14.3.2021

Bericht #7 – Online-Schule und strikte Maßnahmen der Regierung

Heya und damit ein herzliches Willkommen zu meinem nächsten Bericht aus Irland. Ich weiß, dass mein letzter Blog eine ziemliche Weile her ist, jedoch ist nicht wirklich viel passiert, über das ich hätte schreiben können.Nach meinem letzten Bericht hat bei mir die Online-Schule angefangen und ich bin seitdem immer noch zu Hause, schreibe meine Arbeiten und lerne vor mich hin. Es war eine ziemliche Umstellung für mich, plötzlich von Zuhause aus arbeiten zu müssen. Auch wenn ich die Online-Schule schon einmal hatte, war es komisch alles auf Englisch zu erleben. Meine Freunde waren nicht da und ich habe sie seit anderthalb Monaten nicht mehr gesehen. Außerdem waren fast alle Geschäfte geschlossen, inklusive aller Frisöre, weswegen meine Haare soooo lang sind, zur Freude meiner Eltern. Trotz Corona habe ich eine Sache die mir keiner wegnehmen kann: die Farm. Ich liebe es auf der Farm zu leben. Manchmal kann es aber auch extrem anstrengend und nervig sein. Es kommt immer ganz auf das Wetter an. Das ist das Schöne daran in der Countryside zu leben, denn du hast immer die Möglichkeit rauszugehen und herumzulaufen.

Im letzten Monat sind viele Kälber geboren und es war sehr spannend diese Geburten in 'Reallife' zu sehen und mitzuerleben. Allerdings sterben auch jedes Jahr ein paar Kälber – manchmal hat der Farmer Glück und manchmal Pech. Mein Gastvater hat mir erzählt, dass ungefähr 35 Kälber jedes Jahr geboren werden, und je 2-3 sterben. Doch dieses Jahr war es extrem schlimm und von 20 Neugeborenen sind 6 gestorben, weswegen mein Gastvater 6 Kälber kaufen musste. Wenn ein Kalb geboren wird produziert die Mutter Muttermilch – oder wie es in Englisch heißt 'Colostreum'. Diese Milch ist die wichtigste Milch für ein Kalb, da es Wärme, Proteine und vor allem Antibakterien enthält. Doch wenn das Kalb stirbt, kann die Kuh diese Milch nicht abgeben und stirbt deswegen. Die Kuh stirbt, weil das Colostreum hart wird und weder Nahrungsmittel noch sonstige wichtigen Lebensmittel die Kuh erreichen können. Deswegen muss man vom toten Kalb die Haut abziehen und einem anderen Kalb auf den Rücken legen, damit dieses den Geruch vom toten Kalb annimmt. Das ist dafür wichtig, dass die Kuh das nicht-familiäre Kalb an sich heranlässt. Es klingt brutal, doch das ist die einzige Möglichkeit, die Kuh am Leben zu halten.

Oftmals wird die Kuh mit Nahrung abgelenkt, sodass das Kalb genug Zeit hat um die Milch zu trinken. Auf der Farm haben wir, mithilfe von anderen Personen, eine neue, kleine Scheune für die Kälber gebaut. Sie ist noch nicht ganz fertig, jedoch sind wir gut vorangekommen. Ich hatte für eine Woche 'Midterm-Break' zwischen meinen Online-Schulwochen, in der ich von morgens bis abends auf der Farm war, um meinen Gastgeschwistern und meinem Gastvater zu helfen. Wir mussten nämlich Blechplatten für das Dach der Scheune anmalen und sauber machen – wir mussten den Rost entfernen, was nicht nur Kraft, sondern auch Zeit bedeutete. Es gab insgesamt 28 Blechplatten und es war super anstrengend. Als diese dann fertig waren, mussten wir sie an der Scheune befestigen. Dazu benötigten wir 3 Leitern und viele fleißige Helfer.

Da es nicht möglich war/ist Teamsportarten zu tätigen, war/bin ich immer noch mit meinem Fahrrad und meinen Beinen für mich alleine unterwegs. Meine Familie hat außerdem einen kleinen, privaten Wasserfall 200 Meter vom Haus entfernt. Joseph hat ihn mir mal gezeigt und es ist etwas total Schönes, sowas in seiner Nähe zu haben. Wenn es dabei noch ein bisschen regnet und windig ist, fühlt man sich einfach nur gut und frei.

In den ersten Online-Schulwochen war es ganz gut, da wir nur 3-4 Stunden am Tag Schule hatten, jedoch hat sich dann das Online-Schulsystem geändert und wir sind zu dem normalen Stundenplan zurückgekehrt. Das hieß, Online-Schule von morgens 9.00 Uhr bis nachmittgas um 16.00 Uhr, mit nur 2 kleinen Pausen. Außerdem schrieben wir auch in diesen Wochen Arbeiten und Tests. Ich finde aber, dass die Schule alles sehr gut organisiert hatt und man sich gut den Alltag strukturieren konnte. Jeden Tag gab es von den Sportlehrern aus eine Challenge, die aus Sportaktivitäten bestand, damit die Schüler sich bewegen und nicht nur den ganzen Tag vor dem Computer/Laptop sitzen. Es war sehr abwechslungsreich und es ging meistens eine halbe Stunde lang.

Am ersten Februar gibt es in Irland einen Feiertag, den `Saint Brigid`s Day`. `Saint Brigid` ist eine heilige Figur in Irland, die damals für arme und kranke Menschen da war und sich um sie gekümmert hat. Dafür bastelt man kleine Kreuze aus Schilf und in meiner Gastfamilie ist Harry dafür zuständig. Ich habe ihm selbstverständlich geholfen, und mein Bestes gegeben, auch wenn Basteln oder allgemein Handwerkarbeiten mir nicht wirklich liegen. Doch es hat sehr viel Spaß gemacht und am Schluss hatten wir insgesamt 12 Kreuze, die wir an die ganze Familie verteilt haben. Außerdem wird der 1. Februar in Irland als Frühlingsanfang angesehen und es beginnt alles schön bunt zu werden.

Seit meinem letzten Bericht haben mein Bruder Joseph und ich jeden Tag Tischtennis gespielt und es ist immer supergute Stimmung zwischen uns beiden und ich verstehe mich mit ihm richtig gut. Doch auch insgesamt ist meine Familie toll und ich verstehe mich super mit jedem Einzelnen.

Am 05.03 war der Zeitpunkt für mein halbjähriges Irland-Jubiläum gekommen und ich blicke trotz Corona mit einem Lächeln zurück, weil ich so viel erlebt habe. Für Außenstehende ist es vielleicht undenkbar, viel in einem anderen Land zu erleben, weil sie denken, dass man wegen Corona nichts machen kann. Doch ich kann Sport machen, ich habe meine Landschaft und die schönsten Gegenden um mich herum, eine große Familie mit vielen Festen und am Anfang konnte ich mich mit meinen irischen Freuden treffen. Das Einzige was ich nicht machen konnte war, durch Irland zu reisen. Doch ich bleibe optimistisch, dass ich das in den nächsten Wochen/Monaten auch machen kann. Sobald mein Gastvater geimpft ist, kann ich loslegen. Ich bin dankbar für jede Erfahrung die ich bereits hier machen konnte und ich bin mir sicher, dass ich noch einige mehr machen werde.

Mir geht es gut und ich bin glücklich da zu sein, wo ich jetzt gerade bin und sein darf.

Das war es soweit von mir und meinem Leben aus Irland.  Vielen Dank, lieber Leser, dass du immer noch am Start bist und meine Berichte liest, und mich auf meinem neuen und spannenden Lebensweg begleitest. Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr seid gesund.

Bis zu meinem nächsten Bericht alles Gute und bis bald,

euer Stipendiat der Metropolregion Rhein-Neckar, Mathis Schlüchtermann