7.1.2017

Bericht #3 - Thanksgiving in Kansas

Ich weiß, lang ist es her, seitdem ein Bericht von mir rauskam. Ich muss aber auch sagen, dass man hier im ländlichen Kansas viel um die Ohren hat.

Aber nun, da ich die Zeit habe, meine Erfahrungen in aller Ruhe in einen Bericht zu fassen, möchte ich sie auch jetzt mit euch teilen.

Die eigentlichen Ferien fingen fast schon in der Schule an: mit sogenannten „Pep Rallies“ und anderen schulgemeinschaftlichen Aktivitäten. Da muss ich echt sagen, dass die Amerikaner uns in dieser Kategorie weit voraus sind. Schulgemeinschaft, Teamgeist im Sport, in der Schule sowie auch die Sportlerehre werden hier hoch geschätzt und das fehlt manchmal an meiner deutschen Schule…

Jedenfalls als wir fertig waren, hielten wir unser Thanksgiving-Dinner in der Schule ab und der letzte Schultag vor Thanksgiving war dann auch schon vorbei. Aber da fing mein Thanksgiving erst richtig an. Nach einem kurzen Schlaf brachen wir auch schon auf unsere Zehn-Stunden-Fahrt nach Knoxville, Iowa, auf. Und das war so das erste Mal, das ich realisierte, wie groß doch der Staat Kansas ist beziehungsweise die Vereinigten Staaten. Nach sechs Stops kamen wir dann an unserem Ziel an und besuchten auch diverse Familienmitglieder, was mich doch ein wenig nachdenklich machte, wie denn die Dinge in Deutschland stehen…

Der nächste Tag bestand aus zwei Thanksgiving Dinnern, welche mir schwer zu schaffen machten. Es gab wirklich alles, was uns in den Filmen immer wieder gezeigt wurde. Von dem obligatorischen Thanksgiving Truthahn über den traditionellen Schinken am Stück bis zum Nachtisch mit Kürbis- und Pekannuss-Kuchen. Es war wirklich schön mit der kompletten Zweitfamilie zwei große Mahlzeiten zu sich zu nehmen und dankbar zu sein für alles was man im vergangenen Jahr erlebt, bekommen und gegeben hat.

Leider war Thanksgiving aber nicht nur ein Ponyhof, da in meiner Familie dann die in Amerika üblichen Diskussionen über Politik ausbrachen. Ich hielt mich da komplett raus, da uns dies auch empfohlen wurde. Kansas ist sehr konservativ, mit den vielen kleinen Orten und der mehr ländlichen Haltung. Das erschwerte es mir, während der Wahlzeit mit jemanden ein normales Gespräch zu führen, ohne auf das Thema Politik zu kommen. Ich gab nie wirklich preis, für wen ich stimmen würde. Ich war aber für Hillary Clinton, da ich ihre politische Meinung mehr verstehe und sie sich meiner Meinung in der Öffentlichkeit besser präsentierte. Jetzt nach der Wahl hoffen manche hier, dass Donald Trump einen großen Fehler machen wird und aus dem Amt geschmissen wird, was ich persönlich aber niemals so formulieren würde. Alle hier sitzen in einem Boot, und wenn er es sinken lässt, gehen alle mit unter.

Am nächsten Tag fuhren wir auf die Farm meiner Gasttante, was mir persönlich sehr Spaß machte. Nach einem wundervollen Dinner fing auch schon der amerikanische Spaß an. Erst wurde ein bisschen „Catch“ gespielt (d.h. Pässe werfen mit dem Football) und dann ging es auf den Schießstand und ich lernte verstehen, warum die Amerikaner ihre Waffen so lieben. Es machte mir persönlich wirklich Spaß mit Gewehren und anderen Waffen zu schießen. Mein Gastonkel machte mir sogar ein Kompliment, das ich für mein erstes Mal Schießen wirklich gut mit den Waffen umgehen konnte. Natürlich hatte ich auch riesigen Respekt vor den Waffen und bekam auch weiche Knie als ich sie zum ersten Mal sah und in die Hand nahm. Als es dämmerte, brachen wir auch schon wieder zum Hotel auf.

Am Freitag, dem berühmten Blackfriday, gingen meine Familie und ich auf die Jagd nach Schnäppchen, u.a. zu Best Buy (ähnlich Media Markt/Saturn). Es machte wirklich Spaß auf die Pirsch nach guten Angeboten zu gehen, auch wenn wir fast 45 Minuten an der Kasse warteten, aber das war es wert. Wir haben dann noch eine Rundfahrt in Iowa gemacht, um die Heimatorte meiner Gasteltern zu besichtigen. Das war der letzte Trip in Iowa. Am nächsten Tag brachen wir dann auch schon wieder nach Kansas auf, da die Schule wieder rief.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlich bedanken bei der Metropolregion-Rhein-Neckar/SAP und Kreuzberger Kinderstiftung, die mir die Verwirklichung meines Auslandsjahres erst möglich gemacht haben. Und ich bin auch dankbar für meine Familie, die mich bei meinem Auslandsjahr immer unterstützt hat.

Ich hoffe, ihr hattet ein wunderbares Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Mit Grüßen aus dem ländlichen Kansas und bis zum nächsten Mal, JP Masser