20.4.2017

Bericht #5 - Frühling in Kalifornien

Ich hoffe, ihr hattet alle schöne Ostern und habt noch gute Ferien. Auch mein Frühling hier in Kalifornien hat wundervoll begonnen, genauer gesagt mit dem alljährlichen „Almond Blossom Festival“. Die Kleinstadt Ripon, in welcher ich lebe, ist ähnlich wie die Pfalz bekannt für ihre Mandelblüten und deren Ernte. Im Frühjahr fangen die weiß-rosa Blüten an zu blühen, wodurch alle Bienen los fliegen und die vielen Felder eine atemberaubende Traumkulisse für Bilder bieten.

Die Mandelernte wird jedes Jahr mit einem Fest und einem Umzug gefeiert. Dort zeigen unter anderem Schulorchester, Militärgruppen und Reiter ihr Talent und teilen nebenbei Süßigkeiten und Visitenkarten aus. Über das Wochenende findet auf einem Platz außerhalb Ripons ein Stadtfest mit den gewöhnlichen Fahrgeschäften und Essenständen statt. Man verbringt dort den Abend mit Freunden und hat Spaß, vergleichbar mit den Weinfesten und Kerwen der Rhein-Neckar-Region wie etwa dem Rettichfest in meinem Heimatort Schifferstadt.

Programm "Every 15 minutes" - Aufklärung über die Folgen von Trunkenheit am Steuer

Alle zwei Jahre gibt es in amerikanischen Schulen ein Programm, das sich “Every 15 minutes” nennt (auf Deutsch: alle 15 Minuten oder im 15 Minuten Takt). In diesem Projekt wird auf Trunkenheit am Steuer und dessen Folgen und Ausmaßen aufmerksam gemacht. Statistisch alle 15 Minuten ereignet sich ein Unfall in Amerika, der auf Trunkenheit am Steuer zurückzuführen ist. Dieses Programm soll helfen, die Zahl dieser Unfälle deutlich zu reduzieren. Auch an unserer Schule fand es statt. Es begann Donnerstagmorgen, als sich Massen von Schülern vor dem Sekretariat ansammelten, um eine große Anzahl an Grabsteinen von Mitschülern zu betrachten, die die verunglückten Opfer symbolisieren sollte.

Die angeblich toten Jugendlichen und eine Lehrerin wurden den restlichen Tag von niemandem in der Schule gesehen. Auch die Polizei ist in die Klassenräume getreten um uns die “schlechte Nachricht” über einen Autounfall zu überbringen. Alle Juniors und Seniors wurden mittags während der Schulzeit gerufen und uns wurde eine Unfallszene gezeigt. Die angeblich toten Schüler/-innen haben vor unseren Augen den Ablauf nach dem Crash vorgespielt. Mehrere Polizei-, Feuerwehr- und Krankenwagen wurden verständigt, ein Mädchen musste aus dem Auto gesägt werden, Alkoholtests wurden durchgeführt und zwei Leichen wurden von der Unfallstellen beseitigt. Obwohl alles inszeniert und nicht echt war, sah es jedoch sehr realistisch aus – was auch der Sinn der Übung ist, und die Botschaft eindringlich macht.

Am nächsten Tag wurde eine „Trauerfeier“ in der Sporthalle abgehalten, uns wurden Videos gezeigt, Eltern haben sich von ihren “toten Kindern” verabschiedet, Reden von einem Richter und dem Schulleiter wurden gehalten. Es wurde alles sehr ernst genommen und nichts ins Lächerliche gezogen. Die Absicht des Projekts sollte so authentisch wie möglich bei uns ankommen. Es wird gezeigt, wie es in Wirklichkeit ablaufen könnte, um uns bewusst zu machen, dass “drunk driving” fatale Folgen haben kann. Das komplette Programm wurde doppelt aufgenommen und die weniger professionelle Version auf Youtube mit dem Titel “Ripon High School Every 15 Minutes 2017” gepostet (für alle, die sich die Aufnahmen anschauen möchte). Ich kann behaupten, dass das ganze Projekt ausnahmslos jeden zum Nachdenken gebracht und mir definitiv einen Denkanstoß gegeben hat. Hier ein Video zur Veranschaulichung.

Prom-Night

Nach all der „Trauer“ haben sich Dinge am folgenden Tag ganz schnell zum wirklich Positiven gewandelt, denn es stand der berühmte Prom, der jährliche Schulball an! Meine Vorfreude konnte ich nicht herunterspielen, als ich mit meiner Gastmutter die letzten Besorgungen gemacht habe um mich auf den lang herbeigesehnten Tag vorzubereiten. Nägel wurden lackiert, Makeup wurde aufgetragen und die Haare wurden gestylt, bevor wir uns auf den Weg zum Ball machen mussten. Dort gab es ein wirklich leckeres Essen und gute Musik. Wie im Klischee wurde natürlich auch für den Prom King und Prom Queen gewählt und es hat sich angefühlt wie im Film.

Schneller als ich es merken konnte, war der Prom schon um und ich wollte am liebsten alles nochmal von vorne machen. Das war wirklich ein sehr schöner Abend, der in Erinnerung bleibt.

Bis zum nächsten Blog, viele Grüße aus Kalifornien!

Eure Amelie