3.12.2016

Bericht #3

¡Hola querida región metropolitana rin-neckar!

Schon gut 3 Monate bin ich hier in Argentinien, Cordoba, Rio Cuarto und es gibt mal wieder viel zu erzählen...

Halloween

Wird hier kaum gefeiert. Das einzige Besondere an diesem Tag ist, dass man in den Clubs freien Eintritt bekommt, wenn man verkleidet ist. Da meine Freundinnen immer ein bisschen knapp mit dem Geld sind, haben wir uns verkleidet. Ich z.B. ging als Minnie Maus, was mir viele Fotos mit fremden Menschen eingebracht hat, es waren naemlich nur ca. 10% verkleidet, was ich sehr schade finde. Es ist zwar bekannt, dass man in den USA Kürbisse schnitzt und die Kinder auf suesses-oder-saures-Tour gehen, aber das ist hier nicht ueblich. Wir (die Schueler meiner Schule) waren die einzigen die am Reformationstag schulfrei hatten, das es ja eine lutheranische Schule ist.

“El Campo”

Campo ist spanisch fuer Farm, und hier hat ca. 1/3 der Leute die ich kenne eine. Die kann unterschiedlich weit weg sein, die Farm von meiner Freundin z.B. ist im naechsten Dorf und die von einem Bekannten in Bolivien. Unsere ist in der Provinz “La Pampa” (Hauptstadt: Santa Rosa) , 3 Autostunden im S. An einem Freitagnachmittag fuhren wir also zu unserer Farm. Dort gibt es 4 Hunde (und einen Welpen), 3 Katzen (und Katzenbabys), 2 Reitpferde, Huehner, Schafe, Schweine und weitere Pferde. Ausserdem bauen sie Weizen und Obst an. Was es nicht gibt, ist Netz und Internet, nichtmal ein kleines bisschen. Im Umkreis von 20 bis 30 km gibt es naemlich absolut nichts. Ausser Pumas vielleicht (also jetzt wirklich). Mein Vater meinte, frueher hatte er mal Pumas gejagt. Jetzt schiesst er aber nur noch Voegel. Ich habe die Tage damit verbracht Reiten zu lernen und die Tierbabys zu streicheln. Ich muss zugeben, es war schon sehr entspannend mal 2 Tage offline zu sein. 

Abends gab es dann – mal was ganz anderes – Asado. Mein Vater hat sich ein Schaefchen von der Weide ausgesucht, getoetet, ausgenommen und dann ueberm Lagerfeuer gegrillt. Auch wenn ich die ganze Zeit an das suesse Schaefchen denken musste, habe ich es zumindest probiert. Ich habe meine Familie aber dazu gebracht, auch immer Gemuese mit zu grillen, was sehr lecker ist. Mir hat es sehr gut gefallen auf dem Land und ich freue mich schon auf Januar, wenn wir wieder dort hin gehen. 

Egresos

Sind die argentinischen Abi-Bälle. Von mitte November an bis mitte Dezember sind jedes Wochenende mindestens 2-3, da jeder Kurs seinen eigenen macht und es in meiner Stadt viele Schulen gibt. Die Abi-Bälle sind aber keineswegs formell oder dazu da um die Zeugnisse zu ueberreichen. Wenn man einen Abi-Ball haben will, muss man den komplett selber mit seiner Klasse organisieren. Lehrer oder andere schulische Autoritaeten sind nicht geladen. Um ca 21 Uhr faengt das Cena (Abendessen) an, wozu die ganze erweiterte Familie und enge Freunde eingeladen werden. Jede Familie sitzt an einem eigenen Tisch. Es werden die Egresados (Abiturienten) der Reihe nach vorgestellt und lustige Erinnerungs-Videos gezeigt. Um 1 Uhr faengt dann das Brindis (Party) an. Dort kann jeder hinkommen, der eine Eintrittskarte hat. Die Egresos sind relativ teuer, 200 Argentinische Pesos (ca. 15 Euro), aber dafuer kann man sich auch noch mehr aufstylen als sonst.

Ich war bis jetzt auf einem Egreso, bin aber zu von der Cousine meines Cousins schon zum Abendessen von ihrem Egreso eingeladen und habe schon die Eintrittskarte fuer das “Brindis” von der Abschlussklasse meiner Schule. Dort bin ich auch zum “After” eingeladen. Soweit ich das verstanden habe, geht man nach dem Egreso in eine Quinta (grosse Anlage mit Pool) und badet sich im Pool. Naechstes mal werde ich dann genauer darueber berichten koennen.

Botschaftertätigkeiten

Als ich gefragt wurde, ob ich in der Klasse meiner Schwester einen Vortrag ueber meine Heimat halten kann, habe ich natuerlich nicht nein gesagt. Meine Schwester geht in die 6. Klasse einer anderen Schule. Da ich den Votrag im Rahmen der Englischstunde gehalten habe, sollte ich auf englisch reden. Kein Problem, denkt ihr jetzt bestimmt, aber nach 3 Monaten spanisch pur war das schon etwas schwer. Nach ca. der Haelfte erloeste mich die Lehrerin dann und ich durfte auf spanisch weiter machen, und ich war selbst ueberrascht wie fluessig das ging. Die Kinder waren alle sehr interessiert und es gab danach noch viele Fragen.

Am darauffolgenden Montag habe ich den gleichen Vortrag dann nochmal in meiner Klasse gehalten, doch die Aufmerksamkeit schwankte sehr. An einem Montagmorgen nutzt man einen Vortrag dann eben doch lieber zum schlafen. Einige haben sich haber doch interessiert und ich denke es ist auch einiges haengen geblieben, z.B. dass Berlin (nicht Muenchen) die Hauptstadt von Deutschland ist oder dass der Erfinder des Autos aus meiner Region kommt. Auch haben sie sich gemerkt, dass man dort Wein anbaut und es viele Schloesser und Burgen gibt. Der Vortrag war schon viel Information auf einmal, von daher hat es mich sehr gefreut als ich gemerkt habe, dass doch einiges haengen geblieben ist.

Meine Vortraege halte ich immer im Dirndl, was mir meine Mutter in Deutschland extra zu repraesentationszwecken gekauft hatte. Ich glaube, das ist auch immer nochmal ein kleines Highlight, eine echte Deutsche in einem echten Dirndl zu sehen.

Schule

Am Mittwoch sind endlich Sommerferien. Ich habe es doch tatsaechlich geschafft in keinem einzigen Fach durchzufallen, worauf ich sehr stolz bin. Ich muss also nicht nochmal im Dezember wieder kommen. Es gab mal wieder einige “Actos”, z.B den Día de la Ciudad, an dem der Geburtstag der Stadt gefeiert wird. Jede Stadt hier hat naemlich ein Gruendungsdatum. Río Cuarto ist 230 Jahre alt geworden.

Ausserdem war Tag der Souveranitaet des Volkes, so ganz genau habe ich das nicht verstanden und so genau wusste das auch keiner. Meine Eltern haben erstmal gegoogelt wieso eigentlich Feiertag ist. Nach dem “Warum ist…” kam auch gleich der Vorschlag von Google “Warum ist am 28. November Feiertag?” (auf Spanisch natuerlich) Ihr seht also, die Leute wissen wirklich nicht, wieso sie frei haben.

Acto de fin de año

Letzte Woche gab es dann einen ganz besonderen Acto, den Acto zum Abschluss des Jahres. Dieser findet nicht wahrend der Schulzeit statt, sondern abends in einer anderen Halle und es kommt die Famiie zum zuschauen. Alle Maedchen aus jedem Kurs muessen dort eine Choreografie vorfuehren. Wir hatten zwar schon seit ich angekommen bin geprobt, so richtig reingehangen haben wir uns aber erst eine halbe Woche vorher. Naja, keine der Choreografien war perfekt synchron und meistens war es ziemlich offensichtlich, dass nur die Maedchen in der ersten Reihe wussten, was sie taten. Ich habe mich sehr gefreut, als ich mit den Worten “...du kannst die Choreo” in die erste Reihe gestellt wurde. Des weiteren mussten die Schueler des 4. Jahres (10. Klasse) singen und Instrumente spielen, da sie Musikunterricht haben. Das ganze dauerte von 19 Uhr bis Mitternacht, was irgendwann ziemlich langweilig war. Da meine Mutter an diesem Tag leider mit meiner Schwester auf Studienfahrt war, mein Vater arbeitete und meine Oma zum Arzt musste, kam aus meiner Familie leider niemand zum zuschauen, worueber ich dann doch ein bisschen traurig war.

Puerto Madryn

Am letzten langen Wochenende (4 Tage) haben wir dann etwas ganz besonderes gemacht: Wir sind nach Puerto Madryn gefahren, 1200 km im Sueden. Puerto Madryn ist eine Stadt in der Provinz Chubut (Hauptstadt: Rawson), in Patagonien.  Dort gibt es Wale, Pinguine und Seeloewen in freier Natur zu sehen.

Um 5 uhr morgens machten wir uns auf den Weg, alle sehr muede. Meine Schwester, die erst 5 stunden vorher von ihrer Studienfahrt zurueck gekommen war, schlief ungelogen 7 von 10 Stunden der Fahrt. Wenn man nach Patagonien rein will, darf man man sehr viele Sachen nicht mitnehmen, ueberwiegend Fruechte, wegen der Erreger die sich darauf befinden koennen. In Patagonien werden hauptsaechlich Fruechte angebaut. An der “Grenze” wird das Auto dann sogar von aussen desinfiziert.

In Puerto Madryn hatten wir ein ganz klasse Hotel: 4 Sterne, Balkon, Meerblick. Meine Schwester und ich hatten ein eigenes Zimmer. Ich hatte bei der Buchung zwar bemerkt , dass es etwas teuer ist, meine Gastfamilie goennt sich aber gerne mal was.

Die eigentliche Wal-Zeit ist von Juli bis Oktober, aber wir hatten Glueck und sahen eine Mutter mit ihrem Jungen. Das war schon sehr beeindruckend, der Wal kam sogar bis auf wenige Meter ans Boot ran! Die maennlichen Wale waren schon weitergezogen.

Danach schauten wir uns die Stadt an. Man merkt wirklich, dass sim Sueden alles viel teurer ist als im Norden. Man verdient zwar auch mehr, aber es ist wohl zum Leben nicht so attraktiv, da es wirklich, wortwoertlich am Ende der Welt ist. Die Preise im Sueden haben das gleiche Niveau (wenn nicht sogar ein hoeheres) wie in Europa. Deswegen haben wir um die vielen schoenen Laeden lieber einen Bogen gemacht. 

Am naechsten Tag schauten wir uns Pinguine an, genauer gesagt Magellan-Pinguine. Meines Wissens sind das die gleichen, die man auch im Zoo sehen kann, aber in freier Wildbahn ist das nochmal etwas ganz anderes. An dem Ort waren mehrere tausend Pinguine mit ihren Jungen, und man konnte beobachten, wie sie sich in die Wellen stuerzten um Fisch zu fangen. Das war sehr schoen. 

Auf der Rueckfahrt machten wir eine Nacht halt in Las Grutas, Rio Negro. Das ist ein sehr touristischer Ort mit Badestrand. Um diese Zeit ist es noch ziemlich leer dort, aber man merkt, dass alles fuer grosse Massen ausgelegt ist. Es wehte schon ein sehr kalter Wind, aber meine Schwester und ich wollten unbedingt ins Meer. Und einmal drin, war der Atlantik schon gar nicht mehr so kalt. Leider war am Tag der Rueckfahrt keine Zeit mehr fuer ein zweites Mal. Mir hat diese Reise total gut gefallen, auch wenn es etwas stressig war, aber ich bin meiner Familie total dankbar dafuer, dass sie so eine weite Reise mit mir gemacht haben, nur wegen mir. 

Vorweihnachtszeit

Gibt es hier nicht. Kein Advent, kein Adventskranz, kein Adventskalender, keine Plaetzchen, kein Nikolaus, keine Weihnachtsschokolade in den Regalen, gar nichts. Schokolade wuerde ja auch schmelzen. Als ich erzaehlt habe, dass wir an Weihnachten einen echten Baum haben, waren sie ganz entsetzt darueber, weil es “nicht gut ist, so viele Baeume zu faellen”. Wir fahren genau 300 Meter mit dem Auto zur Schule, aber da kommt dann doch das Umweltbewusstsein raus... Im naechsten Blog werde ich dann genauer ueber Weihnachten berichten koennen.

Und sonst so …?

Wie schon gesagt, sind ab Mittwoch endlich Ferien. Gefeiert haben wir aber schon heute (Freitag). Wir und eine 6. Klasse bewarfen uns auf dem Platz vor der Schule mit Wasserbomben, groelten und versuchten uns gegenseitig mit Sprechchoeren zu uebertrumpfen. Einige hatten auch Bengalos, wobei ich mich sogar ein bisschen verbrannt habe, aber nicht so schlimm. Ausserdem waere fast meine Brille kaputt gegangen, da ich von einer Wasserbombe mitten ins Gesicht getroffen wurde, aber zum Glueck nur fast.

Fuer die Ferien habe ich mir vorgenommen, unsere Fitnessgeraete mal ein bisschen oefter zu benutzen und ein bisschen brauner zu werden.

Saludos y un beso <3, Maike