3.4.2017

Bericht #4 - Eisfischen und Skifahren in Maine

Ich kann immer noch nicht fassen, dass ich jetzt schon über die Hälfte des Jahres hinter mir habe. Aber nun zur Sache: In der letzten Zeit ist wieder viel passiert, von dem ich euch berichten will.

Es ist immer noch Winter hier in Maine im äußersten Nordosten der USA. Im Februar hatten wir mehrere größere Schneestürme. Über 30 Zentimeter Schnee sind nicht selten. Der erste Schneesturm kam an einem Sonntag. Ich war über das Wochenende bei einem Freund. Eigentlich sollte ich sonntagabends wieder daheim sein, allerdings hat der Schneesturm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir waren wortwörtlich eingeschneit. Ganz Maine war wie eingefroren. Der Schnee vor der Haustüre war kniehoch. An den folgenden zwei Tagen hatten wir dann auch schulfrei.

Auch die Seen hier in Maine frieren fast alle zu. Deshalb ist mein Gastvater Dustin auch mit Braydon, Camden  und mir zum Ice-fishing gegangen. Das ist eine beliebte Winteraktivität hier. An einem Samstagmorgen in February-Vacation sind wir also zu einem nahe gelegen See gefahren. Dieser Tag war mit 0 Grad Celisus schon fast als „warm“ zu bezeichnen, verglichen mit den üblichen -10°C. Der Schnee war zu diesem Zeitpunkt fast schon vollständig geschmolzen. Am See angekommen, haben wir die komplette Ausrüstung auf eine Art Schlitten verladen und sind fast zur Mitte des Sees gelaufen. Um nicht dauerhaft auf dem Eis auszurutschen, hatten wir Spikes um die Schuhe geschnallt, was das Laufen wirklich erleichtert hat.

Als wir dann einen geeigneten Platz fanden, fingen wir an unser „Camp“ aufzubauen. Naja, eigentlich bestand es nur aus einem Campingstuhl, einer kleinen Kühlbox und einem Campinggrill. Und natürlich die Angelausrüstung. Manche extremen Icefisher bringen sogar Zelte mit auf das Eis. Aber man kann auch ohne das Spaß haben. Nachdem unser kleines Camp dann also stand, begannen wir die Löcher ins Eis zu bohren. Dustin hatte einen Motoreisbohrer. Das war bei einer Eisdicke von über 10cm auch nötig. Wir bohrten fünf Löcher. In diese Löcher hängten wir dann die Angeln. Eigentlich sind es aber keine Angeln, sondern ein Holzgestell mit einer Spule, Angelschnur, Haken und Flaggen. Man hängt also diese „Falle“ in ein Eisloch und wartet. Wenn ein Fisch anbeißt, kann man das an der Flagge sehen.

Wir hatten fünf Fallen parallel aufgestellt. Als Köder wurden lebendige kleine Fische verwendet, die an der Rückenflosse am Hacken befestigt waren (das verletzt den Fisch übrigens nicht). Nun hieß es nur noch warten. Leider vergebens, wie sich am Ende des Tages herausstellte. Während wir auf einen „Biss“ warteten, haben wir Hotdogs gegrillt und heiße Schokolade bzw. Kaffee getrunken. Immer mal wieder hat ein Fisch den Köder von einer der Fallen geschnappt, aber nie wirklich angebissen. Bei Einbruch der Dämmerung, fingen wir an zusammen zu packen. Gerade als wir die letzte Falle aus dem Wasser nahmen, biss doch noch einer an. Allerdings war der Fisch zu klein – wir mussten ihn wieder schwimmen lassen, da die Fische eine bestimmte Größe haben müssen, um sie mitnehmen zu dürfen. Auch wenn wir somit keinen großen Erflog beim Eisfischen hatten, war es ein schöner Tag!

Der restliche Februar war dann eher langweilig und ich hatte eine kleine Tiefphase. Dazu gehört natürlich auch ein bisschen Heimweh. Während dieser Zeit habe ich oft an Zuhause gedacht. Etwas mit Freunden zu unternehmen hilft dann aber ganz gut. Diese Phase ging vorbei, und ich denke es gehört zur Auslandsjahr-Erfahrung dazu.

Ski-Ausflug mit AFS

Anfang März hatten wir dann den AFS-Skiday. Viele von unserem Komitee sind gekommen. Meine Gastfamilie konnte leider nicht mitkommen, sie waren auf dem Geburtstag einer Cousine. Aber Angela (meine Gastmutter) hat eine Arbeitskollegin gefragt, ob sie mit Braydon und mir Skifahren wollte. Also sind wir mit Kelly und ihrem Freund Richard gefahren.

Das Skigebiet hieß Sugarloaf und war ein großer Berg (1290 m) zwei Autostunden nördlich von Windsor/Maine. Braydon, mein Gastbruder, und ein paar andere Austauschschüler haben eine Trainingsstunde genommen. Also bin ich mit Richard auf die Piste. Die Pisten waren okay. Dadurch dass es die letzten zwei Wochen nicht geschneit hat, waren die Pisten teilweise sehr vereist. Allerdings war das gleichzeitig auch ein kleiner Vorteil, denn die Lifte waren fast leer und wir mussten nie mehr als 5 Minuten anstehen.

Zuerst sind wir nur bis zur Mitte des Berges gegangen, um uns aufzuwärmen. Da ich seit ca. zwei Jahren nicht mehr auf Skiern stand, musste ich erst ein bisschen reinkommen. Nach zwei kurzen Eingewöhnungsläufen sind wir dann zur Spitze des Berges gefahren. Die Aussicht war perfekt, nicht so die Pisten. Die komplette Spitze war fast pures Eis und es war schwer die Kontrolle zu behalten. Nachdem ich also den eisigen Teil der Piste seitlich herunter gerutscht bin, konnten wir auf Schnee weiterfahren. Wir beschlossen allerdings, nicht nochmal auf die Sitze zu gehen.

Zwischendurch mussten wir uns immer mal wieder in der Lounge aufwärmen, da der Wind wirklich eisig war, und im Gesicht schon fast weh getan hat. Am Ende des Tages ist Braydon dann gestürzt und hat sich den Daumen gebrochen. Wir mussten also den Tag etwas früher beenden. Auf dem Heimweg sind wir ins Krankenhaus, wo er dann einen vorläufigen Gips bekommen hat. Aber auch der Skitag hat mir sehr gut gefallen und es war toll, die anderen AFSer mal wieder zu sehen.

Ich hoffe, ihr hattet trotz der Verspätung Spaß an dem Bericht!

Viele Grüße aus Maine und bis zum nächsten Mal,

Aaron