27.6.2017

Bericht #6 - Letzter Monat in Argentinien

“Falta poco, me quedan 3 semanas” Ich weiss gar nicht, wie oft ich in den letzten Tagen und Wochen schon gefragt wurde, wie viel Zeit mir denn noch bleibt. Leider lautete meine Antwort dann immer: “Nicht mehr lange, nur noch 3 Wochen”. Ich kann es kaum glauben, dass das Jahr schon fast zu Ende ist. Vor allem die letzten 3 Monate vergingen wie im Flug.  

In gut drei Wochen werde ich schon im Flugzeug sitzen und auf dem Rückweg nach Deutschland sein. Ich werde zurückschauen auf ein Jahr voller schöner Erlebnisse, Reisen, aber vor allem auf die vielen Wochenenden, die ich zusammen mit meinem Freunden verbracht habe. Ich durfte eine neue Sprache lernen, habe eine zweite Familie gefunden und mir viele Kontakte aufgebaut.

Da wir fast jede Woche mindestens einen Feiertag haben, bleibt mir viel Freizeit. Egal ob ich mich mit Freunden treffe, ins Fitnessstudio gehe, oder Volleyball-Training habe. Langweilig wird mir hier eigentlich nie. Letzte Woche konnte ich auch die kurze Hose wieder auspacken und bei 23 Grad mitten im Winter die Sonne geniessen. Hier im Osten Argentiniens macht nicht der April, sondern einfach der Winter was er will. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit sind auch leider wieder Unmengen an Insekten gekommen. Von Käfern, Motten oder Moskitos, hier hat es einfach alles. In letzter Zeit hatte es wieder viele Stromausfälle. Da man es aus Deutschland nicht gewöhnt ist, bekommt man da schon ein komisches Gefühl. Vor allem wenn man abends durch die Straße läuft und es auf einmal stockdunkel wird. Das sind schon Sachen, die ich an Deutschland sehr schätze.

Mit meiner Familie verbringe ich viel Zeit. Egal ob ich mit meinem kleinen Bruder Playstaion spiele oder wir alle zusammen im Garten grillen. Wir haben immer viel Spass. Auch mit dem Asado zubereiten klappt es mittlerweile schon sehr gut. Es ist nicht ganz einfach, da man einfach so viel beachten muss bei der Zubereitung. Wenn ich eine Sache nennen müsste, die in Argentinien einfach dazu gehört, würde ich wohl ganz klar sagen: ein Asado.

Da wir letzte Woche Dienstag keine Schule hatten, weil der “dia de bandera” (Tag der Flagge) gefeiert wurde, besuchten wir mal wieder mit der Familie meinen Bruder in der zwei Stunden entfernten Stadt Santa Fe. Eigentlich wollten wir uns alle zusammen Tecnopolis besuchen. Das ist quasi wie die argentinische Variante der Expo, bloss kleiner. Jedoch fiel das leider aus, da es nur einen Bus gab für circa 500 Personen. So haben wir den Tag dann mit Shoppen und Matetrinken verbracht, was letztendlich auch nicht so schlimm war.

Ich muss mir auf jeden Fall noch ein Matebecher kaufen, bevor ich wieder zurück in die Heimat fliege. Hier in Argentinien ist einfach alles etwas anders und leider auch oft schlecht organisiert. Sei es, wenn man ein Paket annehmen will, oder man nur zum Arzt möchte. Ich will nicht sagen, dass hier alles schlechter ist, aber Argentinien ist schon eine ganz andere Welt im Vergleich zu Deutschland. Falls ich es noch nicht erwähnt hatte in diesem Blog: Mate ist ein traditionelles Gedränk, was man hier in Argentinien und in Uruguay fast den ganzen Tag trinkt. Es praktisch genauso allgegenwärtig wie das Bier in Deutschland.

In meinem letzten Monat wollte meine Familie eigentlich noch einmal mit mir verreisen. Das fiel dann doch leider aus, da vor circa 4 Wochen unser Auto kaputt ging, und so ein neues gekauft werden musste. Da war das Geld dann knapp und hat leider nicht mehr für eine Reise in den Süden Argentiniens gereicht. Zuerst war ich doch etwas traurig, vor allem weil ich noch mehr von diesem schönen Land sehen wollte. Letztendlich war es gar nicht so schlimm, da mir so noch viel mehr Zeit geblieben ist, die ich mit Freunden verbracht habe. Einige meiner Klassenkameraden, die mit der Zeit richtig gute Freunde geworden sind, werde ich dann auch sicher sehr vermissen.

Vor allem in der letzten Zeit ging ich meist sehr müde in den Montag, da meine Wochenenden immer voll verplant waren. Freitagabend ein Asado mit Freunden, am Samstag dann immer feiern in einem der gefühlt zehn Clubs, die es alleine hier in meiner Stadt gibt, und sonntags mit dem ganzen Team auf unsere Spieltage. Ich freue mich jetzt schon ganz besonders auf meinen letzten Spieltag nächstes Wochenende und die Abschlussfeier die noch ansteht, vor allem weil ich so viel Zeit in diesem Jahr in meinem Club und mit meiner Mannschaft verbracht habe.

Das nächste mal melde ich mich dann wieder aus der Metropolregion Rhein-Neckar, meiner Heimat!

Hasta luego, Henry