17.4.2017

Bericht #5

Ich hoffe, ihr hattet alle schöne Osterfeiertage. Für mich wurde es mal wieder Zeit euch ein Update zu meinem Auslandsjahr zu geben, denn es ist wieder viel passiert in den vergangen Wochen.

Los geht es mit einem Sportteam, das nicht nur in Chicago sehr bekannt ist, den Bulls. Der Basketballclub, der durch Michael Jordan und die zahlreichen Meisterschaften in den 1990er Jahren zu einem der bekanntesten weltweit wurde, hat mich dann Anfang des Jahres doch ein bisschen neugierig gemacht, und somit ging es zu einem Bulls-Heimspiel im United Center in Chicago. Es war, auch ganz abgesehen davon, dass die Bulls in der letzten Sekunde gewannen, ein Abend voller Highlights. Überall konnte man Sachen gewinnen und es gab die unterschiedlichsten Shows in den Pausen: von einem 12-jährigen Countrysänger bis zu einem Rhönrad war wirklich alles vertreten. Auch ich war mehr oder weniger erfolgreich und habe einen Gutschein für einen Big Mac bei McDonalds gewonnen. :)

Um noch kurz beim Sport zu bleiben, wollte ich auch erwähnen, dass der Wechsel von Bastian Schweinsteiger von Manchester United in die Major League Soccer zu den Chicago Fire natürlich für Aufregung unter den amerikanischen Fußballfans geführt hat. Mein Deutschlandtrikot ist schon bereit, um in den nächsten Wochen zu einem Spiel zu gehen und unseren „Schweini“ mal so richtig anzufeuern.

Ende Februar hatte ich Geburtstag und bin endlich 17 Jahre alt geworden. Nach meiner Erfahrung werden Geburtstage in den USA nicht so groß gefeiert, wie ich das von Deutschland gewohnt bin. Da mein jüngster Gastbruder und ich am gleichen Tag Geburtstag hatten, bin ich mit ihm und seiner Freundin sowie mit meinem anderen Gastbruder und natürlich meinen Gasteltern zu „Chinn´s“ gegangen. Es gilt als das beste Fischrestaurant in Chicago und Umgebung. Das Geschenk meiner Gastfamilie wusste ich zu dem Zeitpunkt schon, aber dazu gleich mehr.

Zwischen Ende Februar und Anfang März hatte ich zwei Tänze in meiner High School. Der eine nennt sich Turnabout und ist wie Homecoming, jedoch fragen die Mädchen die Jungen zum Tanz. Zu diesem Tanz bin ich mit einer Gruppe von Freunden gegangen und wir alle hatten eine wirklich schöne Zeit zusammen. Der zweite Tanz war der Best Buddies Prom, welcher mir persönlich besser gefallen hat als Turnabout.

Wer meine Blogs verfolgt, der weiß vielleicht was Best Buddies ist. Kurz gefasst ist es ein Club in fast jeder Highschool, in dem man Aktivitäten mit den Schülern mit Einschränkungen jeglicher Art unternimmt. Anfang März kamen Best Buddies Teams von Highschools in unserer Gegend zusammen und veranstlateten ihrem eigenen Prom. In diesen 3 Stunden war es vor allem für die Buddies total egal, ob sie im Rollstuhl sitzen, nichts sehen oder hören können oder in einer anderen Art besonders sind, alle haben getanzt und gelacht und genossen den Abend.

In meiner Schule hat das letzte Vierteljahr des Unterrichts begonnen und ich kann überhaupt nicht glauben, dass ich in fünf Wochen schon Sommerferien habe. Da ich das Ende des Schuljahres in vollen Zügen genießen möchte, habe ich mich in eher einfachen Fächern eingewählt und belege nun Kochen, Jahrbuch, Mathe und Französisch. Die Lehrer sind mir alle super sympathisch und alles ist eher auf einer mehr oder weniger freundschaftlichen Ebene als in Deutschland (mein Mathelehrer ist bspw. der beste Freund meines Gastbruders). Außerdem bin ich seit März im Track and Field, auf Deutsch gesagt im Leichtathletik-Team. Wir haben jeden Tag Training, was mir aber überraschender gut gefällt.

Ende März hatte ich eine Woche Springbreak, also Frühlingsferien, womit wir nun auch zum Geburtstagsgeschenk meiner Gastfamilie kommen: ein Roadtrip durch Arizona, Nevada und Utah! Los ging es in Utah, wo wir einige Tage im Zion National Park verbrachten. Diesen Park fand ich so unfassbar schön, dass ich gar nicht mehr gehen wollte. Das Wetter war ein Traum und man hat sich gefühlt, als wäre man mitten in einem Westernfilm. Von dort aus ging es nach Las Vegas, wo wir zunächst in einen Sandsturm gerieten und nicht aus dem Auto aussteigen konnten, jedoch sind wir dann durch ein paar Hotels gelaufen, die wirklich beeindruckend waren.

Weiter ging es zum Hoover Dam, dem größten Staudamm in ganz Amerika. Da wir aber an diesem Abend noch einige Meilen vor uns hatten, sind wir nicht allzu lange dort geblieben. Das Ziel war nämlich Williams, ein kleines verschlafen Örtchen kurz vor dem Grand Canyon, wo sich die „Hauptstraße“ auch Route 66 nennt. Am nächsten Tag ging es mit dem örtlichen Zug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40km/h auf den Grand Canyon. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt kamen wir oben am Südring an und vom Grand Canyon war keine Spur zu sehen, denn der hatte sich unter einem Mix aus Nebel und Schnee versteckt und man konnte nichts erkennen.

Das Wetter des nächsten Tages war um einiges besser und die Sicht unglaublich. Wir fuhren am Canyon entlang bis nach Page, wo wir nur eine Nacht verbrachten, da wir am nächsten Tag zum Bryce Nationalpark wollten. Dieser gefiel mir auch wirklich gut, besonders da es den Abend zuvor geschneit hatte und der Canyon teilweise vom Schnee bedeckt war. Direkt im Anschluss ging es zurück nach Salt Lake City, wo unser Flug am folgenden Tag nach Chicago ging. In Salt Lake City steht der größte Mormonen-Tempel, den wir uns vor unserer Abreise noch anschauten. Salt Lake City gilt als die Mormonen-Metropole in den USA und wurde 1847 von Mormonen gegründet.

Ich bin froh, dass ich so viel Bilder auf unsere Reise gemacht habe und mich somit immer wieder an diese tolle Woche mit so vielen neuen Eindrücken zurückerinnern kann.

Letzte Woche war „Relay for Life“, das ist ein Spendenlauf-Event, welches von der amerikanischen Krebs-Gesellschaft organisiert wird. Ziel der Sache ist es, so viel Geld wie möglich zu spenden, indem man bei Freunde, Familie und Bekannte nachfragt. Danach gibt es das eigentliche Event, das über eine ganze Nacht geht. Dort kommt jeder zusammen, egal ob man gespendet hat, ob man den Krebs überstanden hat oder noch darum kämpft. Auf dem Event gibt es eine Laufbahn, wo immer eine Person aus jedem Team laufen soll, um zu zeigen, dass Krebs niemals schläft.

Auch in den nächsten Wochen ist viel geplant, wovon ich hier natürlich berichten werde.

Viele Grüße, Eure Lena