30.12.2020

Bericht #4 – Weihnachten und Neujahr in England

Im Jahr 2020 waren die Feiertage wohl für jeden eine etwas sonderbare und sehr andere Zeit, als man es gewohnt ist. Für mich war es natürlich noch ein bisschen extremer, die Feiertage in einem fremden Land, mit einer anderen Familie und anderen Traditionen zu feiern. Auch wenn ich die Traditionen nicht in vollem Maße hier erleben konnte, da wir natürlich auch Corona-bedingt sehr eingeschränkt waren und ich die Abende ausschließlich mit meiner Gastfamilie verbracht habe, habe ich trotzdem eine gute Vorstellung davon bekommen, wie so etwas hier normalerweise aussieht.

Der größte Unterschied war für mich, dass Weihnachten oder „Boxing Day“ hier am 25. Dezember gefeiert wird, das heißt Geschenke werden nicht am Abend des 24. Dezembers ausgepackt, sondern am Morgen des  25. Zu den traditionellen Weihnachtsgerichten gehört hier Trutan, Pigs in Blankets (Würstchen eingerollt in Speck), und Mincepie. Das war auf jeden Fall mal etwas ganz anderes, auch wenn ich mich nicht mit allem anfreunden konnte. Zu dem Essen gehören auch kleine explosive Bonbons, die man nach dem Essen feuert, um ein kleines Geschenk und eine bunte Papierkrone daraus zubekommen. Die Papierkronen werden für den Rest des Essens auf dem Kopf behalten. 

An Neujahr war es auch sehr still dieses Jahr, Silvester wird in Großbritannien so wie in Deutschland gefeiert. Feuerwerke auf der Straße siehst man in der Silvesternacht allerdings nicht so viele wie bei uns. Beim Jahreswechsel wird traditionell auch heute noch das Lied „Auld Lang Syne“ gesungen. das große nationale Feuerwerk in London wird aber normalerweise immer von tausenden Leuten live und über das Fernsehen verfolgt. Wir haben an Neujahr, statt ein großes Essen zu kochen, chinesisch bestellt und es uns gemütlich gemacht. Abends hat es angefangen zu schneien, was für Lancashire sehr ungewöhnlich ist, also bin ich mit meiner Gastschwester und meinem Gastvater noch eine Weile raus in den Schnee gegangen.

Da ich ja hier nach Deutschland eine Zeitverschiebung von einer Stunde habe, konnte ich meine Familie Zuhause noch um 23 Uhr in Ruhe anrufen und eine Stunde später noch hier mit meiner Gastfamilie auf das neue Jahr anstoßen.  Ich hatte mir es schwerer vorgestellt, vor allem an den Feiertagen weg von Zuhause zu sein, doch irgendwie war alles so neu und anders, dass es sich nicht wirklich nach den Festtagen angefühlt hat.    

Für mich ist jetzt ziemlich genau die Hälfte meines Austauschjahres vorüber, was viel schneller vorübergegangen ist als ich es erwartet habe und ich hoffe, dass die zweite Hälfte noch viel schöner und hoffentlich weniger eingeschränkt verläuft. Um mir die Möglichkeiten zu geben, noch den ein oder anderen Ort außerhalb von Lancaster zu sehen.