18.7.2017

Bericht #10

Wie schon angekündigt, bin ich nun beim Bericht über meinen letzten Monat in den USA und dem Heimflug angekommen.

Mein Austauschjahr ist wie im Flug vergangen und im letzten Monat hatte ich noch eine tolle Zeit, die mit einem Ausflug zu Six Flags begann, den ich mit Freunden unternahm. Six Flags ist ein riesiger Achterbahn-Park – einer der größten seiner Art weltweit – bei Chicago, ungefähr 1,5 Stunden von meinem amerikanischen Gastort Fort Atkinson entfernt. Da es am Morgen noch ein bisschen geregnet hatte, war der Park am Anfang sogar richtig leer und wir mussten nicht wirklich viel anstehen. Der ganze Tag war super und stetig von Adrenalin durchflutet. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Die erste Woche im Juni war dann schon die letzte Schulwoche an der Fort Atkinson High School und da ich als Senior eingestuft war (12te Klasse) durfte ich dort mit graduieren. In den USA ist das ein riesiges Ereignis. Alle Austauschschüler, so auch ich, wurden gebeten, eine kurze Rede zu halten, in der wir uns bei der Schule, den Familien und den uns begleitenden Lehrern bedanken und unsere Erfahrungen kurz schilderten. Daneben gab noch vier weitere Reden von den Schülersprechern, dem Direktor und dem Schulratsvorsitzenden. Nach den Reden wurde jedem Schüler einzeln sein Diploma ausgehändigt. Da wir 230 12.Klässler waren, hat die ganze Zeremonie ziemlich lange, nämlich über 2.5 Stunden, gedauert.

Nach dem Festakt habe ich eine traditionelle Graduationparty mit ein paar Freunden und meiner Gastfamilie bei uns zuhause gefeiert, was sehr schön war. Für mich war die Graduationparty aber auch gleichzeitig eine Abschiedsparty für ein paar Freunde, weshalb es ein bisschen traurig war. Trotzdem hatten alle viel Spaß und es war ein gelungener Abschied -- mit einer großen Wasserschlacht, um die Hitze zu bekämpfen.

Am Tag nach der Graduation habe ich mich morgens um 4.30 Uhr mit 2 Freunden getroffen,  um wandern zu gehen. Der Sonnenaufgang war fantastisch. Das Wandern hat sich um 9 Uhr und nach 7 Meilen als eine eine lustige, aber sehr anstrengende Idee herausgestellt., da es dann schon 30 Grad hatte. Wir sind trotzdem bis 3 Uhr nachmittags gelaufen und dann zusammen nach Hause gefahren und wir alle hatten trotz der Hitze unglaublich viel Spaß miteinander. Aber war es natürlich auch ein Abschied, was es ein bisschen traurig gemacht hat.

In den nächsten zwei Tagen habe ich dann gepackt und bin dann mit meiner Familie noch für 10 Tage in Urlaub gefahren. Bei diesem Trip habe ich erstmals wirklich eine Vorstellung der unglaublichen Größe der USA bekommen. Wir fuhren von Fort Atkinson aus zu unserem ersten Stopp nach Washington DC, wo wir uns mit Onkel und Tante meines Gastvaters trafen, die dort in einem Apartment wohnen. Allein die Fahrt nach Washington DC war zwar ca. 1400 Kilometer und 18 Stunden lang, führte aber nur durch ein „Bruchteil“ der USA.

In Washington DC haben wir Sightseeing gemacht und uns trotz der drückenden Hitze fast alle berühmten Gebäude angeschaut und sind auch ins “National Air And Space Museum ” gegangen. Wir konnten außerdem sogar ohne Reservierung eine Führung durch den Senat im Kapitol bekommen, was super beeindruckend war und sehr interessant. Eins der erstaunlichsten Dinge für mich war, dass alle Museen und Gebäude freien Eintritt gewähren. Dadurch konnte man sich viel mehr anschauen. Auf diese Weise können auch nicht so wohlhabende Interessierte, alles in der Hauptstadt anschauen.

Nach 2 Tagen in Washington DC fuhren wir weiter nach North Carolina in die Outer Banks, wo wir eine Woche im Ferienhaus von Onkel und Tante des Gastvaters gewohnt haben. Die Outer Banks sind kleine Inseln und Halbinseln vor der Ostküste, die durch eine große Straße verbunden und voll mit Ferienhäusern sind. Es ist unglaublich schön dort. Für die Verwandten meiner Gastfamilie ist es auch praktisch, da die Outer Banks “nur” 4 Stunden von Washington DC entfernt sind.

Es war ein richtiger Strand-Urlaub: Wir lagen viel am Strand oder am Pool und haben die Sonne genossen. An einem Tag waren wir auch das Cape Hatteras Lighthouse besuchen. Das ist der höchste Stein-Leuchtturm der USA und da die Outer Banks sich immer weiter verändern, wurde der ganze Turm in einer riesigen Aktion 1999 um 800 Meter ins Inland bewegt, damit er nicht ins Meer gespült wird, was durch die ständige Veränderung der Sandbänke fast passiert wäre.

Die Urlaubswoche in North Carolina war super und sehr erholsam. Die Rückfahrt dagegen dauerte 21 Stunden lang, was für uns als Europäer kaum vorstellbar ist, besonders da Steve und Stacy, meine Gasteltern, durchgefahren sind – ohne Übernachtung. Danach ging alles sehr schnell: Ich habe meine nun zwei (Übergepäck, yay!) Koffer und mein Handgepäck gepackt und musste mich dann am 26. Juni verabschieden. Es war super traurig und sehr tränenreich.

Alle Austauschschüler verschiedenster Länder wurden von AFS gesammelt und wir mussten dann fast 10 Stunden in Madison bzw. Chicago in einer Turnhalle warten, was ziemlich anstrengend war. Kurz nach 16 Uhr hieß es Abschiednehmen von den USA und Abflug von Chicago O’Hare in Richtung Frankfurt, wo mich meine Familie schon morgens um 7.20 Uhr begrüßte.

Damit schließt mein super spannendes, ereignisreiches, erfahrungsreiches, schönes Jahr in den USA ab. Ich hoffe, alle die meine Blogs gelesen haben, hatten Spaß dabei und konnten Neues erfahren. Vielleicht haben manche sogar auch Lust auf ein Austauschjahr bekommen. . .

Viele Grüße Euer Sebastian