19.1.2017

Bericht #3 - Schnee und eisige Kälte in Maine

Inzwischen ist wieder einige Zeit vergangen und es wird höchste Zeit für diesen Bericht. Ich entschuldige mich für die kleine Verspätung! Also, los geht’s.

Mittlerweile ist hier tiefster Winter geworden. Am meisten hat man das hier in Maine an der Kälte gemerkt. Seit Anfang Dezember gingen die Temperaturen so gut wie nie über den Gefrierpunkt. Meistens ist es so um die 15°F also ca. minus 10°C. Mit ein bisschen Wind kann es aber schon mal gefühlte -20°C werden, was schon richtig kalt ist. Schnee zu räumen macht dann auch keinen Spaß mehr. Ja, Schnee haben wir hier in Maine natürlich auch. Der erste richtige kam am zweiten Wochenende des Dezember und so dauerte der übliche Sonntagseinkauf etwas länger. Alle Geschäfte haben hier wie fast überall landesweit auch sonntags geöffnet.

Die Straßen werden zwar gut geräumt, aber es schneite einfach so stark, dass die Räumfahrzeuge kaum hinterher kamen. Aber nicht nur die Straße musste geräumt werden, auch unsere Einfahrt war zugeschneit. Darauf ist man in Maine aber naturgemäß vorbereitet und die meisten Leute haben einen Truck bzw. Pick-up mit einem Schneepflug vorne. Auch meine Gastfamilie hat einen, allerdings hat er diesmal nach halber Arbeit aufgegeben.

Zum Glück haben wir aber auch noch ein ATV (All terrain vehicle), im Prinzip ein vierrädriges Motorrad, in Deutschland besser bekannt als Quad. In unserem Fall hat es auch einen Schneepflug. Mit diesem durfte ich dann auch die Garagen frei schieben, was, trotz der eisigen Temperaturen richtig Spaß gemacht hat. Die Türen und die Terrasse müssen mein Gastbruder und ich aber immer noch per Hand frei schaufeln.

Durch den vielen Schnee hatten wir in der Schule an einigen Tagen „schneefrei“, im Dezember passierte es zweimal. Das gilt auch bei gefrierendem Regen. Allerdings werden bei „zu vielen“ Schneefreitagen zum Ausgleich die Sommerferien ein wenig gekürzt. Anfang Januar wurde es dann etwas wärmer. Im Moment fallen die Temperaturen kaum unter 0°C, dadurch gab es eher Regen zuletzt und der ganze Schnee schmolz dahin, was ich ein bisschen schade finde, denn eigentlich mag ich den Schnee. Alles sieht einfach ein bisschen schöner aus in der weißen Pracht.

Aber noch ein Blick zurück auf die Weihnachtszeit: Da ja nach Thanksgiving offiziell die Weihnachtszeit losgeht, brauchten wir auch einen Weihnachtsbaum. Viele Amerikaner kaufen Kunstbäume bei Wal-Mart. Meine Gastfamilie allerdings nicht -- und so sind wir zu einer Tannenbaumplantage im Nachbarort gefahren, um unseren Baum selbst auszusuchen. In meiner Gastfamilie ist es sogar Tradition, dass der Gastschüler den Baum fällen darf.

Nach dem wir dann nach einer gefühlten Ewigkeit den perfekten Baum gefunden hatten, habe ich ihn mit der Handsäge abgeschnitten und wir trugen ihn gemeinsam zum Truck zum Verladen. Daheim wurden Baum und das Haus weihnachtlich dekoriert. Viele Amerikaner schmücken ihre Häuser auch von außen, wie man es oft in Weihnachtsfilmen sieht. Wir haben aber nur innen geschmückt.

Auch in der Schule gab es Weihnachtsstimmung und viele Lehrer hatten ihre Räume dekoriert. Einige hatten auch Kunsttannenbäume. Kurz bevor die Ferien begannen, gab es auch einen kleinen Contest, wer die best-dekorierte Tür hat. Solche kleinen Wettbewerbe zwischen den Homerommes (also den Klassenräumen) gibt’s hier öfter und generell wird hier etwas mehr mit der Klasse gemacht als in Deutschland, wie z.B. ein Dodgeballtunier (Völkerball) gegen die anderen Klassen. Auch das Verhältnis von Schülern und Lehrern ist in den USA etwas lockerer. Das ist auf jeden Fall etwas, das ich in Deutschland vermissen werde.

Weihnachten lief hier etwas anders ab als ich es von der Heimat gewohnt war. Wie die meisten von euch bestimmt wissen, wird Weihnachten hier am 25. Dezember gefeiert. Heiligabend („Christmas Eve“) ist nicht so etwas Besonderes wie in Deutschland. Diesen haben wir zusammen bei einem gemütlichen Film verbracht. Am Morgen des 25. sind wir alle dafür schon um sieben Uhr aufgestanden, da Daun, die Mutter von Angela, meiner Gastmutter, kam, um uns ihre Geschenke zu bringen. Sie kam deshalb so früh, da sie auch noch zur Schwester von Angela wollte und diese zwei Stunden weiter nördlich wohnt.

Nach der frühmorgendlichen Bescherung haben wir dann alle zusammen gefrühstückt. Dafür hat meine Gastmutter „French Toast“ gemacht, also Toast mit einer Art Creme mit Zimt und Zucker. Es hat jedenfalls sehr süß geschmeckt. Nach dem Frühstück sind meine Gastgroßeltern dann weitergefahren und wir haben angefangen das Abendessen zu kochen, was aus Schinken, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, Orangensalat und Pie bestand. Das Abendessen war sehr lecker. So viel Essen macht müde und so haben wir den Rest des Abends mit Football vor dem Fernseher verbracht.

Und dann kam auch schon Silvester. Allerdings wird Neujahr hier nicht bzw. kaum gefeiert. Wir haben den Abend damit verbracht, den Ball-Drop im TV zu schauen. Das ist eine riesige Silvesterparty in New York am Times Square mit viel Show. Um zwölf Uhr wird zum Jahreswechsel dann der „Ball“ (eine Lichtball) von einem Wolkenkratzer heruntergelassen. Hier in Maine war Silvester etwas weniger spektakulär.  https://de.wikipedia.org/wiki/Times_Square_Ball

Ich hoffe, dass ihr auch ein schöne Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr hattet!

Viele Grüße aus Maine und bis zum nächsten Mal, Aaron