, die Cavan feierten.

Also zwei sehr erfolgreiche Wochen für Cavan, meinen County, hintereinander.

In Sachen Corona hat sich die Lage nach dem Start von Level 5 deutlich verbessert und wir haben sehr viel Hoffnung, dass wir in der Weihnachtszeit wieder mehr unternehmen können.

In der kommenden Woche schreibe ich noch einen Musik-Test und muss für Musik meiner Lehrerin zwei Songs auf meiner Gitarre vorspielen, die ich bis Freitag abgeben muss. Zum Glück habe ich meine Gitarre mit nach Irland genommen, damit ich üben kann.

 

Ich hoffe es geht euch weiterhin gut und ihr seid alle froh und munter.

Viele Grüße und bleibt gesund,

euer Stipendiat Mathis Schlüchtermann