11.1.2017

Bericht #3 - Feliz ano nuevo, Metropolregion Rhein-Neckar!

Ich hoffe ihr hattet alle einen guten Rutsch ins Jahr 2017.

Wie ist es denn jetzt eigentlich so in Argentinien? Was machst du den ganzen Tag? Hast du jetzt das Gefühl, dich richtig eingelebt zu haben? Die Antworten auf all diese Fragen erfahrt ihr in diesem Blogeintrag:

Kurz nachdem mein letzter Bericht online war, ging es direkt am Wochenende auf ein AFS-Treffen. Zusammen mit vier Thailändern, einer Italienerin, einer Amerikanerin, einer Neuseeländerin und einer Französin verbrachte ich den ganzen Tag in Santa Fe, was circa zwei Stunden mit dem Bus von meinem Wohnort San Justo entfernt ist. Es ist schon lustig, wenn so viele Jugendliche aus so vielen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen aufeinander treffen und man doch merkt, wie gleich man in vielerlei Hinsicht ist. Das Tolle ist, wenn man dann nach dem Jahr Freunde aus der ganzen Welt hat; ich persönlich finde, genau das macht den Schüleraustausch aus.

Am folgenden Wochenende hatte ich wieder ein Volleyballspiel. Wir konnten es nach circa 2 Stunden dann im letzten Satz ganz knapp für uns entscheiden. Wir haben uns alle sehr gefreut, da es unser erster Sieg und der Trainer daher sehr stolz auf uns war. Das Problem hier ist nur, dass es gerade fast immer um die 40 Grad hat und es abends auch kaum abkühlt, wenn wir unsere Spiele haben. Am Anfang hat es mich doch schon gestört, dass es immer so warm ist hier, doch irgendwann gewöhnt man sich daran und es kommt einem normal vor. Vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit hier im Zentrum Argentiniens lässt es einem doch nochmal heißer vorkommen. Auch mit dem Beachvolleyball habe ich jetzt angefangen. Nachdem wir ein Turnier gegen eine andere Mannschaft aus unserer Stadt hatten, dachte ich mir ich kann ja mal fragen, ob sie Lust haben zu beachen. Und so treffen wir uns nun jede Woche ein- zweimal und spielen. Für mich war es ganz wichtig, dass wenn ich nach Argentinien komme, auch Volleyball weitermachen kann, da es einfach meine große Leidenschaft ist.

Auch die Schule ist zu Ende gegangen und die dreimonatigen Ferien haben begonnen. Ja, ihr habt richtig gehört: drei Monate :D. Hier in Argentinien ist es so, dass man drei Monate Sommerferien hat, aber dafür sind das auch die einzigen Ferien. Aber zum Glück gibt es hier auch eine Haufen Feiertage, weswegen wir oft lange Wochenende haben. Schade ist bloß, dass der Jahrgang meines Gast-Bruders jetzt seinen Abschluss hatte und sie im folgenden Schuljahr, was im März beginnt, nicht mehr auf  der Schule sind. Mit vielen von seiner Stufe habe ich mich besonders gut verstanden. Im nächsten Schuljahr wird dann wohl alles etwas schwieriger für mich, da dann auch ich Noten bekomme und die Tests mitschreiben muss. Aber ich bin da zuversichtlich, vor allem da es mit dem Spanisch jetzt schon sehr viel besser klappt.

Um mich bei meiner Gastfamilie für all ihre Unterstützung zu bedanken, habe ich sie dann Mitte Dezember auch endlich zum Essen eingeladen. Eigentlich wollte ich sie viel früher einladen, jedoch musste ich noch warten bis mein Papa von seiner Arbeit aus Patagonien wieder zurückgekehrt war.

In dem Restaurant, welches wir dann besuchten, gab es auch eine riesige Fleischtheke, und so habe ich zusammen mit meinem Papa direkt alles für das große Asado gekauft, das wir am nächsten Tag gemacht haben. Ich freue mich immer sehr, wenn unser Papa uns für ein paar Tage besucht, natürlich auch um mit ihm zu erzählen, aber auch, weil wir dann immer ein Asado mit Unmengen an Fleisch machen.

Am 7. Dezember war dann auch schon die Recepcion meines Bruders und alle Freunde und die Familie haben sich schick gemacht. Eine Recepcion ist quasi wie ein Abi-Ball, bloß dass circa um 12:00 Uhr alle Eltern gehen und von den Schülern bis um 6 Uhr morgens gefeiert wird. Hier in Argentinien macht man eigentlich fast immer eine „After“, was soviel ist wie eine Party nach der Party, z.B. wenn wir in einem Club waren bis um 5 oder 6 Uhr morgens, lädt immer jemand alle in sein Haus ein und man trinkt noch etwas oder erzählt. Mir jedoch würde auch schon der Besuch im Club reichen, da ich danach meist immer hundemüde bin.

Durch einen Freund habe ich jetzt auch angefangen Basketball zu mögen und so gehe ich jetzt immer mit ihm zusammen auf die Spiele der ersten Mannschaft seines Vereins. Vor drei Wochen standen sie dann auch endlich mal wieder im Finale um die Meisterschaft. Spätestens wenn hier Hunde während des Spieles über das Feld laufen oder Flaschen auf die gegnerischen Fans geworfen werden, weiß man, dass man in Argentinien ist. Unsere Mannschaft, Club Colon, konnte dann am Ende mit nur 4 Punkten Vorsprung gewinnen und dementsprechend groß war dann auch die Freude und die Feier nach dem Spiel.

Nach circa zwei Monaten und viel Arbeit haben wir endlich unseren Pool fertig renoviert und mein Bruder hat deswegen alle seine Freunde zum Asado und zu einer kleinen Hausparty eingeladen. Es gab mal wieder jede Menge Fleisch und jeder wurde satt. Da ein Freund von ihm DJ ist, bringt er immer seine ganze Ausrüstung mit von Boxen bis zur DJ-Control. Da mein Bruder es liebt extrem laut Musik zu hören, wundert es mich schon sehr, dass die Nachbarn sich noch nie beschwert haben.

Weihnachten verlief für mich dieses Jahr doch etwas anders ab, wie ich es normalerweise bei uns in Deutschland gewohnt bin. Zuerst einmal hat es natürlich keinen Schnee hier, sondern so um die 30 Grad – abends. Die ganze Familie und ein Freund meines Bruders kamen und wie zu erwarten, gab es wieder ein Asado, doch diesmal auch mit einem ganzen Schwein, dass ich zusammen mit meinem Papa gegrillt habe. Insgesamt waren wir so um die 17 Leute. Geschenke bekommt man natürlich auch hier in Argentinien und so hab ich meinem Bruder ein Trikot mit einem argentinischen Spieler von seinem Lieblingsclub Paris Saint-Germain (PSG) geschenkt. Er hat sich schon sehr gefreut, es jedoch auch direkt am selben Abend noch hinbekommen ein Loch reinzumachen :D. So wie an Weihnachten sind wir dann auch noch an Silvester nachts feiern gegangen und haben so den Jahreswechsel erlebt.

In diesem Sinne möchte ich nochmal sagen, wie dankbar ich dafür bin, dieses Auslandsjahr machen zu dürfen. Danke für die Unterstützung meiner Freunde, meiner Mama und meinem Papa, die alles dafür tun, dass ich meinen Traum verwirklichen konnte und jetzt hier sein darf.

Liebe Grüße aus dem warmen Argentinien, Henry